Kindersegen im Siesack: Heckrind-Herde bekommt niedlichen Zuwachs

rnHeckrinder in Mengede

Im Naturschutzgebiet Siesack sind seit Februar sechs Heckrind-Kälber geboren worden. Und schon jetzt helfen sie tatkräftig bei der Erhaltung des Naturschutzgebietes.

Groppenbruch

, 31.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der rund 170 Hektar großen Fläche des Naturschutzgebietes „Im Siesack“ fühlen sich nicht nur viele heimische Vogel- und Pflanzenarten wohl. Auch Heckrinder sind hier seit 2003 zu Hause.

Derzeit leben acht ausgewachsene Tiere und zwei Winter-Kälber auf der etwa 37 Hektar großen Halde. Im unteren Bereich des Mengeder Naturschutzgebietes zwischen Emscherallee und Kanal sind 18 ausgewachsene Tiere auf circa 23 Hektar untergebracht.

Seit Februar sind in der größeren Herde sechs Kälbchen geboren worden. Der niedliche Nachwuchs ist vom Kanalweg aus am besten zu beobachten. Denn im Naturschutzgebiet heißt es für Spaziergänger: auf den Wegen bleiben.

Zwei weitere Kälbchen werden im Laufe des Jahres erwartet. „Zwei oder drei Tage vor dem Kalben merken wir, dass es losgeht“, sagt der Waltroper Landwirt Martin Sißmann, der die Herden seit eineinhalb Jahren gemeinsam mit seiner Familie betreut.

Kühe gebären ihre Kälber ohne Hilfe

Die Geburt selbst schaffen die Kühe dann aber ganz allein. Danach liegen die Kälber zunächst zwei bis drei Tage im Gras, bevor sie sich der Herde anschließen. Ihre Mütter kommen nur zum Säugen zu ihren Kälbchen.

„Wenn ein Kalb geboren wurde, verhält sich die ganze Herde anders. Alle, vor allem die Leitkuh, schützen die Kleinen“, erklärt Martin Sißmann. „Am Verhalten der Herde merken wir sofort, dass etwas im Busch ist – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Die Herde schützt ihre jüngsten Mitglieder.

Die Herde schützt ihre jüngsten Mitglieder. © Privat

Acht bis zehn Kälber werden so jährlich in den beiden Herden geboren, die trotz der Umzäunung möglichst natürlich gehalten werden sollen. Größere Komplikationen habe es bislang bei keiner Geburt gegeben.

„Wenn wir Komplikationen mitbekommen, gehört es natürlich trotz aller Wildheit zum Tierschutz dazu, zu helfen“, sagt Martin Sißmann. Zum Tierschutz gehöre auch die jährliche Blutentnahme, um gefährliche Virus-Infektionen auszuschließen, und die Entwurmung.

Zudem bekommen die Kälbchen ein bis zwei Tage nach der Geburt ihre Ohrmarken. Sobald sie auf ihren staksigen Beinen stehen und herumtollen können, helfen sie wie ihre großen Artgenossen beim Naturschutz.

Alles soll naturbelassen bleiben

Im Siesack sollen Menschen nur in einem sehr geringen Maße Einfluss nehmen, so Ute Schulze Kersting vom Umweltamt der Stadt Dortmund. „Die Heckrinder helfen bei der Pflege des Gebietes.“

Heckrinder unterstützen mit ihrem Fressverhalten und dem Trampeln ihrer Hufe die Biotop-Vielfalt. „Sie sind die ökologischste Variante, das Areal gesund zu halten“, erklärt Ute Schulze Kersting.

Die Stadt Dortmund sei glücklich, in Familie Sißmann Betreuer gefunden zu haben, die nicht nur alle nötigen Auflagen erfüllen können, sondern als Milchbauern auch über Fachwissen verfügen und mit Herzblut dabei seien, so Ute Schulze Kersting.

Vier bis fünf Mal pro Woche fährt Martin Sißmann mit seinem Vater Willi zu den Heckrindern, um nach dem Rechten zu sehen und sie mit Hilfe von Möhren so zahm zu halten, dass sie bei Tierarztbesuchen in die Fanganlage mit Futtertrögen kommen.

Es dürfen nicht zu viele Rinder sein

Im Winter werden die Rinder dort auch zugefüttert. So gewöhnen sie sich an die Fanganlage, die im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt hatte. Denn hier wurden in aller Öffentlichkeit einige Rinder der Herde getötet und zum Schlachthof der Sißmanns transportiert.

„Für die Tiere ist das allerdings die stressfreiste Variante“, erklärt Martin Sißmann. Denn die Alternative wäre ein Lebendtransport. „So kommen die Rinder nur in die gewohnte Fanganlage.“ Nötig seien die Schlachtungen, weil es sonst zu viele Heckrinder Im Siesack gebe. Die Herdengröße dürfe angesichts des begrenzten Platzes nicht zu groß werden.

Auch in diesem oder im nächsten Jahr müssen entweder Rinder aus der größeren Herde in die kleinere umgesiedelt oder geschlachtet werden, damit die Herden ruhig und ausgeglichen bleiben.

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