Im Dicken Dören: Beendet endlich dieses unsägliche Theater an der Dortmunder Stadtgrenze!

rnKlare Kante

Seit einem Jahr streiten Dortmund und Waltrop um ein Industriegebiet an der Stadtgrenze. Es geht lange nicht mehr allein um die Sache. Schluss damit! Schließt einen westfälischen Frieden.

Groppenbruch

, 23.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Kommt das Industriegebiet Im Dicken Dören an der Stadtgrenze oder nicht? Seit nun ziemlich genau einem Jahr streiten Waltrop und Dortmund um die Ansiedlung des Spezial-LKW-Herstellers Langendorf. Viel Wasser ist seitdem durch den Groppenbach die Grenze entlang geflossen. Es ist ein Politikum erwachsen, das ein – gelinde gesagt – unsägliches Bild abgibt.

Längst geht es offenbar nicht mehr (nur) um den planerischen Diskurs. Um den Interessenausgleich hüben wie drüben. Um Umwelt- und Klimafaktoren. Um Lebensqualität. Um die Wirtschaft und ihre Förderung.

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Zwischen den Rathäusern an der Waltroper Münsterstraße und am Dortmunder Friedensplatz ist eine Fehde ausgebrochen: ein westfälischer Kleinkrieg mit rhetorischen Spitzfindigkeiten, erhobenen Zeigefingern und Tönen der Arroganz. David (Waltrop) gegen Goliath (Dortmund), CDU gegen SPD, Nicole Moenikes gegen Ullrich Sierau. Wer sitzt am längeren Hebel?

Berechtigte Interessen auf beiden Seiten

Dabei geht es beim Dicken Dören in erster Linie um die berechtigten Interessen der Anlieger an der Groppenbrucher Straße und um das ebenso berechtigte Anliegen der Waltroper Firma Langendorf.

Ja, die Groppenbrucher haben ein Anrecht auf Schutz vor Lärm und schlechter Luft. Sie haben ein Anrecht auf ein erträgliches Klima und Kaltluftaustausch am Rande des dicht besiedelten Ruhrgebiets. Und sie haben auch ein Recht darauf, dass ihre Häuser nicht im Wert sinken, weil aus einer grünen Stadtrand-Lage eine Nachbarschaft zu einem Industriegebiet wird. Aber steht all das wirklich auf dem Spiel?

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Jenseits von Groppenbach und Kanal: die Firma Langendorf. Als alteingesessenes Unternehmen und größter industrieller Arbeitgeber in Waltrop darf sie von ihrer Stadtverwaltung das Angebot einer Industriefläche erwarten, die ihren veränderten Bedürfnissen für eine wettbewerbsfähige Produktion von Kippern, Innen- und Tiefladern entspricht. Am heutigen Standort an der Bahnhofstraße ist es faktisch zu eng geworden.

Der „Dicke Dören“ wäre aus Sicht von Langendorf ein Glücksfall. Rollen die täglich fünf bis sechs LKW mit Bauteilen von der A2 ohnehin direkt am künftigen Werkstor vorbei – ebenso die gleiche Anzahl der fertigen Spezial-Fahrzeuge in Gegenrichtung. Mit Blick auf die Verkehrsbelastung und die Umwelt macht der Standort Im Dicken Dören sogar Sinn. CO² und Feinstaub kennen ohnehin keine (Stadt-)Grenzen.

Planungsdezernent setzt einen Stich

Was aber „droht“ da eigentlich an der Stadtgrenze? Nach einer Skizze von Langendorf, und mehr ist es noch nicht: eine geschlossene Produktionshalle von 120 mal 60 Metern Länge und vielleicht zwölf Metern Höhe plus Stellflächen für die Auslieferung, plus Parkplätze für die Mitarbeiter. All das auf einem Feld, einem Plateau. Inwiefern die Halle oberhalb der Böschung der vor 40 Jahren angeschütteten Bergehalde überhaupt sichtbar ist – niemand weiß es. Der Grünzug am Groppenbach liegt südlich des geplanten Areals.

Ja, es bleibt ein Mysterium, warum Waltrop alle alternativen Standorte gutachterlich durchfallen lässt. Stattdessen greift deren Planungsdezernent Andreas Scheiba bei einer Bürgerversammlung in Groppenbruch tief in die rhetorische Trickkiste und reibt Bürgern wie Mengeder Lokalpolitikern das auf Eis liegende Gewerbegebiet Groppenbruch an der Königsheide unter die Nase.

Im Dicken Dören: Beendet endlich dieses unsägliche Theater an der Dortmunder Stadtgrenze!

Diese Skizze zeigt das von Waltrop geplante Industriegebiet zwischen dem Kanal und der Groppenbrucher Straße. © Grafik Klose

Das hat Dortmund in seiner Stellungnahme zum Regionalplan-Änderungsverfahren in die Standort-Untersuchung einbezogen. Wie auch das ehemalige Knepper-Kraftwerks-Gelände. Nur ein Kommentar, kein Angebot, sagt die Pressestelle der Stadt Dortmund. Und Oberbürgermeister Ullrich Sierau stellt in einer Pressemitteilung klar: „Wir verfolgen kein Ansiedlungsinteresse. Es gibt auch kein Angebot an das Unternehmen.“

Scheibas Stich bei der Versammlung aber sitzt: Die Mengeder SPD-Politiker reagieren verärgert. Womöglich eine späte Retour-Kutsche Scheibas auf eine Einlassung von OB Ullrich Sierau. Der hatte vor der Mengeder Bezirksvertretung im November großspurig getönt, Waltroper Stadtplaner könnten gerne zum Lernen nach Dortmund kommen.

Schließt Frieden!

Derweil wird Waltrops Bürgermeisterin Nicole Moenikes nicht müde, für ihren Plan zu werben. Sie sucht das Gespräch mit Mengeder Politikern, CDU-Parteifreunden in Dortmund und kürzlich auch mit den Groppenbruchern. Allein im Dortmunder Rathaus blitzt sie ab. Anrufe bei OB Sierau versanden im Vorzimmer, erklärt sie wiederholt gegenüber dieser Redaktion. Auch bei gemeinsamen Terminen: Funkstille. „Zu den von Ihnen angefragten Gesprächskonstellationen und Kontakten äußert sich die Stadt Dortmund nicht“, heißt es auf Anfrage aus dem Dortmunder Stadthaus.

Alles klar. Geht‘s noch? Wem hilft diese beiderseitige Mischung aus groteskem Theater und höfischem Lustspiel?

Fassen wir zusammen: Ob der alte Regionalplan geändert wird, ist fraglich. Wann der neue Regionalplan, in dem der Dicke Dören eingearbeitet ist, verabschiedet wird, steht in den Sternen. Langendorf braucht eine Perspektive bis Ende dieses Jahres. Es geht um 300 Arbeitsplätze – auch für Dortmunder. Und natürlich geht es um Anwohnerinteressen, um viele ungeklärte Fragen zum Umwelt- und Klimaschutz.

Wir erinnern uns: Waltroper und Dortmunder leben im Ruhrgebiet. Das wählt im nächsten Jahr ein gemeinsames Ruhrparlament. Darum an die Adresse beider Stadtspitzen: Beendet endlich das Kirchturmdenken mit diesem unsäglichen Theater! Spielt mit offenen Karten! Lasst die peinlichen Spitzfindigkeiten und die Besserwisserei. Sucht, verdammt nochmal, nach der besten Lösung auf beiden Seiten der Stadtgrenze! Redet miteinander und schließt einen westfälischen Frieden! Ist das so schwer? Nein? Dann bitte einstimmig! Danke!

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