Heinz Rudolf Kunze: "Ich hatte nie ein Talent, wie ein Waschmittel zu sein"

Interview vor FZW-Konzert

Mit "Dein ist mein ganzes Herz" begeisterte Heinz Rudolf Kunze Massen. Heute kommt der Deutschrock-Sänger mit seinem neuen Album "Deutschland" ins FZW. Welche Songs er mitbringt und was ihn mit Freddy Quinn und Roy Black verbindet, verrät Kunze unserem Redakteur Peter Wulle im Interview.

DORTMUND

, 19.09.2016, 02:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Heinz Rudolf Kunze kommt am 19. Oktober im Rahmen seiner Deutschland-Tournee ins FZW.

Heinz Rudolf Kunze kommt am 19. Oktober im Rahmen seiner Deutschland-Tournee ins FZW.

Ihr aktuelles Album heißt „Deutschland“. Damit gehen Sie folgerichtig auf „Deutschland“-Tour und kommen am 19. Oktober hier ins FZW. Mich erinnert das Album an „Wunderkinder“ von 1986 mit dem Schwarz-Rot-Gold auf dem Cover. Deutschland beschäftigt sie immer noch – oder wieder?

Deutschland beschäftigt mich, seit ich Musik mache – und vorher auch schon. Insofern ist das ein roter Faden, ja. Heute gibt es sehr viele Unzufriedene in diesem Land und ich beschreibe, was ich vorfinde.

In dem Lied „Jeder bete für sich alleine“ geht es um religiösen Fanatismus. Sie thematisieren so den aktuellen Islamismus. Sind Sie grundsätzlich gegen Religion?

Ich mag Religion und finde das Bedürfnis, an einen Gott zu glauben, legitim. Aber Religion zu privatisieren, würde doch dem Fanatismus den Dampf nehmen. Leider findet „Jeder bete für sich alleine“ keine mediale Aufmerksamkeit. Das enttäuscht mich.

Machen politische Songs überhaupt noch Sinn? Haben Sie nach 36 Jahren im Musikgeschäft nicht das Gefühl, gegen eine Wand zu reden?

Ich habe mir da nie Illusionen gemacht. Ich schreibe diese Songs, um zu dokumentieren. Ausrichten kann ich wohl wenig.

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Sie sind ein Wort-Akrobat, dem Textzeilen wie „Wenn das Faustrecht der Träume alle Sorgen mit Tarnfarbe streicht“ im Lied „Was wirklich zählt“ von 1991 aus der Feder fließen. Wie kommen Sie zu solchen Texten?

Die Einfälle finden mich. Das ist so, als wenn ich Antennen aufstelle und Funksignale empfange.

Die meisten kennen von Ihnen nur das schlagerhafte „Dein ist mein ganzes Herz“. Ärgert Sie das?

Das ist schade, aber ich bin dafür auch dankbar. Zu anderen Künstlern fällt vielen gar nichts ein.

Etliche Fans haben Sie mit dem Song aber vergrault ...

...das ist nicht absichtlich passiert. Ich hatte nie ein Talent, wie ein Waschmittel zu sein und immer gleich zu funktionieren. Ich bin gespannt auf die Reaktionen auf mein nächstes Album, das schon Ende dieses Monats erscheint.

Warum? Was wird das für ein Album sein?

Zu meinem 60. Geburtstag, den ich im November feiere, kam der Vorschlag, mal ein Cover-Album zu machen. Darauf singe ich unter anderem Lieder von Freddy Quinn und Roy Black.

Das ist nicht Ihr Ernst!

Doch. Das sind natürlich Verbeugungen mit einem Augenzwinkern. Ich kann die Lieder gut singen, sie liegen mir und ich bin mit ihnen aufgewachsen. Das ganze Album ist das Eingeständnis eines Anglophilen: Deutsche Popmusik ist doch nicht so schlecht.

Aber davon singen Sie nichts im FZW, oder?

Nein, zu dem Cover-Album „Verbeugungen“ gibt es 2017 eine eigene Tour. Jetzt werde ich Songs von „Deutschland“ und auch viele alte Stücke singen.

Sie freuen sich ganz besonders auf Ihren Auftritt in Dortmund. Warum?

Meine Ex-Frau war Dortmunderin. Seit Mitte der 70er-Jahre habe ich eine sehr innige Beziehung zu der Stadt, die sich positiv verändert hat.

Karten für das Konzert am 19. 10. (Mittwoch, 20 Uhr) im FZW, Ritterstraße 20, gibt es ab 45,25 Euro unter Tel. (02365) 50 35 500, im RN-Service-Center, Silberstraße 21 und.

    

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