Hilfe für krebskranke Viktoria (2): 250 Studenten registrieren sich als Stammzellenspender

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Die Chance, sich als Stammzellenspender zu registrieren, nutzten mehr als 250 Menschen an der TU Dortmund. Ob das reicht, um die zweijährige Viktoria zu retten?

Dortmund

, 18.06.2019, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dienstagmittag, 12 Uhr: Zu Hunderten strömen Studenten in die Mensa der TU Dortmund. „Ich hab‘ riesigen Hunger“, sagt einer und hält sich demonstrativ und mit leidendem Blick den Bauch. Viele Studenten schieben sich jedoch kein Essen in den Mund – sondern erst einmal drei Wattestäbchen. Denn mehr braucht man nicht, um sein Genmaterial abzugeben und sich als potenzieller Stammzellenspender registrieren zu lassen. Das soll im besten Fall der zweijährigen Victoria helfen. Die Kleine hat Leukämie - und braucht dringend eine Stammzellenspende.

In einem kleinen Nebenraum sind vier Tische aufgebaut, an denen man sein Genmaterial für den guten Zweck abgeben kann. Ein gutes Dutzend Studenten steht vor der Tür und wartet. Über den Tag verteilt werden 250 potentielle Spender erwartet. Unter ihnen ist der wissenschaftliche Mitarbeiter Petyo Gadzhanov. „Wir wurden in einer Rundmail zur Registrierung aufgefordert. Für mich ist es selbstverständlich, zu helfen. Ich kenne den Patenonkel der kleinen Victoria und wünsche mir sehr, dass sich ein Spender für sie findet. Blutkrebs ist eine schlimme Krankheit - da sollte jeder helfen, der kann.“

Vielen ist das eigene leibliche Wohl wichtiger

Dennoch eilen dutzende Studenten dran vorbei, zum Mittagessen. „Ich hatte bisher keine Zeit, michregistrieren zu lassen. Und jetzt muss ich auch schnell weiter“, heißt es dann unter anderem, wenn man sie anspricht. „Solche Aktionen sind ja öfter hier. Ich werde es an einem anderen Termin machen“, sagen andere.

Hilfe für krebskranke Viktoria (2): 250 Studenten registrieren sich als Stammzellenspender

Sophia-Diana Brings und Saskia Wenzel sind freiwillige Helfer bei der Typisierungsaktion. © Sylva Witzig

Der angehende Wirtschaftsingineur Thorge Schaum muss dringend zu einer Vorlesung - die Zeit zur Registrierung hat er sich aber genommen. „Ich helfe, wo ich kann. Es könnte mich schließlich irgendwann selber treffen, und dann wünsche ich mir auch, dass es einen Spender gibt.“

Um die Daten der Teilnehmer kümmert sich unter anderem Saskia Wenzel. Sie studiert Medizin und hilft zum dritten Mal bei einer Typisierungsaktion. „Bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) sind etwa 32 Millionen Menschen registriert, davon etwa 8,5 Millionen in Deutschland - das ist ungefähr jeder zehnte Deutsche. Trotzdem liegt die Chance, dass einem Patienten geholfen werden kann, bei nur einem Prozent, da das genetische Material selten übereinstimmt. Deshalb ist es unheimlich wichtig, dass man sich registrieren lässt.“

10 Minuten für den guten Zweck

Die Registrierung selbst ist kinderleicht und tut nicht weh: Drei Wattestäbchen werden jeweils eine Minute lang im Mund behalten, um das Material zu sammeln. Dann füllt man einen Zettel aus und bekommt einen vorläufigen Spenderausweis.

Hilfe für krebskranke Viktoria (2): 250 Studenten registrieren sich als Stammzellenspender

Die Registrierung läuft schnell und einfach ab - innerhalb von zehn Minuten ist man fertig. © Tara Bunk

Mit solch einem rosafarbenen Zettel verlässt Sophie Maaßen stolz den Raum. „Ich wollte mich schon immer mal registrieren lassen. Jetzt ist der Tag gekommen, und ich hoffe, eines Tages helfen zu können. Gerade die Geschichte der kleinen Vicky bewegt mich.“ Allein deshalb habe sich die Typisierung schon für sie gelohnt. Wobei: „Ich habe zwar furchtbare Angst vor Nadeln“, sagt die Studentin, „aber wenn ich ein Leben retten kann, überwinde ich mich gerne. Wer die gesundheitlichen Voraussetzungen besitzt, sollte sich auf jeden Fall registrieren lassen.“

Hilfe für krebskranke Viktoria (2): 250 Studenten registrieren sich als Stammzellenspender

Die drei Stäbchen werden jeweils eine Minute in den Mund genommen - das tut gar nicht weh. Dann noch einen Zettel ausfüllen und schon ist man registriert. © Sylva Witzig

Spenden kann jeder zwischen 17 und 55 Jahren, der mindestens 50 Kilo wiegt. Wer einmal registriert ist, bleibt in der Datenbank und muss sich nicht erneut melden. Übrigens: Alle 15 Minuten erkrankt ein Mensch in Deutschland an Blutkrebs - 10 Minuten reichen, um sich registrieren zu lassen.

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