Hombrucher Hans-Werner Henseler (86) steht seit 70 Jahren auf der Bühne

rnJubiläum

Hans-Werner Henseler hat als Musiker viel erlebt: Er stand mit Inge Meysel auf der Bühne und eröffnete das Wilhelm-Hansmann-Haus. Mittlerweile ist er 86 Jahre alt und tritt immer noch auf.

Hombruch

, 20.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Flasche Schnaps und ein Kotelett – das war die erste Gage, die Hans-Werner Henseler 1950 erhielt. Damals stand er bei den Engländern am Westfalendamm auf der Bühne. Aber auch in vielen anderen Bereichen war er aktiv: „Ich habe immer alles parallel gemacht.“

Seit Jahrzehnten steht Henseler auf der Bühne

Akkordeon und Orgel sind seine Instrumente. Mit diesen stand er in den USA um 1960 mit dem deutschen Schlagersänger René Carol auf der Bühne. Dabei erlebte er einiges: „Einmal ist René während eines Auftritts von der Bühne gefallen. Er konnte das Konzert aber fortsetzen.“

Auf alten Fotos kann man Hans-Werner Henselers Karriere nachvollziehen.

Auf alten Fotos kann man Hans-Werner Henselers Karriere nachvollziehen. © Oliver Schaper (Repro)

Auch andere Künstler begleitete er, etwa Schlagersänger Bernhard Spier oder Countrysänger Tom Astor. Und mit Schauspielerin und Autorin Marianne Koch stand er genauso auf der Bühne wie mit Inge Meysel, der „Mutter der Nation“. „Und mit meiner Band habe ich vor über 40 Jahren das Wilhelm-Hansmann-Haus eingeweiht.“

Erfolgreich als Ringer

Erfolge feierte Henseler auch als Freistilringer. Er begann beim ASC Heros aus Dortmund. Später wechselte er zum KSV Hohenlimburg und trat unter anderem gegen seinen alten Verein an: „Dabei habe ich mit meiner neuen Mannschaft für die Unterbrechung einen langen Siegesserie beim ASC gesorgt“, erzählt er und schmunzelt. Später kehrte er zum ASC zurück - „so wie Götze oder Hummels heutzutage zum BVB“.

1957 holt Henseler als Freistilringer den ersten Platz bei einem Turnier in Luxemburg.

1957 holt Henseler als Freistilringer den ersten Platz bei einem Turnier in Luxemburg, wie diese Urkunde zeigt. © Oliver Schaper

Bei einem Sechs-Länder-Turnier in Luxemburg holte er 1957 den ersten Platz - am 4. Oktober, „der Tag, als der erste Sputnik-Satellit abhob“, wie er sich erinnert. Er war 26 Mal Westfalenmeister, fünf Mal Landesmeister und ein Mal Deutscher Meister.

Beinahe bei den Olympischen Spielen

Fast wäre er 1960 zu den Olympischen Spielen gefahren. Aber darum sei er betrogen worden, erklärt er. „Der Bundestrainer sagte damals zu mir vor einem entscheidenden Wettbewerb: Wenn du mindestens Dritter wirst, darfst du mitfahren“, erinnert er sich.

Wie er berichtet, war er punktgleich mit einem anderen Ringer aus Essen, der den zweiten Platz belegte. „Ich wurde dann aber auf den fünften Platz runtergestuft - und durfte nicht mit.“

Hans-Werner Henseler steht seit 70 Jahren auf der Bühne.

Hans-Werner Henseler steht seit 70 Jahren auf der Bühne. © Oliver Schaper (Repro)

Bauliche Spuren hinterlassen hat Henseler auch in Dortmund: Ab 1952 baute er die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Reinoldikirche mit auf. Als Bildhauer und Steinmetz wirkte er am großen Chorfenster mit.

„Einmal hab ich mit den Kollegen gewettet, dass ich in zehn Minuten den Turm rauf- und runterklettern kann, nachdem in der Nacht zuvor ein Betrunkener runtergeholt werden musste.“ Er schaffte es - mit Handstand. „Als Gewinn gab es einen Kasten Bier - wovon ich nichts hatte: Ich trinke gar kein Bier“, berichtet er und lächelt.

Eine erfolgreiche Familie

Seine Lebensgefährtin Lore lernte er bereits in den 1950-Jahren kennen. „Das war 1953, beim Aufbau der Reinoldikirche. Sie kam immer in der Mittagspause zu mir“, erzählt er. Dann haben sie sich aus den Augen verloren - und erst 34 Jahre später wiedergesehen. „Seitdem sind wir zusammen.“

In Hombruch fühlt sich Hans-Werner Henseler sehr wohl.

In Hombruch fühlt sich Hans-Werner Henseler sehr wohl. © Oliver Schaper

Auch Henselers Töchter sind erfolgreich. „Zwei sind studierte Opern- und Operettensängerinnen, die unter anderem am Staatstheater in Braunschweig sangen. Die Jüngste war erfolgreiche Springreiterin“, erzählt er stolz.

Eine unvollendete Madonnendarstellung steht in seiner Wohnung.

Eine unvollendete Madonnendarstellung steht in seiner Wohnung. © Oliver Schaper

Stolz ist er auch auf seine aktuelle Bühnenpartnerin. „Andrea Thompson ist eine großartige Künstlerin“, lobt er die jamaikanische Sängerin. „Es ist das Größte für mich, mit ihr auftreten zu können.“

Jubiläum fiel ins Wasser

Dass er seit 70 Jahren auf der Bühne steht, wollte er eigentlich mit einem großen Glen-Miller-Bühnenprogramm feiern. Der Termin am 19. Mai - „1950 spielte ich an diesem Tag das erste Mal mit meinem Vater auf der Bühne“ - stand.

Dann kam die Corona-Pandemie. Und das Jubiläumskonzert fiel aus. Aber Henseler lässt sich nicht entmutigen: „Das wird nachgeholt.“ Und man glaubt ihm das sofort. „Er ist topfit und kann nicht aufhören“, sagt seine Frau stolz.

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