Illegale Autorennen auch in der Speicherstraße im Dortmunder Hafenviertel

rnRaser stören Anwohner

Illegale Autorennen nerven nicht nur die Anwohner am Wall und in den Zufahrtsstraßen. Betroffen ist auch die Nordstadt. Ziel ist eine 500 Meter lange Strecke im Hafenviertel.

Dortmund

, 21.01.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Raser stören nicht nur am Wall und in den Zufahrtsstraßen zur City. „Betroffen sind auch mehrere Straßen in der Nordstadt“, sagt Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder, der auf der Immermannstraße wohnt und die Akustik dröhnender Motoren und röhrender Auspuffanlagen in Dolby-Sourround-Qualität ins Haus geliefert bekommt.

Raser-Lärm erreicht Mehrfamilienhäuser

In den Abend- und Nachtstunden an Wochentagen und Wochenenden hat es längst auch die Nachbarn der Lagerhausstraße im Hafenviertel erwischt. Die Mehrfamilienhäuser an der Lagerhausstraße stehen parallel zur Speicherstraße.

Treffpunkt für Autofahrer ist nach Angaben eines Anwohners der Anleger des Ausflugsschiffs „Santa Monika“ an der Speicherstraße. Auf der an Wochentagen als Parkplatz genutzten Fläche setzen sich Fahrer ans Steuer und versuchen das „Powersliding“ – will heißen: Fuß auf die Bremse und zugleich Vollgas geben, damit sich der über das Heck angetriebene Pkw möglichst mit quietschenden und qualmenden Reifen um die blockierte Vorderachse dreht. Das produziert schöne Fotomotive und begeistert die Zuschauer.

Damit nicht genug: Die nach Bauarbeiten neu asphaltierte Speicherstraße ist auf einer 500 Meter langen Strecke für Beschleunigungsrennen attraktiv.

Illegale Rennen waren im Sicherheitsforum für die Innenstadt-Nord bereits ein Thema. „Diese illegalen Rennen müssen, wie überall, unterbunden werden. Aber ich wundere mich, wie kompliziert das ist“, sagt Dr. Ludwig Jörder. Die Rennen seien zu laut und auch gefährlich für die Anwohner.

Anwohner können die Rennen nicht sehen

Ein Anwohner der Lagerhausstraße sagte, dass die Raser auch schon ein Auto zu Schrott gefahren hätten: „Das ist auf dem Dach gelandet.“ Das Lärmproblem bestehe nicht erst seit gestern und sei in den Abendstunden und an Wochenenden unüberhörbar.

Der Vorteil für Raser: Die betroffenen Anwohner aus der Lagerhausstraße können die Rennen wegen der Lagergebäude zwischen beiden Straßen nicht sehen, sondern nur hören – also der Polizei keine Fahrzeugtypen-, farben oder -kennzeichen durchgeben, wenn sie aus dem Fenster blicken. Der Lärm dagegen durchdringt ungebremst die Nachbarschaft.

„Diese Beschwerden sind uns bekannt“, sagte Polizeisprecherin Dana Seketa auf Anfrage, „unser Problem: Wenn uns eine Beschwerde erreicht und wir vor Ort eintreffen, ist das Rennen schon vorbei.“ Der Verkehrsdienst im Polizeipräsidium und die Wache in der Nordstadt hätten die Speicherstraße und das Umfeld auf der Karte.

Platz am Anleger wird umgebaut

Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder gibt der Raserszene im Hafenviertel keine lange Zukunft. Der Platz am Santa-Monika-Anleger werde umgebaut. Rennen würden nach dem Umbau auch der Speicherstraße nicht mehr möglich sein. Bis zum Baubeginn vergeht allerdings noch Zeit.

Bis dahin bleibt Anwohnern nur eins: Sie können der Polizei Orte und Uhrzeiten nennen, sodass ein vollständiges Bild entsteht. Wenn Pkw-Typen und Kfz-Kennzeichen gemeldet werden: umso besser.

Die Teilnahme an illegalen Rennen im Straßenverkehr ist eine Straftat, die allerdings genau nachgewiesen werden muss. Mit Kontrollen dieses Szenetreffs im Hafenviertel können die Polizei und die Stadt Dortmund die Szene stören. Hinweise an die Polizei unter Tel. 110.
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