Huckarder Gemeinde erinnert an die Kirchweihe vor 120 Jahren

rnSt. Urbanus

Wer die St.-Urbanus-Kirche in Huckarde genau anschaut, erkennt, dass es eigentlich zwei Gebäude sind. Eines von beiden hat vor genau 120 Jahren für große Umbrüche in Huckarde gesorgt.

Huckarde

, 22.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Urbanus-Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist eine der ältesten Kirchen Dortmunds und eine von nur zwei Kirchen, die während der Reformation katholisch blieben. Trotzdem feiert die Gemeinde am Sonntag (27.10.) nur das Fest zur 120-jährigen Kirchweihe. Die Geschichte dahinter ist die Geschichte einer gesellschaftlichen Revolution.

Aus heutiger Sicht kann man die Bedeutung des Bergbaus für Orte wie Huckarde schnell unterschätzen. Es gibt ja nur noch Industriedenkmäler. Doch der Einfluss war viel tiefgreifender. Huckarde sähe ohne den Bergbau komplett anders aus, meint Pfarrer Michael Ortwald.

Kirche wurde zu klein

Der Bergbau kam vor 150 Jahren nach Huckarde, ein Jubiläum, das ebenfalls in diesem Jahr gefeiert wird. Das kleine Dorf zwischen Rossbach und Emscher war damals rein landwirtschaftlich geprägt. Die Bergarbeiter zogen von weit her nach Huckarde. Viele waren katholisch. Die Gemeinde wuchs enorm.

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Die Kirche wurde schnell viel zu klein. Michael Ortwald kennt Berichte aus dieser Zeit: „Die Firmung wurde zur Massenabfertigung. Es gab teilweise über hundert Firmlinge.“ Da wurden die Kinder in einer Reihe zur einen Tür reingeführt, gesegnet und zur anderen Tür herausgeführt. Familienangehörige waren nicht dabei, kein Platz. „Taufstein, Kanzel, Wandaltäre, die Kirche war schon so voll“, berichtet Ortwald.

Anbau statt Abriss

Deshalb fiel der Entschluss, eine neue Kirche zu bauen. Zunächst gab es sogar den Plan des Bistums, die alte Kirche abzureißen. Das konnten die Huckarder aber verhindern. Stattdessen gab es einen Anbau.

Weil große Teile Huckardes aber auf Sand gebaut sind, hatte der Baumeister Probleme mit dem Fundament. Daher liegt der Anbau mit dem großen Turm tiefer als der Altbau mit kleineren Turm und es gibt eine Treppe mitten in der Kirche.

Damals war es noch üblich, verstorbene Gemeindemitglieder rund um die Kirche zu begraben. Der Anbau entstand also auf einem Grabfeld. Die Umbettung der Toten war der Anlass für den Bau des neuen Friedhofs an der Altfriedstraße. Das gab Huckarde ein neues Gesicht.

Noch 2003, als die neue Sakristei gebaut wurde, fand man beim Graben Knochenreste. Die wurden 2005 feierlich beerdigt.

Kirchenchor gestaltet Kirchweihfest

Die Einweihung der erweiterten Urbanus-Kirche jährt sich in diesem Oktober zum 120. Mal. Das feiert die Gemeinde am Sonntag (27.10.) mit einem bescheidenen Kirchweihfest. Um 9.45 Uhr gibt es eine Festmesse unter Beteiligung des Kirchenchores, danach empfangen die Chormitglieder die Gottesdienstbesucher bei einer kleinen Feier im Gemeindehaus.

Dafür haben Pfarrer Michael Ortwald und Sebastian Engels eine Überraschung vorbereitet. Zu viel darf nicht verraten werden, aber die Überraschung wird die Feier in einen Frühschoppen verwandeln.

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