In ihrer Kolumne "Dinner for One" schreibt Charlotte Schuster über Themen, die Singles beschäftigen. © Grafik: Klose
Kolumne „Dinner for One“

Ich wünsche mir einen Corona-Freund gegen diese furchtbare Einsamkeit

Steigende Inzidenzen, Einsamkeit, schlechtes Wetter: Alles geht wieder von vorne los. Und das kann ganz schön an den Nerven zerren. Der nächste Teil unserer Single-Kolumne „Dinner for One“.

Es ist mitten in der Nacht und ich liege mal wieder wach in meinem Bett. Meine Gedanken kreisen und irgendwie komme ich nicht so richtig zur Ruhe. Neben mir höre ich es laut atmen, fast schon eher schnarchen. Es ist mein Hund Oskar, der für seinen kleinen Körper unverhältnismäßig viel Platz in meinem Bett einnimmt. Doch so gerne ich Oskar auch habe, lieber wäre es mir gerade, wenn anstelle von ihm ein Mann neben mir liegen würde.

Eigentlich bin ich ja ein glücklicher Single. Ich liebe meine Freiheiten und die Tatsache, dass tun und lassen kann, was auch immer ich will. Allerdings fällt es mir momentan schwer, diese positiven Seiten des Single-Daseins zu sehen – so häufig ich sie mir auch einrede.

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Ich beneide die vielen Möchtegern-Pärchen

Dass mich mein Single-Dasein derzeit so extrem stört, liegt nicht zuletzt an der aktuellen Lage: Die Corona-Inzidenz schießt mal wieder in die Höhe. In Dortmund waren noch nie so viele Menschen gleichzeitig mit dem Virus infiziert wie momentan. Dementsprechend hält sich meine Motivation, Männer kennenzulernen oder Freunde zu treffen, wirklich in Grenzen.

Schließlich möchte ich für ein doofes Date nicht das Risiko eingehen, mich, oder noch schlimmer, mein Umfeld zu infizieren. Also bleibt mir nur eins: Zuhause bleiben und abwarten. Allerdings führt das dazu, dass ich mich a) einsam fühle und b) neidisch auf die vielen Möchtegern-Pärchen bin. Zugegeben, hätte ich nämlich auch gerne einen Corona-Buddy, mit dem ich bedenkenlos Zeit verbringen kann.

Als wäre die ganze Corona-Situation nicht schon anstrengend genug, kommt auch noch das deprimierende Wetter dazu. Draußen ist es durchgehend dunkel und es wird von Tag zu Tag immer kälter. Das wirkt sich auf meine Laune aus – nicht im positiven Sinne. Herbst und Winter sind nun mal nicht gerade die Stimmungskanonen unter den Jahreszeiten.

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Niemand sollte sich für seine Probleme rechtfertigen müssen

Ich würde mich momentan am allerliebsten Zuhause in meinem warmen Bett verkriechen. Oder noch besser: Einen Winterschlaf halten und erst im Frühjahr wieder aufwachen. So könnte ich mir zumindest eine weitere Corona-Zeit in Isolation sowie das miserable Wetter ersparen.

Der ein oder andere denkt sich jetzt sicherlich: „Lächerlich, dass die wegen solchen Kleinigkeiten so einen Terror macht. Vielen Leuten geht es noch viel schlechter“. Ich gebe zu, dass sich meine Probleme im Gegensatz zu den anderer wie Pillepalle anhören. Aber ich verstehe nicht, wieso unterschiedliche Probleme immer miteinander verglichen und aufgewogen werden müssen – ganz nach dem Motto: Wem von uns geht es am schlechtesten?

Denn nur weil ein anderer Mensch womöglich vor einem „größeren“ Problem steht als ich, ändert das ja nichts an der Tatsache, dass ich mich wegen meines „kleinen“ Problems schlecht fühle. Ein Problem bleibt ein Problem, egal wie unbedeutend es anderen Menschen erscheint.

Jeder von uns darf sich hin und wieder in Mitleid suhlen. Jedem von uns darf auch mal die Decke auf den Kopf fallen. Und dafür muss sich auch niemand schämen. Also meine lieben Singles: Falls ihr euch momentan auch einsam fühlt, ihr gerne mal wieder heimkommen, in den Arm genommen und gefragt werden wollt, wie euer Tag war, dann ist das so. Ihr seid damit nicht alleine. Und rechtfertigen müsst ihr euch dafür schon mal gar nicht.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster

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