Herr der Hennen: Landwirt (20) verbindet Technik mit Tierwohl

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Jan Philipp Prein ist Landwirt aus Benninghofen und hat auf seinem familiengeführten Hof ein Hühnermobil installiert.

von Birgit Mader

Wellinghofen

, 16.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon in der achten Klasse wusste Jan Philipp Prein, wo seine berufliche Zukunft liegen würde: „Ich werde Landwirt!“. Nach dem Realschulabschluss setzte er seinen Wunsch konsequent um. Vier Jahre ist das her.

Nach einer dreijährigen Ausbildung in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben sowie einem Auslandspraktikum in Rumänien kehrte der jetzt 20-Jährige zurück auf den heimischen Hof der Familie. Mehr als 130 Jahre ist der schon im Besitz der Familie.

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Bevor Jan Philipp Prein jetzt eine zweijährige Anschlussausbildung zum staatlich geprüften Agrar-Betriebswirt beginnt, hat er auf dem Hof am Ende der Brücherhofstraße in Benninghofen schon einiges verändert.

Ein Hühnermobil steht seit Neuestem auf dem Hof, eine Art „Hühnerstall auf Rädern“, wie es der junge Landwirt ausdrückt. Neun Meter lang, fast drei Meter breit, dreieinhalb Meter hoch: in diesem hochmodernen Stall leben derzeit 340 Hühner – und alle sind gleich alt.

Hühner bleiben 14 Monate lang zusammen

„Mit 17 Wochen und drei Tagen sind sie ins das Mobil gekommen“, sagt Jan Philipp Prein. „Und sie bleiben vierzehn Monate zusammen.“ Der Clou: das Mobil wird auf eine Wiese oder andere Freifläche gefahren. Dann kommt der 150 Meter lange Zaun zum Einsatz und schafft die Auslauffläche für die Hühner.

In einem unter dem eigentlichen Stallbereich angebrachten Scharr-Raum warten die Tiere dann auf das automatische Öffnen der Gatter – und können sich auf der Fläche frei bewegen, scharren und das tun, was ein Huhn mit Auslauf eben so tut. In regelmäßigen Abständen wird das Mobil versetzt. „So hat jedes Tier vier Quadratmeter Raum zur Verfügung“, erklärt Jan Philipp Prein.

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Im Hühnermobil teilen sich neun Hühner einen Quadratmeter. „Ich dürfte die so dort drin halten, das wäre regelkonform“, sagt Prein, und seinem Gesicht sieht man an, was er von dieser Regelung hält.

So sieht der Scharr-Raum aus.

So sieht der Scharr-Raum aus. © Birgit Mader

Am Abend machen sich die Hühner mit der Dämmerung instinktiv auf den Weg in ihren mobilen Stall, der sich dann schließt, und verbringen dort sicher die Nacht. Und dort legen sie auch ihre Eier – auch wenn sie dies erst lernen müssen. Zur Zeit verbringe er noch drei bis vier Stunden täglich im Hühnermobil, sagt Jan Philipp Prein, und gewöhne auch das letzte junge Huhn sanft daran, sein Ei ins Nest zu legen – und nicht irgendwo anders hin.

Kunden können sich Ware aus Verkaufsautomaten ziehen

Die Eier – auch die seiner in Bodenhaltung lebenden 170 Hühner - verkauft Prein nun in einem neuen Verkaufsautomaten, der neben der Tür des Wohnhauses zu jeder Tages- und Nachtzeit für seine Kunden zugänglich ist. Außer Eiern gibt es Kartoffeln, Schnaps vom Nachbarn – und Gummibärchen für die Kinder.

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