Ein Rave mit 150 Personen im Naturschutzgebiet kann tödliche Folgen haben (Symbolbild). © picture alliance / dpa
Rave im Naturschutzgebiet

Illegale Techno-Party: Experten befürchten tödliche Folgen

Die Polizei stoppte vor kurzem eine illegale Techno-Party in einem Dortmunder Naturschutzgebiet. Experten machen sich große Sorgen um mögliche Folgen.

Die illegale Techno-Party, die am Wochenende in der Nacht zu Sonntag (4.7.) im Buschei von der Polizei aufgelöst wurde, klingt zunächst erstmal nur wie eine Idee von Ravern, die vermutlich nur die Clubs vermissen.

Allerdings handelt es sich beim Buschei nicht nur um ein altes Militärgelände, sondern um ein Naturschutzgebiet. Mit Flora und Fauna, die den Schutzraum braucht, um erhalten zu bleiben.

Buschei verliert an Wert

Für Thomas Quittek, Sprecher des Dortmunder Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), sind Störungen vieler Arten ein „gravierendes Problem“ in dem Naturschutzgebiet Buschei – es mache dem BUND „am meisten Sorgen in Dortmund“.

Freilaufende Hunde, Mountainbiker und Besucher, die sich abseits der Wege in dem Naturschutzgebiet aufhalten, würden dafür Sorgen, dass das Buschei „an Wert verliert“. Obwohl es laut Quittek durch seine Abgeschiedenheit mal eine hohe Qualität gehabt habe.

Es gebe einen hohen „Nutzungsdruck“, also viele Besucher, die sich nicht an die Regeln halten, und keine „soziale Kontrolle“, erklärt Quittek. So etwas wie der Rave am Sonntag sei bislang aber „noch nie passiert“. Der BUND-Sprecher befürchtet, dass die unerlaubte Feierei einen großen Schaden in dem Naturschutzgebiet hinterlasse.

Besonders bei Vögeln: Sie befinden sich gerade in Brutzeit, die laut Quittek bis Ende September / Anfang Oktober dauere. Der Lärm, den 150 Raver und bassgetriebene Musik verursachen, würde dafür sorgen, dass die Brutvögel verschreckt davonfliegen.

Seltene Vögel werden durch Techno gestört

Vogel-Experte Dr. Erich Kretzschmar vom Dortmunder Naturschutzbund (Nabu) erklärt, warum das fatal sein kann: „Die Vögel geben ihr Brutgeschäft auf und lassen die Jungtiere zurück“. Die Küken verhungern dann oder können Raubtieren zum Opfer fallen.

Laut Kretzschmar reichen dafür auch schon ein paar Stunden aus, die die verschreckten Vogel-Eltern dem Nest fernbleiben. Es kann dann aber auch gut sein, dass die Vögel gar nicht mehr zurückkehren.

Der Rotmilan ist ein immer selten werdender Greifvogel, der im Buschei gesichtet werden kann. Eine illegale Party kann ihn aber vertreiben.
Der Rotmilan ist ein immer selten werdender Greifvogel, der im Buschei gesichtet werden kann. Eine illegale Party kann ihn aber vertreiben. © picture alliance/dpa (Symbolbild) © picture alliance/dpa (Symbolbild)

Dabei nennen auch seltene Vogelarten das Naturschutzgebiet Buschei ihr zuhause. In den vergangenen Jahren sei beispielsweise der Rotmilan nachgewiesen worden. Das ist ein habichtsartiger Greifvogel, der auf der Roten Liste bedrohter Arten auf Vorwarnliste steht. Oder der Feldschwirl, ein Singvogel aus der Roten-Liste-Kategorie „gefährdet“.

Thomas Quittek vom BUND hofft, dass die meisten Vögel in dieser Saison ihr Brutgeschäft bereits erledigt haben, was bei den meisten Arten bis Ende Juni der Fall sei. Dann sei der Schaden nicht so groß.

Eine Party reicht aus, um bleibende Schäden zu hinterlassen

Aber auch andere Tiere, wie Reptilien oder Amphibien, würden laut Quittek unter so einer einmaligen Störung leiden. Durch den Rave könne es sein, dass ein großer Bereich niedergetrampelt worden sein, der dann „für Tiere entwertet“ sei, zusätzlich zu den zerstörten Pflanzen.

Genauso wie die Vögel werden aber auch andere Wildtiere durch den Lärm und Menschen verscheucht. Igel, Feldhasen und Rehe sind in dem Naturschutzgebiet Buschei ebenfalls zuhause. „Wild kommt zwar zurück“, so Quittek, aber es besteht die Gefahr, dass die Tiere auf den nicht weit entfernten Straßen um das Naturschutzgebiet überfahren werden.

Quittek und Kretzschmar wünschen sich, dass in Zukunft wieder mehr für den Natur- und Artenschutz getan wird. Laut Kretzschmar halten sich zwar die meisten Leute an Regeln in Naturschutzgebieten, aber die paar Ausnahmen reichen schon aus: „Eine Party kann ausreichen, bleibende Schäden [in einem Naturschutzgebiet] zu verursachen“.

Quittek und der BUND wollen sich dafür stark machen, dass im Buschei der Naturschutz sichergestellt wird. Sei es durch einfache Mittel wie Zäune an Gehwegen und bessere Hinweisschilder, oder durch „Ranger“, die dort für die Sicherheit der Tiere und Pflanzen sorgen.

Über den Autor
Reporter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers