In der Dortmunder Innenstadt sollen mehr Sitzbänke stehen – die Standortsuche beginnt

rnSitzbank-Projekt

Marie Wolf kämpft seit Jahren für Sitzbänke. Die Dortmunderin sähe gern in der ganzen Stadt an jeder Ecke schöne Holzbänke. Jetzt ist sie ihrem Ziel ein Stück näher gekommen.

Kreuzviertel, Mitte, Klinikviertel

, 25.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irgendwann fiel Marie Wolf auf, dass ihre liebste Sitzbank im Kreuzviertel verschwunden war. Auch an anderen Stellen in der Stadt vermisste sie Sitzgelegenheiten. Die gebürtige Österreicherin machte daraufhin das Thema Bänke zu ihrem Projekt.

Bei der Politik findet sie Unterstützung für ihr Motto „Jeder Straße ihre Sitzbank“. Am 22. Januar (Mittwoch) beriet die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt-West darüber, wie es nun weitergehen soll mit den Bänken im Bezirk.

Sitzbänke helfen Älteren, am Leben teilzuhaben

Die engagierte Bürgerin wirbt dort noch einmal für ihr Anliegen: „Mein Traum ist, dass in ganz Dortmund überall Bänke stehen und so ältere Menschen überall am öffentlichen Leben teilnehmen können. Wenn es Sitzgelegenheiten gäbe, würden eventuell auch wieder mehr Leute zu Fuß gehen.“

Einer der vorgeschlagenen Standorte für eine Sitzbank liegt an der Ecke Neuer Graben/Haenischstraße.

Einer der vorgeschlagenen Standorte für eine Sitzbank liegt an der Ecke Neuer Graben/Haenischstraße. © Marie Wolf

Bei den BV-Mitgliedern rennt sie mit ihren Argumenten offene Türen ein. Sie haben das Thema längst zu ihrem eigenen Projekt gemacht, wie Marie Wolf selbst dankbar feststellte. Als Wienerin sei sie begeistert von Dortmund, dem Zusammenhalt und der Bürgernähe der Politik.

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Bleibt die Frage, wo nun welche Bänke aufgestellt werden sollen. Marie Wolf hat dafür Vorschläge ohne Ende. Exemplarisch für ihr Wohnumfeld, das Kreuzviertel, hat sie rund 35 Standorte aufgelistet. Allein an der Straße „Neuer Graben“ findet sie fast 20 Stellen, an denen sich eine Sitzbank gut machen würde. Sie hofft, dass zwei bis drei realisiert werden.

Auch die Freifläche vor dem Abgang zur U-Bahnstation Saarlandstraße bietet sich nach Meinung von Marie Wolf als Bank-Standort an.

Auch die Freifläche vor dem Abgang zur U-Bahnstation Saarlandstraße bietet sich nach Meinung von Marie Wolf als Bank-Standort an. © Marie Wolf

Natürlich müssten Eigentümerverhältnisse, Rettungswege und Belange der Straßenverkehrsordnung berücksichtigt werden. Um das alles zu koordinieren, haben die Bezirkspolitiker jetzt eine Begehung beschlossen. Fachleute aus der Verwaltung sollen mit Marie Wolf die vorgeschlagenen Standorte prüfen.

Zusätzlich soll ein externer Dienstleister eine Bestandsaufnahme und ein Konzept für den gesamten Stadtbezirk erstellen. Dafür stellt die BV 15.000 Euro bereit.

Man wolle nicht über jede einzelne Parkbank diskutieren, eine Rückmeldung aber soll es schon geben, sagte Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze, ergänzt durch einen kleine Seitenhieb auf das etwas schleppende Verfahren: „Und wir wollen das gern noch erleben.“

„Es ärgert uns auch, dass wir mit den Bänken so im Rückstand sind“, sagte Sylvia Uehlendahl vom Tiefbauamt. Die Kollegen seien in Verkehrssicherungspflichten so eingebunden gewesen, dass sie für die Bänke einfach keine Zeit gehabt hätten.

Den Vorwurf, Bänke verschwänden ins Winterquartier und tauchten nie wieder auf, weist die Verwaltung aber zurück. „Manchmal sind die Bänke einfach nicht wieder verwertbar.“ Ansonsten würden sie im Frühjahr wieder aufgestellt.

Wichtig ist den Bank-Liebhabern auch das Material. „Schöne“ Bänke sollen es sein, heißt es. „Wir brauchen nicht noch mehr Metallgitterbänke. Sie sind nicht geeignet für ältere Leute und den Winter“, sagt Ulrike Wenzel (Bündnis90/Grüne). „Holz dagegen zieht nicht die Wärme des Körpers ab.“ Die Bänke sollen einladend, seniorengerecht und eine Bereicherung des Umfelds sein.

Banktypen wurden mit dem Seniorenbeirat abgestimmt

Es gebe ein Portfolio von Bänken, das mit dem Seniorenbeirat abgestimmt sei, erklärt Sylvia Uehlendahl. „Wir wollen alle lieber Holzbänke“, der Typ solle aber auch vom Standort abhängig gemacht werden. „Eine Metallbank ist besser als gar keine“, meint dazu Gesche Creon-Tigges (CDU).

Bank-Aktivistin Marie Wolf sagt: „Ich wäre enttäuscht, wenn die Stadt zugepflastert würde mit Metallbänken.“ Und sie hätte lieber 80 Bänke, die regelmäßig gewartet werden, als 100 nicht gewartete. „Dann laden sie auch nicht zu Vandalismus ein.“

Wenn Standorte und Konzept stehen, sollen die Bänke so schnell wie möglich aufgestellt werden, sagt Bezirksbürgermeister Stoltze. Er hofft, dass die Bürger noch in diesem Sommer Platz nehmen können.

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