Idylle in Eigenregie

KEMMINGHAUSEN 52 Jahre ist es nun her, dass Hans Reich mit seiner Frau Gisela in sein Haus am Hänselweg 45 einzog. - «Eine der besten Entscheidungen meines Lebens», sagt der 76-Jährige heute.

02.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gerne geht Hans Reich durch den Garten seines Grundstücks am Hänselweg, zeigt stolz die blühenden Rosen, die der Rentner noch immer gerne selbst pflegt. Reich - geboren im heutigen Danzig, dann geflüchtet in den hohen Norden nach Eckernförde - zog es 1951 nach Kemminghausen. Zuerst jedoch in eine kleine Wohnung am Alten Heideweg. «Damals wurde massiv für den Bergbau geworben. Das war eine gute Gelegenheit», erzählt der ehemalige Bergmann, der bis 1985 auf Minister Stein unter Tage schuftete.

Straßenfeste

Als er dann 1955 in das Haus einzog, in dem er den Rest seines Lebens verbringen will, war vom heutigen idyllischen Erscheinungsbild noch keine Spur. «Es gab kein Grün, keinen Baum, keinen Strauch», erinnert sich Reich. Dafür jedoch war das «Land der flachen Dächer»- wie die Leute die Siedlung mit den vielen Flachbauten nannten - geprägt durch eine «beeindruckende» Gemeinschaft ihrer Anwohner, die teilweise bis heute Bestand hat. «Damals haben wir viele Straßenfeste gefeiert», denkt SPD-Mitglied Reich gerne zurück. «Und noch heute treffen wir uns mit rund 10 Leuten einmal im Monat zu einem Herren-Stammtisch in der Kneipe 'Märchenbrunnen' gleich um die Ecke oder organisieren in der Siedlergemeinschaft Ausflüge für mehr als 100 Leute aus der Siedlung.»

Viel hat sich seit damals in der Siedlung verändert, und viele Nachbarn hat Hans Reich kommen und gehen sehen.

«Die Häuser im Gretelweg sind teilweise in der zweiten oder dritten Hand. Mit meiner Frau und mir sind es nur noch zwei Ehepaare in der Straße, die seit 1955 hier leben», berichtet der Fußball-Fan, der an den Wochenenden gerne dem VfL Kemminghausen die Daumen drückt. Probleme mit den Nachbarn gab es in dem halben Jahrhundert nie. Ganz im Gegenteil: «Zwar halten sich junge Familien immer erst ein bisschen zurück, doch nach und nach merken sie, in was für einem tollen Umfeld sie leben», sagt der Rentner.

Dass Hans Reich dem Hänselweg bis zu seinem Lebensende treu bleiben wird, steht für ihn außer Frage: «Ich bin froh, dass wir uns damals für diese Siedlung entschieden haben. Hier ziehen wir nicht mehr weg.» Philipp Piasetzki

Morgen berichten wir über den Däumlingsweg.

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