Vor dem Impfzentrum ist am Donnerstag (30.9.) nicht viel los. © Julien März
Reportage

Impfzentrum Phoenix-West schließt: Einer der letzten Impflinge berichtet

Das Impfzentrum hat am Donnerstag (30.9.) zum letzten Mal seine Türen geöffnet. Reporter Julien März war vor Ort, auch um sich selbst seine Zweitimpfung abzuholen. Ein Erlebnisbericht.

Seit ungefähr 8 Monaten wird im Impfzentrum Phoenix-West gegen Corona geimpft. Am Donnerstag (30.9.), dem letzten Tag des Impfzentrums, bin ich einer der letzten, die hier ihre Spritze bekommen. Denn ich habe bis Anfang September in Portugal gelebt, wo die Impfung für meine Altersgruppe erst vor ein paar Wochen freigegeben wurde.

Die Ankunft

Am Donnerstag, um 15 Uhr, habe ich meinen Termin zur Zweitimpfung. Als ich am Phoenixplatz vor der Warsteiner Music Hall ankomme, zeigt sich mir das gleiche Bild wie vor drei Wochen: Es ist kaum etwas los, keine Schlange, kein Andrang.

Also betrete ich das Vorzelt. Ein Mitarbeiter, der nebenbei noch telefoniert, misst kurz meine Temperatur und weist mir den Weg zum Eingang. „Erst- oder Zweitimpfung?“, fragt mich eine Frau hinter einer Plexiglaswand. Ich antworte ihr und gebe ihr meine Impfmappe.

Ich frage, ob denn viel los sei. „Ja, vor allem heute Morgen war viel los, viele Leute kommen auf den letzten Drücker“, antwortet sie mir und gibt mir meine Impfmappe.

Dann geht es weiter. Den Weg zum Empfangsschalter kenne ich ja noch. Als ich mit dem Mann am Schalter spreche, um ihn zu fragen, wie er den letzten Tag bisher erlebt hat, bittet mich eine junge Mitarbeiterin des Impfzentrums in rauem Ton, zu ihr zu kommen. Sie schickt mich zur Impfstraße 6.

Die Halle

Als ich in die große Halle reingehe, zeigt sich mir ein ganz anderes Bild als noch vor drei Wochen. Fast alle Impfstraßen sind in Betrieb, es ist ziemlich voll. Überall warten Menschen, die Warteplätze sind alle belegt.

Eine der Impfstraßen im Impfzentrum Phoenix-West. (Archivbild)
Eine der Impfstraßen im Impfzentrum Phoenix-West. (Archivbild) © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Ich werfe einen Blick um mich. Die Atmosphäre ist angespannt, die Mitarbeiter gestresst. Diesmal sind auch einige Kinder und Jugendliche da. Aber auch Menschen mittleren Alters, sogar ein etwa 80-jähriger Mann. „Ob er sich bereits seine Auffrischungsimpfung abholt?“, frage ich mich. Da geht es schon weiter und ich rücke eine Reihe nach vorne.

Ich habe Glück, denn bei meiner Impfstraße geht es schnell. Innerhalb von wenigen Minuten rücke ich von dem hintersten Platz in die erste Reihe. An der Impfstraße 5, rechts neben mir, geht es nicht so schnell. Als ich am vordersten Warteplatz sitze, hat sich dort kaum was bewegt. Dann schon wirft mir ein Mitarbeiter einen Blick zu, der mir sagt, dass ich vorkommen soll, um mir meine Hände zu desinfizieren.

Dann geht es zu der Ärztin in den Vorraum. Sie erzählt, „die ganze Woche ist schon richtig viel los. Es kommen sogar heute noch viele, die sich ihre erste Impfung abholen. Nach acht Monaten haben die dann wohl auch bemerkt, dass es mal Zeit wird“, sagt sie lachend und bittet mich in den nächsten Raum.

Die Spritze

Dann geht alles ganz schnell. Ich stelle meinen Rucksack ab und krempel meinen rechten Ärmel hoch. Desinfizieren, Spritzen, fertig. Danach geht es direkt zum Check-out. Acht von insgesamt 14 Check-out-Schalter sind besetzt. Trotzdem warten viele Leute.

Die Check-out-Schalter des Impfzentrums. (Archivbild)
Die Check-out-Schalter des Impfzentrums. (Archivbild) © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Das Warten

Check-out Check. Also gehe ich in Richtung Wartebereich und nehme Platz. Die meisten Leute gehen raus, sie warten nicht. Eine vierköpfige Familie geht an mir vorbei zum Ausgang, „wir warten jetzt nicht noch länger“, sagt der Vater genervt zu seiner Familie.

Den Schmerz an der Einstichstelle spüre ich sofort, anders als bei meiner Erstimpfung. Es ist ein stechender Schmerz, aber gleichzeitig fühlt es sich so an, als hätte mir jemand kräftig auf den Oberarm geschlagen.

Ich warte weiter, knapp 15 Minuten. Ist mir schwindelig? Ist mir schlecht? Nein. Also gehe ich Richtung Ausgang. Draußen ist es angenehm, die Sonne scheint. „Endlich geschafft“, denke ich mir. Ich bin also einer der letzten, die sich im Impfzentrum Phoenix-West impfen lassen konnten.

Die Bilanz

Ich bin zufrieden mit meinen Erlebnissen am Impfzentrum. Bei keinem meiner beiden Termine musste ich lange warten, die Organisation war auch in Ordnung.

Etwa 192.889 Erstimpfungen und 180.013 Zweitimpfungen wurden im Impfzentrum verabreicht. 188.576 Menschen wurden hier vollständig geimpft. Darunter auch die Menschen, die Johnson&Johnson bekommen haben, für die eine Impfung ausreicht.

Zum Vergleich: Die Dortmunder Arztpraxen haben 175.135 Menschen vollständig geimpft, also fast genau so viele wie das Impfzentrum. Seinen Höhepunkt hatte das Impfzentrum im Mai, bis zu 3700 Impfungen sollen hier pro Tag verabreicht worden sein.

An Christi Himmelfahrt, dem 13. Mai, hatte sich das Impfzentrum einem Leistungstest unterzogen. „Insgesamt 3.454 Impfungen vorgenommen worden – davon 603 Erst- und 2.851 Folgeimpfungen“, bilanzierte die Stadt damals.

Karl-Heinz Breuer und sein Enkel Sebastian Drabent waren unter den ersten Dortmundern, die am Montag (8.2.) im in der Warsteiner Music Hall gegen das Coronavirus geimpft wurden.
Karl-Heinz Breuer und sein Enkel Sebastian Drabent waren unter den ersten Dortmundern, die am Montag (8.2.) in der Warsteiner Music Hall gegen das Coronavirus geimpft wurden. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Der erste Dortmunder, der hier geimpft wurde, war übrigens Karl-Heinz Breuer, ein 92-Jähriger. Am 8. Februar diesen Jahres bekam er seine Impfung. Damals lag vor dem Impfzentrum noch Zentimeter hoher Schnee.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2002 in Bochum geboren, aufgewachsen in Dortmund, BVB-Fan. Seit dem Abitur 2020 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Immer auf der Suche nach guten Geschichten am Puls der Stadt.
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