Hundewelpe verblutet innerlich nach Spaziergang

Womöglich Giftköder gefressen

Warum musste Amadeus sterben? Das ist eine der Fragen, die Anja Gausemeier aus Deusen immer wieder durch den Kopf gehen. "Er war so freundlich", sagt sie. "Er ist auf jeden zugegangen." Doch vom Gassigehen mit ihrem Mann Oliver sollte der Hundewelpe am Freitag nicht wieder lebend zurückkehren.

DEUSEN

, 28.03.2017 / Lesedauer: 3 min
Hundewelpe verblutet innerlich nach Spaziergang

Dieses Bild zeigt Amadeus noch vor wenigen Wochen. Jetzt ist der junge Hund tot.

Zwischen Wulfgraben und Deusener Straße führt ein Weg ins Feld. Dort sei ihr Mann mit der vier Monate alten französischen Bulldogge spazieren gewesen, sagt Anja Gausemeier. Sie stand gerade in der Küche und bereitete das Mittagessen zu, als plötzlich völlig aufgelöst der Nachbar vor ihr stand, erinnert sie sich: "Ich hab schon am Gesichtsausdruck gesehen, dass etwas Schlimmes passiert ist." Da war Oliver Gausemeier schon auf dem Weg in die Tierklinik nach Waltrop.

Hund würgte plötzlich

Nach dem Spaziergang hatte ihr Mann noch den Nachbarn besucht. Sie saßen im Garten zusammen, als der Hund plötzlich gewürgt habe. Amadeus übergab sich. Dann färbte sich das Erbrochene rot: "Aus Nase und Mund kam Blut", sagt Anja Gausemeier. Der Welpe verdrehte die Augen, sein Kreislauf versagte. "Die Männer sind sofort zum Arzt gefahren, mein Mann hat die ganze Zeit sein Herz massiert." Er sei später voller Blut gewesen.

"Die Tierärztin konnte nur noch den Tod feststellen: Amadeus ist innerlich verblutet." Er habe etwas Giftiges gefressen, sagt Anja Gausemeier: "Das hat die Tierärztin bestätigt." In dem Erbrochenen des Hundes fand die Ärztin Wurstpelle – ungewöhnlich, denn der Hund bekam noch Welpenfutter. Weil die Pelle noch nicht verdaut gewesen sei, müsse er die Wurst kurz vor seinem Tod gefressen haben. Welches Gift darin war, das habe die Ärztin nicht sagen können, aber Rattengift brauche mehrere Tage, bis es wirke.

Wie ein Lauffeuer

Sofort benachrichtigten sie Freunde und Bekannte. "Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen", sagt die Deusenerin. Glücklicherweise sei bislang niemand anderes betroffen. Doch die Familie ist schockiert. "Es ist ein Albtraum." Nur sechs Wochen lebte Amadeus bei den Gausemeiers. Erst Anfang Januar mussten sie Jack-Russell-Terrierin Ronja einschläfern lassen, kurz zuvor Ronjas Vater Merlin. "Amadeus ist jetzt bei den beiden." Um den Schmerz zu lindern, holte die Familie bereits einen neuen Hund zu sich: Devel ist ebenfalls eine französische Bulldogge und elf Wochen alt. Niemand könne Amadeus ersetzen, aber es sei ein kleiner Lichtblick: "Der kleine Fratz hilft schon. Sonst hätten wir uns nur den Kopf zermartert."

Jetzt will Anja Gausemeier noch Anzeige erstatten. Denn: "Wer Gift auslegt, macht sich strafbar", sagt Sven Schönberg von der Pressestelle der Polizei. Er nehme billigend in Kauf, dass auch Kinder oder andere Menschen verletzt werden könnten. Der Polizei liegen für 2017 sieben Anzeigen von Tierquälerei vor. Allerdings handelt es sich bei solchen Fälle um Sachbeschädigung. Bei einem Verdacht sollte man den Fund liegen lassen, die Polizei alarmieren und den Beamten die Stelle zeigen. Keine Anzeige zu erstatten, sei absolut falsch: "Es könnte immer jemand den Täter beobachtet haben." Eventuell habe derjenige fahrlässig gehandelt, indem er seinen Müll illegal entsorgte.

Warnungen aus dem ganzen Stadtgebiet

Das Problem kennt auch Heike Beckmann, Vorsitzende der Tierschutzorganisation Arche 90. "Regelmäßig erreichen uns Warnungen aus dem ganzen Stadtgebiet", sagt sie. Sie selbst verfolge auch die Facebook-Gruppe "Giftköder-Warnung Dortmund und Umgebung". Die Tierfreunde melden nicht nur Giftköder, sondern auch mit Nägel, Rasierklingen oder Glasscherben gespicktes Futter. "Vor allem im Herbst sind auch Schneckenkorn und Unkrautmittel ein Problem." Der massivste Schutz für das Haustier wäre ein Maulkorb, sagt sie. "Aber wenn der Hund irgendwo durchläuft und sich zu Hause die Pfoten ableckt, kann es er sich trotzdem vergiften."

Tierhalter sollten typische Vergiftungsanzeichen kennen wie Blutungen, Erbrechen, starker Durchfall oder Apathie. Dann gehe es um jede Minute: "Lieber einmal zu viel zum Tierarzt als einmal zu wenig", sagt Heike Beckmann. Die Tierschützerin kritisiert, dass es in Dortmund keinen Notdienst für solche Fälle mehr gebe. Familie Gausemeier hatte Amadeus in die Kleintierpraxis Dr. Leps und Dr. Eifler nach Waltrop gebracht – doch jede Hilfe kam zu spät.

Kontakt zur Arche 90 unter (0231) 875397. Zeugenhinweise an die Polizei unter (0231) 1327441.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt