Jetzt können sich auch die über 60-Jährigen einen Impftermin für die Impfung mit Astrazeneca geben lassen – zumindest vorübergehend. © dpa
Corona-Pandemie

Impfungen in Dortmund: Wer wird nun wann, wo und mit welchem Impfstoff geimpft?

Viele Menschen, vor allem über 60 Jahre, fragen sich: Kann ich mich jetzt auch impfen lassen? Beim Hausarzt? Im Impfzentrum? Und mit welchem Impfstoff? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Dr. Prosper Rodewyk, Hausarzt in Hörde und Leiter der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), hat am Mittwochmorgen 48 Briefumschläge auf dem Schreibtisch – alles Benachrichtigungen für Patienten, die noch nicht 79 Jahre alt sind, aber wegen ihrer Vorerkrankungen zur Priorisierungsgruppe 2 gehören. Also Patienten, die sich nach Ostern in der Hausarzt-Praxis von Dr. Rodewyk impfen lassen können, sofern der Mediziner ausreichend Impfstoff geliefert bekommt.

Eines weiß Rodewyk jetzt schon: Für alle 48 wird es nicht reichen; denn er hat nur wie alle anderen Hausarztpraxen 20 bis 30 Impfdosen zu erwarten. Eigentlich seien es nur 20, sagt er, doch da manche Ärzte Urlaub machten, werde der Rest auf die übrigen Praxen verteilt. Am Donnerstag wird dann bei Dr. Rodewyk geimpft, nur mit Biontech, obwohl ursprünglich Astrazeneca für sie vorgesehen war. Wer von den 48 Patienten noch nicht dabei ist, wird auf die Woche drauf verschoben.

Termine werden ab Samstag freigeschaltet

Es wird immer unübersichtlicher, wer wo und mit welchem Impfstoff als Nächstes dran ist, nachdem Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Mittwoch (31.3.) angekündigt hat, dass das Land NRW unerwartete 380.000 Astrazeneca-Impfdosen bekommt, für die sich ab Ostersamstag auch die über 60-Jährigen über die KVWL-Buchungsseite einen Impftermin im Impfzentrum auf Phoenix-West geben lassen können.

Dann kündigte die Landesregierung am Donnerstag, (1.4.), die Ausgabe von sogar insgesamt 450.000 unerwarteten Astrazeneca-Impfdosen an, davon 13.620 für Dortmund für den Zeitraum vom 4. bis zum 18. April.

Diese sollen an Menschen im Alter zwischen 60 und 79 Jahren verimpft werden. Die Termine für diese Personengruppe werden laut NRW-Gesundheitsminister Laumann am Samstag auf der entsprechenden Buchungsseite der KVWL freigeschaltet.

Hintergrund für die plötzliche Änderung ist, dass nach Empfehlung der ständigen Impfkommission Astrazeneca nur an über 60-Jährige verimpft werden soll, nachdem es bei Jüngeren nach der Impfung zu Fällen von Hirnvenenthrombosen gekommen ist.

Erneut Chaos bei Impfterminvergabe zu erwarten

Allerdings ist die Gruppe der über 60-Jährigen um ein Zehnfaches größer, sodass diese Impfdosen zunächst nicht für alle Impfwilligen ausreichen werden. Sobald alle verfügbaren Termine verbucht sind, wird auch das Impfangebot für diese Personengruppe zunächst wieder eingestellt, kündigt die KVWL an.

Zudem werde diese kurzfristige Aktion das Terminbuchungssystem erneut bis an den Rand der Belastungsgrenze bringen, sagte am Mittwoch der KVWL-Vorstandschef Dr. Dirk Spelmeyer. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Auch diesmal könne es deshalb wie beim Start der Terminbuchungen für die über 80-Jährigen im Februar wieder zu Schwierigkeiten bei der Terminbuchung kommen. Man arbeite derzeit mit Hochdruck daran, die Systeme entsprechend anzupassen und das zusätzlich benötigte medizinische Personal zu rekrutieren.

Die Terminvergabe für die 79-Jährigen bleibt von den Änderungen unberührt. Sie startet wie geplant am Dienstag, 6. April. Und wer unabhängig vom Alter schwere Vorerkrankungen hat wie beispielsweise chronische Nierenerkrankungen oder COPD, muss sich bei seinem Hausarzt auf eine Liste setzen lassen.

Biontech für junge Leute

Dr. Rodewyk hält das Umschwenken Laumanns bei den Altersgruppen und den Impfstoffen „für eine gute Idee.“ Und das nicht nur deshalb, weil jetzt wegen weiter gesunkenen Vertrauens in diesen Impfstoff massenhaft Dosen ungenutzt liegen bleiben könnten. „Das ist ein guter Impfstoff, die deutsche Impfstrategie lebt von Astrazeneca.“

Schon bevor es am Dienstag die erneuten Einschränkungen für dieses Vakzin gab, habe Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagen, Astrazeneca bei Älteren und Biontech an Jüngere zu verimpfen, weiß Rodewyk.

„Wir wissen, dass wir bei Biontech eine sterile Immunität haben“, erläutert er, „das heißt mit Biontech Geimpfte sind nicht mehr ansteckend.“ Das wisse man bei Astrazeneca nicht, doch Astrazeneca verhindere schwere Krankheitsverläufe.

Weil junge Leute mehr Sozialkontakte hätten, sei es sinnvoll, sie mit Biontech zu impfen, während man bei den Älteren mit meist weniger Sozialkontakten mit Astrazeneca die schweren bis tödlichen Covid-Erkrankungen verhindern könne, so Rodewyk. Die Franzosen hätten diesen Wechsel schon vollzogen.

Impftermine

So läuft die Terminvergabe

  • Die Terminvergabe für Bürgerinnen und Bürger im Alter ab 60 Jahren startet am Samstag, 3. April, über die bekannten Wege: Entweder online unter www.116117.de (Westfalen-Lippe) bzw. www.coronaimpfung.nrw/patienten oder telefonisch unter 0800 116 117 02 (Westfalen-Lippe).
  • Im Dortmunder Impfzentrum sind für Donnerstag (1.4.) 1.998 Termine vereinbart. Alle Impflinge werden dann mit dem BionTech-Impfstoff geimpft. Aufgrund zusätzlicher Impfstoff-Lieferungen wird ausreichend Impfstoff vorhanden sein, teilt die Stadt mit.
  • Für die Folgetage vom 2. bis zum 5. April wurden insgesamt 7.526 Termine angesetzt und inzwischen auch gebucht. Hierfür ist der Impfstoff Biontech vorgesehen.
  • Alle über 60-Jährigen inkl. der über 80-Jährigen bekommen den Impfstoff von AstraZeneca, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.
Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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