„Es war ein hartes Jahr“ - das Hansa-Theater kommt zur nächsten Saison zurück nach Hörde

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Nach einem verheerenden Brand musste das Hansa-Theater für eine Saison nach Hombruch ziehen. Hinter den Betreibern, der Familie Strothmüller, liegt kein einfaches Jahr. Jetzt geht es zurück.

von Anika Hinz

Hörde

, 14.06.2019, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gut ein Jahr ist es nun her, als ein Brand das Hansa-Theater vorübergehend unbespielbar machte. Die Flammen zerstörten am 1. Mai 2018 weite Teile des großen Saals, verschonten aber die neu errichtete Musikwerkstatt - ein Lichtblick. Damals bestand die Überlegung, den Betrieb in eben diesem neu geschaffenen Raum aufrecht zu erhalten.

„Das hat nicht funktioniert, die Musikwerkstatt ist einfach zu klein“, sagt Inga Strothmüller heute. Mit ihren Eltern Theresia und Rudi Strothmüller betreibt sie das Hansa-Theater als Familienbetrieb, der allen sehr am Herzen liegt. Alle Vorstellungen absagen? Keine Option. „Dann wären wir weg vom Fenster gewesen“, sagt Inga Strothmüller. Nach eifriger Überlegung und mit viel Unterstützung der Stadt Dortmund ging es schließlich nach Hombruch.

Viel Arbeit, wenig Publikum

Auf dem großen Marktplatz an der Harkortstraße durfte das Hansa-Theater für eine Saison weiter leben - kein einfaches Jahr, so Inga Strothmüller. Das Problem war das Publikum, welches das Theater immer noch mit Hörde assoziierte. „Die Leute standen auf der Eckardtstraße und wussten gar nicht, dass wir jetzt in Hombruch spielen“, sagt Inga Strothmüller. „Und in Hombruch waren wir zu unbekannt.“

„Es war ein hartes Jahr“ - das Hansa-Theater kommt zur nächsten Saison zurück nach Hörde

Die Betreiber des Hansa-Theaters sind Theresia, Rudi und Inga Strothmüller (v.l). © Anika Hinz

In den ersten Monaten, so Theresia Strothmüller, lief das Geschäft nur schleppend an. Die Folge waren große finanzielle Einbußen. „Erst ab Dezember ging es dann los und es wurde voller. Wir mussten uns hier in Hombruch erst mal einen Namen machen“, sagt sie. Ihre Tochter stimmt ihr zu: „Wären wir hier noch eine Saison länger, dann würde das Theater sicher richtig gut angenommen werden.“ Sie schätzt, dass es schon mindestens zwei Jahre bräuchte, bis so ein Kulturbetrieb die nötige Bekanntheit erlangt.

Stammpublikum froh über Abschied von Hombruch

In Hörde ist man bekannt. Dort gilt das Hansa-Theater als kulturelle Institution mit ordentlich Stammpublikum. „Das ist froh, wenn es zurückgeht, offenbar kommen die Räumlichkeiten in Hörde besser an“, sagt Inga Strothmüller. Verstehen kann sie das nicht, immerhin ist das Theater in Hombruch eine echte Antiquität. Errichtet wurde das Gebäude in den 50er-Jahren, beherbergte damals noch ein Kino. Heute spürt man die Nostalgie in jeder Ecke - vermackte Mauern, alte Treppen, altmodisches Inventar.

„Es war ein hartes Jahr“ - das Hansa-Theater kommt zur nächsten Saison zurück nach Hörde

Der Vorführungssaal in Hombruch ist deutlich älter als in Hörde. Zugleich sei er schlecht gedämmt, weshalb Rudi Strothmüller hohe Stromkosten fürchtet. © Anika Hinz

„Es müsste aber trotzdem mal renoviert und barrierefrei gemacht werden“, sagt Inga Strothmüller. Sie könnte sich vorstellen, dass das Gebäude in einem moderneren Zustand auch wieder vermietet werden könnte. Aktuell sieht es danach aus, als würde es nach dem Auszug des Hansa-Theaters wieder leerstehen. Interessenten gibt es keine. „Das ist traurig, das Gebäude ist geschaffen für Kultur“, sagt Theresia Strothmüller. Vor dem Einzug des Hansa-Theaters stand das Objekt 15 Jahre lang leer.

Hörder Saisonauftakt im September

„Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Rudi Strothmüller. Bei dem Gedanken daran, nach Hörde zurückzukehren wird der Theaterbetreiber sentimental. Dabei hat er gar keinen Grund dazu: Das Programmheft für Hörde ist vollgepackt mit Veranstaltungen. Sogar zwei Premieren - „Candy Sisters“ und „A Tribute to Rod Stewart“ - stehen an. Was sich die Künstlerfamilie für ihren Umzug wünscht? „Wieder jüngere Leute fürs Theater zu begeistern - das wäre toll“, sagt Inga Strothmüller.

Los geht es in Hörde am 28. September mit einem Best-of, wozu alle Mitglieder des Hansa-Theaters eingeladen sind. Ausgewählte, übrig gebliebene Tickets landen im freien Verkauf. Die erste „richtige“ öffentliche Show ist am 3. Oktober, Theaterliebhaber können sich an dem Tag auf „Ring of Fire - Johnny Cash“ freuen. In Hombruch findet die letzte Show vor der Sommerpause am Samstag (15. Juni) statt, ein italienischer Konzertabend mit Sänger Riccardo Doppio. Eintrittskarten sind noch erhältlich.

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