Die 14-jährige Dortmunderin Serafine soll eigentlich seit vergangener Woche wieder zur Schule gehen. Doch die Diskrepanzen zwischen den Pflegeeltern und der Stadt gehen weiter. © Sandra Ebel
Menschen mit Behinderung

„Ich finde das echt frech“: Serafine (14) kann noch immer nicht zur Schule

Seit September kann Serafine wegen einer fehlenden Integrationskraft nicht zur Schule gehen. Nachdem die Stadt der Pflegefamilie Hilfe zusicherte, schien eine Lösung gefunden. Doch trotzdem sitzt die 14-Jährige zuhause.

Man hört Serafines Pflegemutter Sandra Ebel immer mehr die Frustration an: „Steht ihr nicht auch ein Recht auf Bildung zu? Aber das interessiert anscheinend keinen.“ Denn während die Klassenkameraden der 14-Jährigen seit einiger Zeit Wochen wieder im Präsenzunterricht sind, muss die Jugendliche weiter zuhause bleiben.

Serafine besucht die 8. Klasse der Adolf-Schulte-Schule. Einer Förderschule mit Schwerpunkt Lernen. Die 14-Jährige hat mehrere Behinderungen. Bei ihr wurde das Triple-X-Syndrom diagnostiziert, woraus mehrere ihrer geistigen Behinderungen resultieren. Unter anderem hat das Pflegekind der Ebels autistische Züge.

Deswegen braucht das Mädchen im Schulalltag eine Integrationskraft. Nachdem die letzte Integrationshelferin im September wegen Schwierigkeiten mit Serafine gekündigt hatte, warteten die Pflegeeltern nun auf einen Ersatz. Da die Ebels sich hier von der Stadt vernachlässigt sehen, haben sie sich inzwischen selbst um eine Integrationshelferin gekümmert.

Nach den Sommerferien begleitet eine Integrationskraft Serafine, die mit ihr schon früher privat gearbeitet hat. Eine Lösung ist hier also gefunden – aber eben erst nach den Ferien. „Die Einstellung vor den Ferien ging so kurzfristig nicht mehr“, erklärt Sandra Ebel.

Für die Zeit bis zu den Ferien hatte sich die Familie ebenfalls um eine Lösung gekümmert: Die Schwiegertochter soll Serafine begleiten. Doch bis jetzt ist das nicht passiert. „Angeblich ist es aus versicherungstechnischen Gründen und das müsste man mit der Stadt abklären. Das war letzte Woche Montag“, bemängelt Sandra Ebel am Montag (7.6.).

Konnte auch kein Schülerpraktikum machen

Die Schule könnte sich bei ihr melden, bietet die Pflegemutter an. Dann würde sie sich selbst um die Unterlagen für die Versicherung kümmern. „Ab jetzt sitzen wir immer noch zuhause“, beschwert sich Ebel. Und dabei sind es sowieso nur noch wenige Wochen bis zu den Ferien.

Deswegen fehlt Serafine eigentlich unentschuldigt. Sandra Ebel macht das wütend: „Das interessiert scheinbar keinen. Aber wenn ich dann mal vor oder nach den Ferien in den Urlaub fahren will, ist das dann ein Riesenproblem. Ich finde das echt frech.“

Der Lichtblick ist nun der Unterricht nach den Ferien, wenn dann wieder eine Integrationskraft eingestellt ist. Dann soll Serafine auch ein Schülerpraktikum machen können. Ihr erstes Schülerpraktikum vor wenigen Wochen konnte sie nicht machen. Es gab auch hier niemanden, der sie begleiten konnte.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick
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