Bildung und Corona

Hohe Inzidenz bei Schülern: „Befürchte, Durchseuchung ist das Konzept“

Die Inzidenz unter Schülern in Dortmund ist enorm hoch - ein Dortmunder Lehrer und Gewerkschaftsvertreter übt harte Kritik - und hat zwei Vorschläge, wie man Schüler noch besser schützen könnte.

Die vierte Corona-Welle ist in Dortmund die der jungen Menschen: Für die Altersgruppe 5 bis 14 Jahre lag die Inzidenz in der vergangenen Woche (letzter verfügbarer Stand 26.8.) bei über 500. Das sorgt nicht nur bei Eltern für Ängste, auch bei Lehrerinnen und Lehrern bringe das Verunsicherung und Sorgen mit sich, sagt Volker Maibaum, Lehrer und Vorsitzender der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Dortmund.

Entwicklung vorhersehbar: Kein Abstand möglich

Was mit Blick auf die hohen Inzidenzen für Unverständnis sorge und das Vertrauen in Landesregierung und Kommune erschüttere, sei die Vorhersehbarkeit der Entwicklung: „Damit konnte man rechnen“, so Maibaum. Dass nach den Ferien bei Regelunterricht in Präsenz und durch Reiserückkehrer wieder mit höheren Fallzahlen zu rechnen sei, „das hat man doch gewusst – und nicht reagiert.“

„Wir haben keine kleinen Gruppen wie vor den Ferien. Ein Klassenraum mit 25 Leuten – da ist nichts mit Abstand halten“, so Maibaum. Für große Verunsicherung sorge im Schulalltag auch die Frage nach der Quarantäne.

Quarantäne-Regeln sorgen für Verunsicherung

„Andernorts werden ganze Klassen in Quarantäne geschickt, an anderer Stelle nur der Sitznachbar. Da ist keine Klarheit, es ist willkürlich. Ich habe das Gefühl, die Landesregierung setzt auf Durchseuchung der Schüler, ich befürchte, dass das das Konzept ist“, so der Gewerkschafter.

In Dortmund waren nach der ersten Unterrichtswoche nach den Ferien 250 Corona-Fälle im Schulbereich registriert worden, so die Stadt. Dadurch bedingt seien aber nur einzelne Schüler in Quarantäne geschickt worden, keine ganzen Klassen oder Jahrgänge.

Unabhängig vom Umgang mit der Quarantäne hat Maibaum zwei Verbesserungsvorschläge für mehr Sicherheit für Schüler: Das Impfen von Schülern ab 12 Jahren schnellstmöglich anzugehen, sei wesentlich – die aktuelle Impfaktion der Stadt, die den Transport von Schülern zum Impfzentrum organisiert, geht Maibaum nicht weit genug. Nicht nur, weil zum Start am 2.9. wenig los war und die Schulen im Vorfeld von eher verhaltenem Interesse berichteten.

Er ist überzeugt: „Flächendeckende Impfaktionen direkt in den Schulen wären die bessere Lösung.“ Der Bustransfer zum Impfzentrum auf Phoenix-West sei natürlich auch nicht verkehrt. Die Quote der Impfwilligen wäre direkt in den Schulen aber höher gewesen, glaubt Maibaum.

Luftfilter da, wo Impfung nicht möglich sind

Ein zweites großes Thema, das im Gespräch zwischen Lehrern und Eltern immer wieder auftauche, seien die mobilen Luftfilter. „Es ist uns völlig unverständlich, warum man da, wo eine Impfung keine Lösung ist – beispielsweise in den Grundschulen – keine Luftfilter einsetzen will.“

Die Argumentation der Stadt, man habe Befürchtungen, dass dann weniger gelüftet werde und so der dringend notwendige Luftaustausch fehle, sei „Quatsch“. „Jeder weiß, die Filter wären nur eine Ergänzung“, so Maibaum.

Stadt setzt auf impfen und testen

Zur immer wieder aufkeimenden Vorschlag, mehr auf mobile Luftfilter zu setzen, hatte Oberbürgermeister Thomas Westphal zuletzt am Dienstag (31.8.) Stellung genommen: Impfen und testen – das seien die beiden entscheidenden Faktoren für Sicherheit in den Schulen und „viel wichtiger, als die Diskussion um Luftreinhaltegeräte.“

„Ich halte das für eine technische Verwirrung, dass man glaubt, das könnte es lösen. Die anderen beiden Strategien sind aufwändiger, aber wesentlich, wesentlich effektiver“, so Westphal.

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1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will