Heildiener für die Kumpel

Bövinghausen Hauer, Steiger oder Knappe: Berufe, die viele Menschen direkt mit der Arbeit im Bergbau verbinden. Doch was ein Heildiener ist und welche Funktion dieser auf der Zeche erfüllt, ist heute weitgehend unbekannt.

02.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Wer mehr über diesen Beruf erfahren wollte, hatte jetzt auf Zeche Zollern II/IV Gelegenheit dazu.

Vor der historischen Kulisse der Waschkaue des Industriemuseums stellte sich der ehemalige Heildiener Lothar Gräf den Fragen interessierter Besucher. Und von ihm erfuhren sie, dass ein Heildiener oder Heilgehilfe nichts anderes war als der Betriebssanitäter im Bergbau.

"Egal ob Steinschlag, Hautverletzungen oder Knochenbrüche: Wir übernahmen die Erstversorgung bei Unfällen über und unter Tage", erklärt Lothar Gräf, der zwei Jahre als Heildiener auf der Zeche Königsborn arbeitete, bevor er Krankenpfleger im Krankenhaus wurde.

Vor der Umschulung zum Heildiener war er über 20 Jahre selbst unter Tage als Hauer tätig. Obwohl er diesen Beruf liebte, entschied er sich mit 33 Jahren für die einjährige Ausbildung.

Auslöser für diese Entscheidung war der Unfall eines Freundes, der mit 35 Jahren tödlich verunglückte. "Die Arbeit war einfach sehr gefährlich", sagt Lothar Gräf heute. Missen möchte er die Zeit unter Tage deswegen jedoch nicht.

"Diese Erfahrungen waren sehr wichtig für meinen neuen Beruf", sagt der heute 69-Jährige. "Ich kannte die verletzten Kumpel und wusste über die Arbeitsabläufe Bescheid." So konnte er Zusammenhänge direkt erfassen und meist schnell helfen. Allerdings machte Gräf auch die leidvolle Erfahrung, dass seine Hilfe zu spät kam. Daran erinnert sich der ehemalige Heildiener jedoch nicht gern. "Über Unglücke soll man nicht sprechen. Die sind vorbei", sagt er.

Lieber erzählt der ehemalige Heildiener von den glücklichen Momenten. "Wenn ich einem Kumpel geholfen hatte und der nach einigen Wochen in der Tür stand und mir ,Glück auf? zurief: Das war sehr schön."

Jennifer Riediger

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