Judith Winkler vor dem Klinikum Nord. © Judith Winkler
Corona-Pandemie

„Ich stoße an meine Grenzen. Denn ich verstehe es nicht mehr“

Wenige Tage Besuchsverbot in Dortmunder Krankenhäusern reichten bei Angehörigen schon, um die Nerven zu strapazieren. Die Dortmunderin Judith Winkler stößt an ihre Grenzen - sie ist nicht die einzige.

Es können kleine Impulse sein, die vieles zum Einstürzen bringen. Als die Dortmunderin Judith Winkler am Ende der ersten Januar-Woche bei Twitter die Meldung über den Besuchsstopp in den Dortmunder Krankenhäusern vernahm, habe sie laut „Nein“ gerufen und ihr seien die Tränen gekommen.

Die Regelung wird nun zwar wieder gelockert. Für Winkler und viele andere Dortmunderinnen und Dortmund bedeutete sie dennoch, Angehörige nicht zu sehen. In Judith Winklers Fall ihre Mutter, die nach einer schweren Rücken-OP im Klinikum Nord liegt.

„Das letzte bisschen Luxus genommen“

„Ihr wird das letzte bisschen Luxus genommen, dass ich ihr was bringe, was sie mag, rote Grütze oder einen Aufstrich“, sagt die Dortmunderin. Zugleich habe sie Verständnis für das Personal in den Krankenhäusern, das sicher oft sogar mehr mit frustrierten Angehörigen als mit Patienten zu tun habe.

Judith Winkler sieht das „große Ganze“, stellt ihre persönlichen Probleme nicht in den Vordergrund. Sie habe selbst Angehörige, die an Covid-19 gestorben seien. „Ich verstehe den Ernst der Lage.“

Auf ihrem Twitter-Account wirbt sie aktiv für das Impfen und unterstützt Politiker wie Karl Lauterbach und äußert sich deutlich gegen Querdenker und „Schwurbler“.

„Ich verstehe es nicht mehr“

Aber sie sagt mittlerweile auch: „Ich stoße an meine Grenzen. Denn ich verstehe es nicht mehr.“ Es sind Worte, die in diesen Tagen immer wieder von Menschen zu hören sind. Gerade von solchen mit besonderen Belastungen wie der Pflege von Angehörigen.

Sie sei dreimal geimpft und lebe seit zwei Jahren extrem vorsichtig, weil sie ihre Mutter pflegt und sich um ihren autistischen Bruder kümmert. „Ich habe meinen Freund seit einem Jahr nicht gesehen. Ich habe alles mitgemacht.“

Dass ihr jetzt der Besuch ihrer Mutter zwischenzeitlich nicht möglich sei und gleichzeitig Schulen komplett geöffnet bleiben, erschließe sich ihr nicht.

Situation ist körperlich belastend

Im Gespräch mit dieser Redaktion sagt sie: „Ich habe das Gefühl, vieles ist nur noch Aktionismus.“

Die Dortmunderin spricht davon, dass ihr die Situation auch körperlich zunehmend zusetze.

Trotzdem hält sie weiter durch. Erklärte auch ihrem Bruder, warum er die Mutter nicht besuchen darf. Und machte sich auf den Weg ins Klinikum Nord. Wo sie nur bis zur Tür darf, um frische Sachen abzugeben.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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