150 Anfragen statt 5: Welpen-Boom bei Dortmunds Hundezüchtern

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Zuerst Toilettenpapier, dann Fahrräder - und nun Welpen? Dortmunds Hundezüchter erleben in der Corona-Pandemie eine wahre Anfragenflut. Tierschützer warnen vor dem neuen Corona-Kauftrend.

Dortmund

, 21.08.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Juni meldet die Tierschutzorganisation Tasso einen auffälligen Anstieg an Hunde-Neuregistrierungen im Vergleich zum Vorjahr. Im Juni selbst wurde ein Anstieg von 25 Prozent vermerkt, im Juli ein Anstieg von 9 Prozent.

Eine Steigerung der Hunderegistrierungen sei nicht ungewöhnlich. In der Regel liegt diese im Jahresschnitt jedoch bei nur 4 Prozent.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) sieht den Grund für den rasanten Anstieg coronabedingt. „Darunter befinden sich auch viele Menschen, die dem Wunsch nach Gesellschaft unüberlegt nachgeben“, sagt Udo Kopernik, Pressesprecher des VDH. Die vermehrte Zeit zu Hause wegen Home-Office oder Kurzarbeit habe das Interesse an Heimtieren „in die Höhe schnellen lassen“.

Labrador-Welpen beim Züchter gefragt wie nie

Sven Silber, Labrador-Züchter aus Dortmund, kann bestätigen: „Die Nachfrage ist der Wahnsinn.“ Gemeinsam mit seiner Frau Andrea Silber züchtet er seit 2018 hobbymäßig Labradore.

Der nächste Wurf ist erst für das Frühjahr 2021 geplant, trotzdem kann sich der Züchter vor Anrufen kaum retten. „Ich führe keine Liste, hatte aber bestimmt an die 150 Anfragen seit April“, sagt Sven Silber. „Bei unserem Wurf im vergangenen Jahr hatten wir höchstens eine Anfrage im Monat.“

Steigendes Interesse an Hundeschule

Kerstin Middelanis, Züchterin von Irischen Wolfshunden in Dortmund, konnte bei ihrem Wurf Mitte August keine erhöhte Nachfrage feststellen. „Das liegt aber an der Rasse. Nicht jeder kauft einen Irischen Wolfshund“, sagt Middelanis.

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In ihrer Hundeschule in Dortmund vermerkte sie jedoch ein steigendes Interesse an Stunden für Hundewelpen. Besonders beliebt seien Labradore, Golden Retriever oder Australian Shepards. „Häufig werden die Hunde dann aus dem Ausland gekauft“, sagt Middelanis.

Illegaler Welpenhandel im Netz boomt

Und genau da liegt die Gefahr. „Unsere Züchter können die Vielzahl der Anfragen nicht mehr bewältigen“, sagt Kopernik von der VDH. Im Schnitt werfen Labradore beispielsweise zwischen sechs und acht Welpen pro Wurf.

„Bei 150 Anfragen können wir die Nachfrage gar nicht bedienen“, sagt der Dortmunder Züchter Sven Silber. Er rät davon ab, aus Verzweiflung beim Welpenkauf auf Online-Portale zurückzugreifen.

Tierschützer: Tiere aus dem Ausland sind meist krank

Der Tierschutz Tasso warnt ebenfalls vor dem illegalen Online-Welpenhandel. Seit die Grenzen Mitte Juni wieder geöffnet wurden, können Hunde aus Osteuropa erneut vermehrt nach Deutschland importiert werden.

Fast alle dieser Tiere seien jedoch krank, ungeimpft und werden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, so Tasso. Vermehrt werden diese Tiere unwissenden Käufern im Netz angeboten.

Nicht auf unseriöse Züchter hereinfallen

Es gibt auch viele schwarze Schafe unter den Züchtern in Deutschland. Das erkenne man laut Sven Silber daran, dass extra Preiszuschläge für Vorsorgeuntersuchungen für die Welpen verlangt werden, die in dem jungen Alter noch gar nicht möglich seien.

Bei einem seriösen Züchter seien die Welpenpreise trotz Corona-Boom gleich geblieben. „Wir werden den Welpenpreis bei unserem nächsten Wurf vielleicht um 50 bis 100 Euro erhöhen. Das ist das normale Marktgesetz von Angebot und Nachfrage“, sagt Silber. Preise über 2000 Euro für einen Labrador-Welpen sollten bei den Käufern die Alarmglocken klingeln lassen.

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Corona sollte kein Kaufgrund für ein Tier sein

Ob die vermehrten Anfragen bei Sven Silber in Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen, könne er nicht sagen.

„Es wäre tragisch, wenn sich die Leute nur wegen Corona einen Hund anschaffen“, sagt Silber. „Sollte Corona irgendwann vorbei sein und die Leute zurück ins Büro müssen, wären die Tierheime schnell überfüllt.“

Tasso weist darauf hin, dass Welpen nur mit einer gültigen Impfung gegen Tollwut, also erst mit Ablauf der 15. Lebenswoche, nach Deutschland verbracht werden dürfen und Händler über eine Erlaubnis nach §11 Tierschutzgesetz verfügen müssen.
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