Als dieses Foto im Februar 2011 entstand, war Straßenprostitution an manchen Orten in Dortmund noch legal. © Dieter Menne
Jahrestag

„Heute gibt es den illegalen Straßenstrich“ – Fallzahlen in Dortmund steigen

Vor zehn Jahren ist die legale Straßenprostitution in Dortmund abgeschafft worden. Trotzdem gibt es immer noch Frauen, die am Straßenrand auf Kunden warten.

Seit zehn Jahren ist in Dortmund Straßenprostitution verboten. Bis zum Mai 2011 durften Frauen ganz legal an der Ravensberger Straße anschaffen. Doch die Politik musste angesichts von Gewalt, Müll und Menschenhandel eingreifen und erließ am 2. Mai 2011 eine neue Sperrgebietsverordnung.

Heute gibt es den illegalen Straßenstrich

Wenige Tage später, am 16. Mai, demontierte die Stadt die sogenannten Verrichtungsboxen am Straßenstrich und schickte Einsatzkräfte raus, um die Einhaltung der neuen Verordnung zu kontrollieren.

Simone Kleinert von der Dortmunder Stadtgruppe Terre des Femmes sagt, dass ihre Organisation die Schließung des offiziellen Dortmunder Straßenstrichs damals begrüßt habe. Sie sagt aber auch: „Heute gibt es in Dortmund den inoffiziellen Straßenstrich.“

Oft handele es sich um Beschaffungsprostitution, drogenabhängige Frauen böten ihre Dienste an.

„Sexarbeiterinnen würden sich diese Frauen niemals nennen“, sagt Elke Rehpöhler von der Beratungsstelle Kober in der Nordstadt. Diese Frauen gehen „anschaffen“, um ihre Sucht zu finanzieren.

Über 200 Strafanzeigen wegen Straßenprostitution

2020 hat die Polizei 207 „Strafanzeigen wegen des Verdachts der verbotenen Prostitutionsausübung im Sperrgebiet“ bearbeitet. Im Jahr zuvor waren es 187 Fälle.

Polizeioberkommissarin Kristina Purschke nennt das einen „leichten Anstieg“, der nichts mit der Corona-Pandemie und dem generellen Prostitutionsverbot zu tun habe, sondern auf die verstärkten Kontrollen zurückzuführen sei.

Oft seien es Anwohner, die die Polizei auf mögliche Anbahnungen zwischen Prostituierten und Kunden aufmerksam machten. 2019 seien im Bereich der Bergmannstraße in der Nordstadt, unweit einer Kindertagesstätte, Beschwerden eingegangen, teilt die Polizei mit.

Generell sei die Anzahl der in Dortmund tätigen Straßenprostituierten seit der neuen „Sperrgebietsverordnung“ um circa 60 bis 70 Prozent zurückgegangen.

Wer sich trotzdem prostituiert, werde von der Polizei zunächst belehrt. Im Wiederholungsfall schreiben die Beamten eine Ordnungswidrigkeitsanzeige, im nächsten Schritt werde bei erneutem Verstoß eine Strafanzeige gestellt.

Geldstrafen seien das häufig und Platzverbote werden verhängt, weiß Andrea Hitzke von der Dortmunder Mitternachtsmission. Da die Frauen aber oft das Geld nicht aufbringen könnten, müssten sie stattdessen für einige Zeit in Haft und ihre Strafe absitzen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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