An der Ecke Kaiser-/Klönnestraße entsteht das Kaiser-Quartier. Ihm soll eine mächtige Platane weichen, die letzte im neuen Dortmunder Quartier. Das will ein Anwohner nicht zulassen.

Kaiserstraßenviertel

, 12.08.2018, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rainer Gorecki wohnt im östlichen Teil des Neubaugebietes Stadtquartier Ost. Eine schmucke Gegend, die Etagenwohnung modern und gediegen – Lebensqualität in Innenstadtnähe für den pensionierten Lehrer und seine Frau. Zu dieser Lebensqualität trägt auch eine alte Platane bei. Und die soll fallen, das ist Goreckis Sorge.

Noch liegt eine Brache vor der Haustür

Vor seiner Haustür an der Wismarer Straße ist derzeit noch eine Brache: Gut eineinhalb Hektar groß, erstreckt sie sich bis zur Kreuzung Kaiser-/Klönnestraße.

Dort entsteht das neue „Kaiser-Quartier“ – im ersten Bauabschnitt mit drei Gebäuden, in denen unter anderem ein Rewe sowie weitere Gewerbeeinheiten Platz finden. Den zweiten Bauabschnitt mit weiteren sieben Häusern will Investor Eric Schmidt bis 2021 realisieren. Insgesamt wird er auf dem Areal 130 Wohneinheiten bauen.

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Rainer Gorecki steht vor seiner Haustür und zeigt auf die alte Platane. „Die ist zwischen 50 und 100 Jahre alt“, sagt der Ruheständler. Die Platane ist ein Unikat mitten im Neubaugebiet, in dem Bäume kaum so hoch wie ein Haus sind.

„Wie wichtig Bäume sind, erleben wir doch gerade jetzt in diesem heißen Sommer.“ Rainer Gorecki will den Baum retten. Fast 500 Unterschriften hat er bei seinen Nachbarn gesammelt und an Planungsdezernent Ludger Wilde geschickt.

Die Platane ist „ortsbildprägend“

In seiner Antwort erklärt Wilde, dass der Erhalt der alten Bäume bei der Aufstellung des Bebauungsplans im Stadtquartier Ost eine Rolle gespielt habe. Die Platane bezeichnet er als „ortsbildprägend“.

Der Beigeordnete weist dann darauf hin, dass Untersuchungen ergeben haben, „dass besonders im Bereich der Platane eine Belastung des Bodens vorliegt, die eine Bodensanierung unerlässlich macht, um gesunde Wohnverhältnisse zu ermöglichen“. Relikte des ehemaligen Güterbahnhofs lassen grüßen.

„Für mich sieht der Baum gesund aus“

An anderen Stellen in der Stadt seien zwar erhaltenswerte Bäume von der Bodensanierung ausgenommen. Das sei aufgrund der künftigen Nutzung an der Wismarer Straße nicht möglich. Deswegen halte die Stadt an der Platane nicht mehr fest und wolle den Fällantrag zusammen mit dem Bauantrag genehmigen. Die Bezirksvertretung erhalte einen entsprechenden Beschlussvorschlag.

Rainer Gorecki nimmt dieses Urteil nicht so einfach hin. „Ich bin Laie, aber für mich sieht der Baum gesund aus.“ Eine Schädigung durch Schadstoffe sähe man der Platane an.

Die Architektin des Neubaukomplexes habe ihm mitgeteilt, Bäume gewöhnten sich an Schadstoffe. „Das ist doch Quatsch“, sagt Rainer Gorecki. Er möchte Bodenproben, handfeste Beweise. Schwarz auf weiß. „Das ist ganz klar ein Politikum.“

Über Facebook solidarisieren sich die Anwohner

In diesem Politikum lässt er nichts unversucht, sucht Gespräche und Mitstreiter. Am Mittwochmittag nahm sich die Facebook-Seite „Kaiserviertel Dortmund“ Rainer Goreckis Kampf an: „Hat jemand eine Idee zur Rettung?“

29 Mal wurde der Beitrag bis Sonntagmittag geteilt. Die Kommentatoren stellen sich an Goreckis Seite. „Demo? Anketten am Baum?“, schlägt eine Userin vor. „Habe ich auch schon drüber nachgedacht“, antwortet Gorecki.

Die Ideen zur Rettung der Platane sind aber durchaus konkret. Ein Kommentator schlägt ein „temporäres Versetzen des Baumes“ vor, ein anderer, Metallplatten um den Bau zu verlegen – wie bei Stadtbäumen in Paris. Dieser Vorschlag gefällt Rainer Gorecki. Für die kommende Woche hat er sich mit Investor Eric Schmidt auf der Baustele verabredet, „um ihn vielleicht doch noch umzustimmen“.

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