„Ich dachte, die hauen mir eine aufs Maul!“ - Lehrer spricht erstmals über Mord-Komplott

Schüler wollten Lehrer töten

Anfang Mai versuchten drei Schüler, Wolfgang Wittchow zu töten. Nun hat der Dortmunder Lehrer erstmals in einem Interview erzählt, wie er den Vorfall erlebt hat – und wie es ihm jetzt geht.

Dortmund

, 23.05.2019, 10:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Ich dachte, die hauen mir eine aufs Maul!“ - Lehrer spricht erstmals über Mord-Komplott

Die Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dorstfeld. © Stephan Schütze

„Mir geht‘s gut, doch, wirklich!“, sagt Wolfgang Wittchow. Die Antwort ist nicht selbstverständlich: Schließlich wollten drei Schüler den Lehrer der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dorstfeld Anfang Mai mit einem Hammer töten. Nachdem Wittchow sich bereits am Dienstag in einem langen Facebook-Post an die Öffentlichkeit gewandt hatte, sprach er am Mittwochabend in der WDR-Lokalzeit über den Fall.

Von der geplanten Tat erfuhr Wittchow am Ende einer Elternsprechstunde. Die Mutter eines der Schüler erzählte ihm von dem gescheiterten Versuch – und warnte ihn, dass die Jugendlichen es am folgenden Montag erneut versuchen wollten. Wittchow holt tief Luft, ist sichtlich angefasst: „Da hatte ich weiche Knie!“

Schüler lockten Lehrer hinter eine Garage

Zwei seiner Schüler, deren Versetzung in die 12. Klasse mehr als gefährdet war und mit denen Wittchow nach eigener Aussage Konflikte gehabt hatte, hatten den Lehrer am 7. Mai hinter eine Garage gelockt, ein dritter Komplize täuschte einen medizinischen Notfall vor. Der Plan war offenbar, Wittchow dort mit einem Hammer zu töten.

Doch der 51-Jährige schöpfte von Anfang an Verdacht und gab den Schülern nicht die Gelegenheit, ihren Plan umzusetzen: „Das war eine ganz seltsame Situation“, erzählt Wittchow im WDR-Interview. „Ich dachte, die locken mich dahin und hauen mir eine aufs Maul!“

Für Wittchow war die große Anteilnahme enorm wichtig

Dass Wittchow die Nachricht vom Komplott gegen ihn so gut verkraftet hat, habe vor allem mit der großen Anteilnahme zu tun, die ihm in den vergangenen Tagen widerfahren ist: Er habe Stunden vor dem Handy verbracht, um den Bekannten, Eltern und Schülern für ihre Nachrichten zu danken. „Ich hätte mir fünf Handys kaufen müssen und von einem Büro bearbeiten lassen, um das zu schaffen.“

Wittchow ärgert, dass nun aus der rechten Ecke versucht werde, den Fall für Hetze gegen Migranten zu nutzen – der mutmaßliche Haupttäter hat einen Migrationshintergrund. „Für mich hat das überhaupt gar nix zu tun, dass der Schüler einen Migrationshintergrund hat. Solche Schüler haben wir in den vergangenen Jahren auch als Deutsche gehabt.“ Das seien Jugendliche, die denken: „Wenn ich scheitere, dann liegt‘s immer am anderen.“

Lehrer will als Nebenkläger auftreten

Nun hofft Wolfgang Wittchow, dass sich die mutmaßlichen Täter vor Gericht für ihre Pläne verantworten müssen – auch, um anderen Jugendlichen ein abschreckendes Beispiel zu geben: „Es gibt Schüler, die sagen, endlich mal hat ein Schüler den Mut, einem Lehrer eine aufs Maul zu hauen“, sagt er im Interview. „Wenn da jetzt gar nix passiert, wenn das einfach so versackt, wenn man sagt, das ist ein minderjähriger Junge, ist ja nichts passiert, das möchte ich nicht.“ Im Falle eines Strafverfahrens möchte Wittchow als Nebenkläger auftreten.

Bis dahin wird Wittchow, der seit mehr als 20 Jahren Deutsch- und Chemie-Lehrer ist, ganz normal weiterarbeiten. Am Donnerstag (23.5.) ist er wie geplant mit seiner elften Klasse auf Klassenfahrt gefahren.

Zur Sache

Schüler weiter vom Unterricht suspendiert

Die beiden an der Tat beteiligten Schüler der Gesamtschule sind weiter vom Unterricht suspendiert. Ein Sprecher der Bezirksregierung sagte, dass die Schule auf einer „Teilkonferenz“ über deren Zukunft noch beraten werde. In seiner Sitzung am 26. Juni 2019 will sich der Schulausschuss des Rates der Stadt Dortmund mit den Themen Schulsozialarbeit und Gewaltprävention befassen. Dazu soll auch die Polizei eingeladen werden.
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