Nicht in jeder Fußballkneipe sind künftig noch die Spiele des BVB zu sehen. © dpa
Sky, DAZN und Amazon

Hat das Fußballgucken in der Kneipe in Dortmund noch eine Zukunft?

Dass BVB-Spiel-Übertragungen in Dortmund die Leute in die Kneipe locken, ist kein Geheimnis. Für einige Kneipenbetreiber lohnt sich das aber nicht mehr - und das liegt keineswegs an den Gästen.

„Das rechnet sich für uns in keiner Form“, sagt Jörg Kemper, Betriebsleiter des Wenkers am Markt. Die Rede ist von der Übertragung von Fußballspielen über die Streaming-Dienste DAZN und Amazon. Im Wenkers können BVB-Fans nur noch die Samstagsspiele in der Bundesliga sehen.

Alle anderen Bundesligapartien werden mittlerweile von DAZN, die Champions-League-Spiele von DAZN und Amazon übertragen. Gastronomen können bei Sky ein Paket buchen, bei dem die Übertragung des Amazon-Spiels enthalten ist.

Für Dortmunder Kneipen, die gerne jedes BVB-Spiel zeigen würden, macht das die Lage komplizierter – und teurer. Kemper sagt er habe sich „aktiv dagegen entschieden“, ein Abo bei DAZN oder Amazon abzuschließen.

In der Sports Arena im Bissenkamp können Gäste weiterhin alle BVB-Spiele sehen. Ob es dabei bleibt, ist laut Besitzer Ali Hosseinmardi aber unsicher.

Schon früher nicht billig

In der vergangenen Saison seien in seinem Sky-Paket noch die Spiele, die von DAZN übertragen werden, enthalten gewesen. Schon damals war das für ihn nicht billig.

Etwa 600 Euro monatlich habe er gezahlt, um in seiner Bar Champions League und Bundesliga zeigen zu können.

Hosseinmardi fühlt sich von dem Sender „hintergangen“. Im Mai, als er ein neues Abo abgeschlossen habe, habe es von Seiten des Senders geheißen, die Spiele von DAZN seien weiterhin im Sky-Abo enthalten.

Wenig später habe der Sender das dann revidiert. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich das Abo nicht abgeschlossen“, sagt Hosseinmardi.

Mittlerweile zahlt der Gastronom um die 1000 Euro im Monat für Fußballübertragungen. „Für eine kleine Bar wie meine ist das einfach zu viel“, sagt der Besitzer der Sports Arena.

Kosten für Internet

Dazu kommen weitere Kosten: Da DAZN nur über das Internet verfügbar ist, habe er seinen Router aufrüsten müssen, sagt Hosseinmardi.

Sollte sich an der aktuellen Preislage nichts ändern, plant Hosseinmardi in Zukunft nicht mehr für beide Anbieter zu bezahlen.

Für die Sports Arena wäre das ein bitterer Schritt. Wenkers-Betriebsleiter Kemper ist zuversichtlich, dass es sich nicht negativ auf sein Lokal auswirkt, wenn künftig weniger BVB-Spiele bei ihm zu sehen sind.

„Freitagabend ist bei uns sowieso Prime Time“, sagt Kemper. Sonntags sei das Wenkers meist nicht allzu voll. Dass er freitags und sonntags keine Spiele mehr übertragen könne, sieht Kemper dementsprechend eher gelassen.