Im neuen Jugendstück spielt Ann-Kathrin Hinz eine Jura-Studentin in Gewissensnöten

Kinder- und Jugendtheater

Im Solostück „Name: Sophie Scholl“ muss sich eine Jura-Studentin zwischen Zivilcourage und ihrer Karriere entscheiden. Doch sie ist keine „Heldin“ wie ihre berühmte Namensvetterin.

von Britta Helmbold

26.09.2019, 23:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im neuen Jugendstück spielt Ann-Kathrin Hinz eine Jura-Studentin in Gewissensnöten

Ann-Kathrin Hinz als Sophie Scholl in BDM-Uniform © Birgit Hupfeld

Geschickt hat Autorin Rike Reiniger in ihrem Jugendstück „Name: Sophie Scholl“ den Loyalitätskonflikt einer Jura-Studentin in unserer Zeit mit der Biografie der jungen Widerstandskämpferin Sophie Scholl verschränkt. Und diese zwei Leben, diese beiden jungen Frauen spielt nun Ann-Kathrin Hinz im Sckelly, der kleinen Spielstätte des Kinder- und Jugendtheaters (KJT) an der Sckellstraße.

Inszeniert hat den Monolog Annette Müller, die zum ersten Mal am KJT arbeitet, und gemeinsam mit Oliver Kostecka auch für die Ausstattung gesorgt hat. Vor einer schwarzen, mit weißen Parolen voll gekrakelten Wand beginnt Ann-Kathrin Hinz - schlicht in Schwarz gekleidet - zu erzählen.

Was haben die beiden Sophies gemeinsam?

Sie heißt Sophie Scholl - und damit beginnt das Problem. Denn fast jeder denkt gleich an die Widerstandskämpferin aus dem „Dritten Reich“. Um das zu beweisen, wird eine Zuschauerin in der ersten Reihe befragt - und sie gibt natürlich die richtige Antwort. Eine überflüssige pädagogische Idee.

Doch die Sophie von heute hat mit ihr nichts gemeinsam - außer dem Namen. Obwohl - wie ihre Namensvetterin wollte auch sie in die große Stadt und studieren.

In Mini-Szenen wird die historische Figur wieder lebendig

Nun steht sie kurz vor ihrem Studium-Abschluss und vor Gericht. Sie ist in einen Prüfungsbetrug verwickelt. Wenn sie die Aussage, die die Sekretärin entlastet, macht, ruiniert sie sich ihre Karriere als Juristin. Wenn sie schweigt, wird eine Unschuldige bestraft. Sie ringt mich sich, kann sich nicht entscheiden. Sie ist eben keine „Heldin“ wie die historische Sophie Scholl.

Das erfahren die Zuschauer nach und nach, denn immer wieder berichtet die verzweifelte Studentin von dem Leben der Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die 1943 hingerichtet wurde. Dazu wechselt sie auch mal ihr Outfit und spielt Mini-Szenen - zeigt Sophie Scholl als BDM-Mädchen in Uniform und als romantisch Verliebte mit Perücke.

Viele Wiederholungen ziehen den Monolog in die Länge

Zum Teil ist die Inszenierung von Annette Müller recht pathetisch geraten. Auch scheint die Regisseurin ihrem angestrebten jungen Publikum (empfohlen wird das Stück ab 14 Jahren), das in der Premiere am frühen Donnerstagabend nicht allzu stark vertreten war, nicht viel zuzutrauen. Lässt sie doch vieles mehrmals wiederholen - was zwar die Wandlungsfähigkeit und Gesangsqualität von Ann-Kathrin Hinz zeigt, aber das Solo ziemlich zäh macht - und in die Länge zieht. Darüber kann auch der extensive Einsatz von theatralen Mitteln nicht hinwegtäuschen.

Dennoch: Für ihr engagiertes, 75-minütiges Spiel erntete die KJT-Schauspielerin Ann-Kathrin Hinz bei der Premiere im Sckelly tosenden Applaus.

Termine: 3.10., 19 Uhr, 6.10., 18 Uhr, im KJT an der Sckellstraße; Karten: Tel. 502 72 22. www.theaterdo.de
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