Horror, Sex, Gewalt, Monster, Nazis

Jörg Buttgereits Talk-Reihe

„Nackt und zerfleischt“ heißt Jörg Buttgereits Talk-Reihe am Theater, beknackt und witzig gestaltete sich der Auftakt am Samstag.

DORTMUND

, 14.01.2018, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jörg Buttgereit kommentierte unter anderem Nazis in Film und Comic.

Jörg Buttgereit kommentierte unter anderem Nazis in Film und Comic. © Oliver Schaper

Er gehe spontan in den Abend, begrüßte Autor und Filmemacher Jörg Buttgereit die Zuschauer im Studio des Schauspielhauses. Was als Entschuldigung gemeint war, entpuppt sich bald als Freudenquell der Veranstaltung: Ohne Manuskript, aber mit Schalk und Charme plaudert der Berliner Filmschund-Fan mit seinem Gast Cem Kaya, der Freunden des schlechten Geschmacks die Kultur des türkischen Trash-Kinos der 70er- und 80er-Jahre erklärt: „Türkische Früchtchen“, die auf Video einer Generation von Gastarbeitern das Leben in Deutschland versüßten.

Bei „Nackt und zerfleischt“ wird es um Trivialkunst gehen, um Horror, Sex, Gewalt, Monster, Nazis in Film und Comic, für die Buttgereit ein Faible hat, was ihm das Prädikat deutscher „Trash-Papst“ eintrug. Am Samstag auf der Agenda: Dilettantische Filme aus der Türkei, haarsträubend schlechte Plagiate von Kinohits aus Hollywood.

Zwinkernde Leichtigkeit

Locker vom Hocker streuen Buttgereit und Kaya Witze und Anekdoten, nähern sich dem Thema mit zwinkernder Leichtigkeit. Und schaffen es, den Kontext ausgestorbener türkischer Unterhaltung auszuleuchten, bevor mit der Vorführung einer türkischen „Rambo“-Brutalo-Groteske wunderbar plastisch wurde, was Trash-Kino vom Bosporus ausmachte: Kein Geld, keine Kröten, keine Asche.

„Remake, Remix, Rip-Off“ ist Kayas Film-Doku von 2014 betitelt, für die er zum anatolischen Billig-Kino und seinen Akteuren recherchiert hat. Daraus schöpft Cem Kaya, wenn er uns den Film mit dem türkischen Rambo Cüneyt Arkin präsentiert, laut Buttgereit eine „Trash-Granate“. Vorab verliest Uwe Rohbeck im Ton des Oberlehrers die Expertise deutscher Filmprüfer zu „Rambo“. Tatsächlich: besonders wertvoll!

Viel gelacht und viel gelernt

Dann beginnt das große Kichern. Die „Rambo“-Version aus der Türkei ist geradezu unterirdisch mies. Lachhafte Stunts, übelstes Chargenspiel, Machismo-Klischees, Stümperei und dreister Klau in Bild und Ton. Aus heutiger Sicht ein Offenbarungseid, damals ein Geschäftsmodell, das aus der Not erfolgreich eine Tugend machte. Kaya und Buttgereit kommentieren Patzer und Stilblüten: „Ist der Kameramann umgefallen?“ „Brennen die Steine?“ - Viel gelacht und viel gelernt beim Seminar für schlechte Filme. Nächste Vorlesung im März.

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