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Hunderttausende hören zu: Radio 91.2 aus Dortmund wird 30 Jahre alt

Dortmunds meistgehörter Radio-Sender feiert runden Geburtstag. Vor 30 Jahren, am 14.9.1991, ist Radio 91.2 zum ersten Mal auf Sendung gegangen. So funktioniert das Lokalradio für Dortmund.

„Heeeey brother …“, krächzt es zum Beat von Avicii aus dem kleinen Lautsprecher des Radio-Weckers auf der Fensterbank neben dem Bett. 6.15 Uhr, Radio 91.2 ist die Standardeinstellung seit vielen Jahren. Es ist das letzte analoge Ritual in meinem zwar nicht smarten, aber doch recht digitalen Leben.

Es gibt Gründe für die Frequenz. Sie ist zuverlässig, nicht zu aufdringlich. Und wenn ich es schaffe dranzubleiben, bekomme ich noch den Nachrichtenüberblick am Morgen. Brexit und Trump: zuerst im Radio gehört.

Ich gebe zu: Meist verbringe ich den Rest des Morgens lieber mit selbst gewählter Musik oder Online-Nachrichten. Damit bin ich ein ziemlich gewöhnlicher, ablenkbarer Mediennutzer dieser Zeit.

Jeder Dritte in Dortmund hört am Tag Radio 91.2

Aber dennoch ist es bei mir wie bei rund 200.000 anderen Dortmundern pro Tag: Das Lokalradio 91.2 ist zu mindestens einem Zeitpunkt in meinen Tag eingebunden.

Die Morgenstunden sind die hörerstärkste Zeit. Die Sendung „Guten Morgen Dortmund“ ist deshalb ein wichtiger Teil des Programms. Seit Juni hat 91.2 ein verändertes Morgen-Konzept. Das Moderatoren-Duo Steffi Strecker und Lennart Beissner wechselt sich alle 14-Tage mit Tim Schmutzler und Christopher Deppe ab.

Im Besprechungsraum des Senders im Lensing-Carrée in der Dortmunder City sitzt das Team der Show am Vortag des 30. Sender-Geburtstags zusammen.

Hinter Steffi Strecker und Lennart Beissner liegt zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Sendung. Von 6 bis 10 Uhr haben sie moderiert. Um 4 Uhr war ihre Nacht zu Ende.

Morgen-Sendung gegen Konkurrenz-Geräusche

Steffi Strecker gestaltet seit 1998 die Morgensendungen für Dortmund mit. Natürlich ist der notorische Schlafmangel manchmal anstrengend. Aber sie wird getragen durch die Freude am Radio-Machen. Der Freude daran, die Hörerinnen und Hörer durch den Tag zu begleiten. „Auch wenn man sich gegen zig Konkurrenz-Geräusche durchsetzen muss. Es klappert die Spülmaschine, die Kinder rufen oder es läuft eine elektrische Zahnbürste.“

Es gibt Sender, die arbeiten dagegen mit schrillen Morning-Shows an. In Dortmund schätzen viele eine ruhigere Ansprache. Erst vor zwei Jahren ist die Publikumsansprache vom Siezen zum Duzen gewechselt. „Wir sind fast so etwas wie Freunde, denen man im besten Fall gerne zuhört“, sagt Lennart Beissner.

Mathias Scherff, als Nachfolger von Martin Busch seit 2020 Chefredakteur, sagt: „Wir wollen mit am Frühstückstisch, auf der Couch oder im Auto sitzen.“ Dafür muss man den Menschen allerdings einen Grund liefern, nicht in der großen Auswahl der digital verfügbaren Sender zu versinken oder gleich einen Algorithmus die Sache übernehmen zu lassen.

Das Lokale macht den Unterschied

„Was uns von anderen Sendern und Streamingdiensten unterscheidet, ist, dass hier Menschen sind, die mit Hörerinnen und Hörern reden, die sich in Dortmund auskennen“, sagt Mathias Scherf.

Zwischen dem Start im NRW-Lokalradioprogramm und heute liegen gleich mehrere technische Revolutionen. Hier legt längst niemand eine CD oder Schallplatte auf, die Studio-Technik ist komplett digital.

Radio ist interaktiver und nahbarer geworden. „Am meisten Spaß macht es, wenn es direkte Reaktionen noch in der Sendung gibt“, sagt Lennart Beissner.

Welche Rolle kann Lokalradio in der Zukunft spielen? Die stabilen Hörerzahlen von bis zu 200.000 Menschen, die pro Tag erreicht werden, zeigen laut Mathias Scherff: „Wer auf einem Markt, der sich so massiv wandelt, so lange dabeibleibt, hat schon eine Menge richtig gemacht.“

Was nicht bedeute, dass man sich darauf ausruhen könne. „Es geht darum, nachwachsende Zielgruppen zu erreichen“, sagt der Chefredakteur. Immer unter der Maßgabe, die schon am ersten Sendetag galt: 91.2 ist Radio aus Dortmund für Dortmund.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth