Hansa Theater feiert einzigartige Komposition aus Mozart, Hardrock und einem gelben U-Boot

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Klassik macht Spaß! Das beweisen „Les Troizettes“ an Flügel, Violine und Cello mit ihrem aktuellen Programm „Ein Trio wider Willen“. Warum der humorvolle Klassik-Pop begeistert.

Hombruch

, 05.05.2019, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Isabelle Engelmann, Sarah Piorkowsky und Gabriella Strümpel räumen am vergangenen Samstag (4. Mai) mit dem Vorurteil auf, dass klassische Musik ernst und getragen sein muss. Im Hansa Theater beweisen „Les Troizettes“, wie sich die Berlinerinnen nennen, an Flügel, Violine und Cello, dass Klassik Spaß macht, laut lachen lässt.

Isabelle Engelmann kommt als arrogante, allwissende Pianistin daher und eröffnet ihr Klavier-Solokonzert mit dem „Prélude C-Moll“ von Johann Sebastian Bach. Da erscheint Sarah Piorkowsky auf der Bühne, möchte ihr Violinen-Solokonzert beginnen. Mit dem „Ungarischen Tanz Nummer 5“ von Johannes Brahms. Da keine von ihnen beigibt, spielen sie zeitgleich ihr jeweiliges Stück. Eine einzigartige Klang-Konstellation entsteht.

Kabarettistischer Zickenkrieg

Es folgt Cellistin Gabriella „Ella“ Strümpel. Sie betritt das Theater durch die Zuschauerreihen, sucht das Orchester, das sie bei ihrem Solokonzert begleiten soll. Die drei werden so zum „Trio wider Willen“. Ein kabarettistisch humorvoller Zickenkrieg mit anspruchsvoller Musikdarbietung entwickelt sich. Da gibt es flotte Sprüche wie „Es muss am Instrument liegen, dass Pianistinnen eine große Klappe haben“ und auch Versuche, die Widersacherin beim Musizieren zu behindern oder ihr eine andere Melodie aufzuzwingen.

Dieser von Isabelle Engelmann geschriebene und inszenierte Mix aus exzellenter Musik sowie mimisch guter Schauspielerei ruft früh und mehrfach Bravo-Rufe im Publikum hervor. Das ist dem perfekt aufeinander abgestimmten Zusammenspiel der drei vielseitigen Künstlerinnen geschuldet.

Zu „Swanee“ tanzten (v.l.) Sarah Piorkowsky und Ella Strümpel zur Pianomusik von Isabelle Engelmann.

Zu „Swanee“ tanzten (v.l.) Sarah Piorkowsky und Ella Strümpel zur Pianomusik von Isabelle Engelmann. © Dietmar Bock

Ihr „Trio wider Willen“ ist genial eingespielt, bietet verblüffende Kompositionen. Wie jene, die unter anderem Mozarts „Kleine Nachmusik“, Beethovens Neunte „Ode an die Freude“, Verdis „Aida“, das gelbe U-Boot („Yellow Submarine“) der Beatles und „Jump“ von der Hardrock-Band Van Halen zusammenführt.

Oper ohne Worte

Zudem bringen sie Mozarts Oper „Don Giovanni“ in historischem Outfit mit grauer Perücke aber ohne Worte zu Gehör, liefern sich in wechselnden Duetten hörenswerte Wettstreite und spielen gemeinsam mit drei Bögen auf einem Cello. Das ist glänzend gemacht, wie auch Beethovens Klavierstück „Für Elise“, das Isabelle Engelmann solo darbietet. Sie variiert es in Clayderman-, Boogie-Woogie-, Jazz- und Rock-Manier. Stark!

Bei „Swanee“ aus „A Star Is Born“ tanzen die Streicherinnen Sarah Piorkowsky und Ella Strümpel zu den Pianoklängen von Isabelle Engelmann, ehe sie sich bei „Csárdás“ von Vittorio Monti im Spiel mit dem flinken Bogen zu überbieten scheinen. Wow-Rufe, zustimmende Pfiffe und langer Applaus würdigen den außergewöhnlichen Abend, der zeigt, dass Klassik Spaß machen kann.

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