Hupen, Pfeifen und Getöse

Zwischen Lärmtunnel und Geisterbahn versteckt sich in der Deutschen Arbeitsschutzausstellung (DASA) ein ganz besonderes Schätzchen: Eine Kinoorgel von 1928.

01.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Im Klangteppich der Stahlhalle, in der die Akustik der Arbeitswelt Thema ist, sticht das Instrument angenehm heraus. Äußerlich allerdings ist es zunächst ganz unscheinbar. Der weiße Spieltisch, an dem Organist Bernd Wurzenrainer jeden dritten Sonntag Platz nimmt, ist kaum größer als ein Klavier. Doch wenn er im kleinen Kinoraum die Leinwand hochfährt, gibt er den Blick frei auf ein erstaunliches Gerät.

Denn hinter einer Glasscheibe sehen die Besucher dann nicht nur die üblichen Pfeifen pneumatischer Orgeln, sondern auch - ein komplettes Schlagwerk. Große Trommel, kleine Trommel, Triangel und Tambourin, all das lässt sich mit den Register-Wählern des Spieltisches ansteuern. Und wenn Wurzenrainer in die Tasten greift, offenbart er noch weitere, unsichtbare Klangvorgänge: Es hupt, pfeift, klingelt und kracht, während der volle Klang einer klassischen Orgel weiter ertönt.

«Ursprünglich waren die Kinoorgeln ja schließlich dazu da, Stummfilmen Leben einzuhauchen», erklärt der 41-jährige. Rund 120 solcher Orgeln, mit denen die Filme live begleitet wurden, gab es in den 20er Jahren in Deutschland, doch nur wenige sind erhalten. Nach Einführung des Tonfilms hatten die Geräte ausgedient und wurden oft einfach verschrottet. Das Exemplar in der DASA hatte nach seinem Dienstende in einem New Yorker Kino mehr Glück: Eine amerikanische Baptistengemeinde übernahm das Gerät und gestaltete damit Gottesdienste.

«Eigentlich ist die Kinoorgel natürlich für Unterhaltungsmusik gedacht», stellt Wurzenrainer fest, der das vielseitige Instrument als den Vorläufer aller Hammond- und Heimorgeln bezeichnet. Seit 20 Jahren beschäftigt der Musiker sich mit den nostalgischen Instrumenten. Hierzulande gehört er damit einem kleinen Kreis von Liebhabern an, in den USA und Großbritannien hingegen wird die Tradition rund um die Orgel stärker gepflegt.

Der Wunsch des Organisten, in der DASA selbst Filme live zu begleiten, scheitert derzeit noch an rechtlichen Hürden. Den Film zur Musik muss sich der Besucher deshalb bis auf Weiteres noch selbst vorstellen. SEN

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