Im Westfalentower ist endlich Leben eingezogen

Bürogebäude an der B1

Das mit 86 Metern dritthöchste Bürogebäude Dortmunds trug schon wenig schmeichelhafte Beinamen wie „Leerstand auf höchstem Niveau“ und „Vermietungsflop“. Im 2010 eröffneten Westfalentower an der B1, den täglich Tausende Autofahrer passieren, herrschte lange große Leere. Inzwischen sind die meisten Büros vermietet.

DORTMUND

, 10.04.2017 / Lesedauer: 4 min
Im Westfalentower ist endlich Leben eingezogen

Der Westfalentower an der B1 hat inzwischen acht Mieter.

Mandanten hätten den Turm bisweilen auch „Geisterhaus“ genannt, sagt Dr. Alexander Bardenz, Partner der Aderhold Rechtsanwaltsgesellschaft, die seit 2011 im Westfalentower sitzt. Mittlerweile aber haben die Anwälte viele Nachbarn – nur 12 Prozent des Bürokomplexes stehen noch leer.

Im Mai, Juni bezieht Scisys 1000 Quadratmeter im Westfalentower. Das international erfolgreiche Softwareunternehmen schickt 80 Mitarbeiter, weil es am Standort in Bochum eng wird. Geplant sei, „an beiden Standorten weiter zu wachsen“, sagt eine Sprecherin. Eine weitere Software-Firma ist seit Januar im Westfalentower, der aus dem Turm und den Nebengebäuden Atrium (vier Etagen) und Forum (sechs) besteht: Rapidminer, eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Datenanalyse, hat 830 Quadratmeter am Westfalendamm 87 bezogen. Die Software-Firmen sind die jüngsten von nun acht Mietern des Bürokomplexes mit weit über 1000 Mitarbeitern. „Man fühlt sich hier mit mehr Menschen schon besser“, sagt Anwalt Dr. Bardenz.

Commerzbank als Zugpferd

Aber wie kommt es, dass die rund 28.500 Quadratmeter im Westfalentower bald womöglich voll belegt sind – während sie zuvor jahrelang größtenteils leer standen?

Auf diese Frage antwortet die für den Westfalentower zuständige Immobilienverwaltung Goldbeck Procenter aus Düsseldorf per E-Mail: „Die Nachfrage für Büroflächen hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Da der Westfalentower eine absolute Top-Immobilie (…) ist, konnte der Leerstand kontinuierlich abgebaut werden.“ Vor allem durch die Commerzbank und die Telekom-Tochter Vivento. Diese mietete Ende 2015 4500 Quadratmeter an.

Die Commerzbank Dortmund verlagerte Ende 2015 ihr Firmenkundengeschäft in den Westfalentower. Auf einen Schlag waren 13.500 Quadratmeter und damit die meisten der 22 Etagen im Turm vermietet. Commerzbank-Niederlassungsleiter Thorsten Meier mag die „modernen und hellen Räumlichkeiten“. Und die Aussicht auf Dortmund aus dem Besprechungsraum in der 21. Etage (in der 22. Etage befindet sich nur Technik).

Seit dem Einzug der Commerzbank werde der Westfalentower anders – offenbar: besser – wahrgenommen in Dortmund, heißt es bei Goldbeck Procenter: Das habe weitere Mieter angezogen.

Die Frage, ob auch die Mietpreise gesenkt wurden, um den Turm endlich zu füllen, lässt Goldbeck Procenter unbeantwortet. Der Eigentümer und dessen lokale Partner seien jedenfalls „proaktiv in Sachen Vermietung und Asset Management“ gewesen.

61,5 Millionen Euro

Eigentümer des Komplexes ist seit Mai 2015 der britische Immobilien-Investor Orion Capital Managers. Orion zahlte laut Vermarkter Cubion Immobilien AG circa 61,5 Millionen Euro für den Westfalentower. Vorbesitzer war die Schweizer Großbank Credit Suisse. Sie hatte einst über den Immobilienfonds CS Euroreal rund 73 Millionen Euro in das Gebäude investiert, das ab 2008 spekulativ gebaut wurde – also ohne im Voraus abgeschlossene Mietverträge.

Weil seit 2008, beginnend mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, Anleger ihr Geld aus dem Fonds CS Euroreal abzogen, fiel die Entscheidung, ihn abzuwickeln. 2015 schlug Orion Capital Managers zu. Wie lange die Briten den Westfalentower halten, ist fraglich. Dem Vernehmen nach sollen sich bereits andere Interessenten im Turm an der B1 umgesehen haben. Dazu heißt es vom Verwalter Goldbeck Procenter: „Zur Verkaufsstrategie von Orion können wir leider keinen Kommentar geben – die Exit Strategie von internationalen Investoren ist meist streng vertraulich.“ Die nun gut vermietete Immobilie dürfte sich im Fall des Falles jedenfalls besser verkaufen lassen als der einstige „Vermietungsflop“ Westfalentower.

„Alle Vor- und Nachteile“

Erster Mieter im Westfalentower war die Westcom Media Group, die unter anderem die Nachrichtensendung „17.30“ für SAT.1 produziert. Nach den eher einsamen Jahren sei der Westfalentower jetzt „belebt“, sagt Westcom-Geschäftsführer Peter Pohl – „mit allen Vor- und Nachteilen“. So hat sich beispielsweise einerseits die Kantine vergrößert, andererseits herrsche auch mal Knappheit in der Tiefgarage. Aber, so Pohl: „Es ist für uns alle gut, dass es sich füllt.“ Die Aderhold Rechtsanwaltsgesellschaft belegt die Etagen 19 und 20 im Turm. Nachteile durch das volle Haus wie längere Wartezeiten an den Aufzügen oder knappe Parkflächen gebe es eigentlich nicht, sagt Rechtsanwalt Dr. Alexander Bardenz: „Wir haben ein sehr nettes Miteinander mit allen.“

Aus Sicht der Stadt übrigens ist der Westfalentower immerhin so prägend, dass er sich neben Florian, Westfalenhalle & Co. auf einer offiziellen Miniatur-Skyline wiederfindet: Die verschenkt der Oberbürgermeister seit Anfang des Jahres an nationale und internationale Gäste der Stadt.

Gebaut wurde der Westfalentower vom Unternehmen Freundlieb, es war einer der größten Aufträge der Firmengeschichte. Die höchsten Bürogebäude Dortmunds sind der Innogy-Tower (91 Meter/vormals RWE-Tower) und das Telekom-Hochhaus (88).

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