Hitzehölle unterm Dach: Heizung von Frau Lupinska (52) läuft seit Monaten auf vollen Touren

rnLEG-Wohnung

Im vierten Stock einer Dortmunder LEG-Wohnung läuft die Heizung durch - obwohl sie ausgestellt ist. Es herrschen Temperaturen über 40 Grad. Die Mieterin ist verzweifelt.

von Alexandra Wachelau

Nordstadt

, 02.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei dem diesjährigen Hitzerekord sind die meisten Dortmunder ins Schwitzen gekommen. Vor allem Bewohner einer Dachgeschosswohnung können ein Lied davon singen, wie sehr sich Altbauwohnungen aufheizen können. In der Wohnung von Radoslawa Lupinska (52) hat die Hitze der vergangenen Rekordwoche eine ganz andere Dimension erreicht: Seit mehr als zwei Monaten läuft ihre Heizung ununterbrochen – obwohl sie eigentlich aus sein sollte.

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Der Heizkörper im Badezimmer ist aus - heiß ist er trotzdem

„Ich habe letzte Woche mit offener Balkontür auf den Fliesen geschlafen“, sagt die Dortmunderin. Auch ihre Tochter, Marta Lupinska, fand die Hitze „unerträglich“. Die 22-Jährige ist zwischenzeitlich bei ihrem Freund untergeschlüpft. „Man hat sich gar nicht bewegt und war trotzdem nassgeschwitzt. Das war super anstrengend“, sagt sie. „Vor allem, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt und sich eigentlich ausruhen möchte“.

Hitzehölle unterm Dach: Heizung von Frau Lupinska (52) läuft seit Monaten auf vollen Touren

Draußen sind es moderate 25 Grad, im Badezimmer von Radoslava Lupinska springt das Thermometer nach kurzer Zeit auf 35 Grad. Seit Juni lässt sich der Heizkörper nicht abstellen und heizt die Dachgeschosswohnung im Sommer auf. © Alexandra Wachelau

Am schlimmsten ist es im Badezimmer der Dachgeschosswohnung, die in der Nordstadt liegt: Der Heizkörper strahlt eine so starke Wärme aus, dass der Schweiß nach nur wenigen Minuten in dem fensterlosen Raum läuft. Eine erfrischende Dusche im Sommer ist hier unmöglich. Man wird eher an einen Saunabesuch erinnert. Lupinska behauptet: Fast 50 Grad heiß war es in der vergangenen Woche im Badezimmer.

„Die Lüftung im Raum funktioniert nur, wenn wir das Licht anmachen“, sagt Marta Lupinska. „Wir haben deshalb immer das Licht im Bad an und die ganze Nacht läuft der Ventilator.“ Radoslawa Lupinska sorgt sich um die Stromrechnung: „Wer soll das alles bezahlen?“, fragt sie. In den anderen Räumen ist es nur ein wenig besser. Zwar sind die Heizkörper hier kalt, aber die Rohre zu den Thermostatventilen, also dem Temperaturregler am Heizkörper, sind ebenfalls warm.

Hitzehölle unterm Dach: Heizung von Frau Lupinska (52) läuft seit Monaten auf vollen Touren

Auch in einem Einbauschrank im Flur verlaufen Heizungsrohre, die zusätzliche Hitze abstrahlen. © Alexandra Wachelau

In einem Einbauschrank verlaufen ebenfalls Heizungsrohre, auch diese sind sehr heiß. „Im Winter lassen wir den Schrank immer offen, dann ist es wärmer“, scherzt die Tochter. Seit fünf Jahren wohnen beide in der Leopoldstraße, die jetzigen Probleme mit den Heizkörpern seien allerdings erst diesen Sommer aufgetreten. Beide fühlen sich von der LEG allein gelassen. „Ich habe so oft angerufen, seit Juni. Niemand hat es repariert“, sagt Radoslawa Lupinska. Auch ihre Tochter findet: sie seien beide am Telefon nur vertröstet worden.

Die LEG weiß seit dem 21. Juni Bescheid

Mischa Lenz, Pressesprecher der LEG, bestätigt, dass am 21. Juni eine Beschwerdemeldung eingegangen ist. „Am 25. Juli war ein von uns beauftragter Dienstleister vor Ort und hat sich alles angesehen. Bei seinem Vor-Ort-Termin hat der Monteur festgestellt, dass sowohl Absperrventile als auch Heizkörperventile in der Wohnung defekt sind und repariert werden müssen“, sagt er.

Warum bis jetzt nichts unternommen wurde, sagt Lenz nicht. Allein der Besichtigungstermin des Dienstleisters hat einen Monat nach der Beschwerde auf sich warten lassen. Lenz entschuldigt sich: „Das entspricht nicht unserem Qualitätsanspruch und den gewohnten Abläufen in unserem Hause. Wir entschuldigen uns auch für diese zeitliche Verzögerung ausdrücklich bei unserer Mieterin“, schreibt er auf Anfrage der Redaktion.

Ob es wirklich 50 Grad im Badezimmer waren, kann Lenz nicht bestätigen – es seien keine Messungen durchgeführt worden. „Wir können allerdings sagen, dass es sehr warm in der Wohnung gewesen sein muss, wenn bei den derzeitigen Temperaturen zusätzlich die Heizung läuft. Auch das tut uns leid“, sagt er.

Die Familie möchte inzwischen ausziehen

Hitzehölle unterm Dach: Heizung von Frau Lupinska (52) läuft seit Monaten auf vollen Touren

Der sogenannte Trockenraum auf dem Dachboden ist ebenfalls nicht funktionsfähig... © Alexandra Wachelau

Mutter und Tochter sagen, dass sie schon einige Probleme in der Wohnung hinnehmen mussten. „Letzten Winter wurden die Heizungen dagegen nicht richtig warm“, sagt Marta Lupinska. Deswegen lassen sie den Schrank mit den heißen Heizungsrohren im Winter häufig offen.

Auch der sogenannte „Trockenraum“ des Hauses, in dem sie eigentlich ihre Wäsche aufhängen könnten, ist nicht funktionsfähig: Ein Berg aus Sperrmüll blockiert den Raum. „Der ist schon da, seit wir hier wohnen“, sagt Lupinska. Weggeräumt wurde bisher nichts – obwohl Radoslawa Lupinska auch deswegen mehrfach die LEG kontaktiert habe. „Einmal haben wir einen Aushang gesehen, dass die Leute aufräumen sollen. Aber das hat natürlich niemand gemacht“, sagt sie.

Hitzehölle unterm Dach: Heizung von Frau Lupinska (52) läuft seit Monaten auf vollen Touren

...Wäsche lässt sich im Trockenraum nicht aufhängen. Schon bei ihrem Einzug vor fünf Jahren, so Radoslawa Lupinska, sei der Raum voller Sperrmüll gewesen. © Alexandra Wachelau

Am 1. August, das bestätigen Radoslawa Lupinska und Mischa Lenz, wurde die Heizanlage im Keller von einem Monteur der LEG abgestellt. Es wird also langsam kühler in der Wohnung werden. Erst nächste Woche, so Lenz, können die defekten Absperrventile der Heizkörper in der Wohnung repariert werden und die defekten Heizkörperventile erneuert werden, da die Reparaturfirma diese Woche ausgebucht sei.

Die 52-Jährige zeigt sich erleichtert. Dennoch ist sie seit einigen Wochen auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Eigentlich findet sie ihre Wohnung sogar sehr schön – nur die notwendige Reparaturen lassen zu lange auf sich warten.

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