Das Subrosa ist seit 25 Jahren eine Institution in Dortmunds Musikszene. Nach ihren Auftritten schlafen die Musiker in der Künstlerwohnung der Kulturspelunke. Manchmal geht es dort hoch her.

DORTMUND

, 01.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Gibt’s hier nur Toiletten? Das ist der erste Gedanke, wenn man das betritt, was Cornel Alex liebevoll seine „Rock ‚n‘ Roll-Ferienwohnung“ nennt. Die alten, weißen Zimmertüren sind übersäht mit Band-Stickern und Kritzeleien, wie man sie in dieser Dichte oft nur auf Klos von Fußball-Kneipen oder alternativen Jugendzentren bewundern kann. Es sind die Andenken der rund 1500 Künstler, die hier bereits übernachtet haben. „Musiker sind wie Hunde“, scherzt Alex. „Die markieren immer gerne ihr Revier.“

Tatsächlich verbergen sich hinter den vier Türen, die von der gelb gestrichenen Diele abgehen, zwei Schlafzimmer mit mehreren Betten, eine altertümlich eingerichtete Wohnküche und ein Bad. 50 Quadratmeter mit Jugendherbergs-Charme – das ist die Künstlerwohnung des Subrosa, dessen Betreiber Alex ist.

Das Subrosa ist eine Institution der Dortmunder Musikszene

Die Kulturspelunke an der Gneisenaustraße ist eine Institution in der Musikszene der Stadt – eine Institution, die am 1. Juli ihren 25. Geburtstag feiert. Die Kneipe hat einen einzigartigen Charme: Große, kitschige Wandbilder sorgen für etwas Farbe in der dunklen Höhle, alles ist vollgestellt mit Tinneff, auf der Deckenleiste oberhalb des Tresens stehen angestaubte Bierflaschen. „Es ist die südlichste Hafenkneipe Hamburgs“, sagt Alex.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Künstlerwohnung des Subrosa

Die schönsten Fotos der Künstlerwohnung Subrosa.
01.07.2018
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In der Künstlerwohnung des Subrosa gibt es zwei Mehrbettzimmer.© Oliver Schaper
Cornel Alex eröffnete 1993 das Subrosa an der Gneisenaustraße.© Oliver Schaper
Die Zimmer der Künstlerwohnung verströmen etwas Jugendherbergs-Charme.© Oliver Schaper
Die Übernachtungsgäste haben ihre Spuren hinterlassen.© Oliver Schaper
Eine der Türen der Künstler-Wohnung. Sie erinnern eher an Toiletten-Türen.© Oliver Schaper
Die Küche der Künstlerwohnung.© Oliver Schaper
Die Übernachtungsgäste haben ihre Spuren hinterlassen.© Oliver Schaper
Sticker-Überall - auch auf den Fliesen der Küche.© Oliver Schaper
Die HSV-Fahne hat dem Subrosa-“Herbergsvater“ Cornel Alex schon einige Sprüche eingebracht. Die Hanseaten sind sein Zweit-Verein.© Oliver Schaper
Ein Hochbett für die Künstler bietet das zweite Schlafzimmer der Künstlerwohnung.© Oliver Schaper
Cornel Alex wohnte in den ersten Jahren selbst hier, bis er in eine andere Wohnung zog.© Oliver Schaper
Das Bad der Künstlerwohnung.© Oliver Schaper
Ein altes Werbeschild hängt über dem Eingang zum Bad.© Oliver Schaper
„Es ist ein großartiger Ort, aus dem die Musik nur so trieft“, sagt einer der Gäste, der kanadische Singer-Songwriter Jeff Beadle.© Oliver Schaper
In der Wohnung übernachteten bereits Gunter Gabriel und Monchi, der Sänger der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“.© Oliver Schaper
„Musiker sind wie Hunde“, scherzt Alex über die Sticker-Schwemme. „Die markieren immer gerne ihr Revier.“© Oliver Schaper
Der alte Kleiderständer stammt noch aus der Vorgängerkneipe des Subrosa, dem „Haus Discher“.© Oliver Schaper
Über 2500 Konzerte gab es bereits im Subrosa.© Oliver Schaper
Das Subrosa ist eine Institution in Dortmunds Musikszene.© Oliver Schaper
Ein Himmel voller Platten hängt über einem Teil des Tresens im Subrosa.© Oliver Schaper
Die wohl kleinste Bühne Dortmunds gibt es in der Ecke hinterm Subrosa-Tresen.© Oliver Schaper
Große Wandteppiche und Bilder machen das Subrosa zur schrulligen Spelunke.© Oliver Schaper

Als der heute 51-Jährige 1993 die Kneipe im Erdgeschoss übernahm, gab es die Wohnung im ersten Stock obendrauf. Früher, als das Subrosa noch „Haus Discher“ hieß und eine klassische Eckkneipe war, in der die Oppas am Tresen ab mittags die Deckel rundsoffen, war sie die Wirtewohnung. Auch Alex lebte anfangs dort, in einer 2-Mann-WG mit einem Kumpel. Ein paar Jahre später, es muss so 1995/96 gewesen sein, zog er in eine Wohnung in die City.

Künstlerwohnung hilft bei Finanzierung der Konzerte

Und da Alex in dieser Zeit generell sein Musikprogramm im Subrosa ausbaute, kam ihm eine Idee: Warum die Wohnung nicht den Künstlern anbieten? „Wir sind nur eine kleine Location, in die maximal 100 Leute passen, da zerschießt es dir die Finanzierung, wenn du für die Bands auch noch ein Hotelzimmer bezahlen musst.“

Über 2500 Konzerte gab es seit der Eröffnung 1993 im Subrosa. Zahlreiche Singer-Songwriter traten auf der winzigen Bühne neben dem Tresen auf, genauso wie Mardi-Gras-Blues-Bands, Hard-Rocker und Jazz-Combos. „Ich hab viele Künstler, die seit 20 Jahren immer wieder hier spielen“, sagt Kneipenbetreiber Alex nicht ohne Stolz. „Und zu mir kommt man nicht wegen der dicken Gage.“

Das Pfund des Subrosa war immer das Drumherum, sagt Alex. „Sie werden herzlich aufgenommen, manchmal trinkt man nach dem Auftritt noch’n Bier.“ Und zu diesem Gesamtpaket gehört eben auch die Künstlerwohnung.

„Es ist ein großartiger Ort, aus dem die Musik nur so trieft“

Einer der Musiker, die immer wieder kommen, ist der kanadische Singer-Songwriter Jeff Beadle. Als er das erste Mal im Subrosa auftrat und später einen Stock darüber übernachtete, war es „für einen Moment wie Zuhause“, erinnert er sich. „Zuvor hatte ich auf meiner Tour überall geschlafen, im Auto, auf Fluren, auf Autobahn-Rastplätzen. Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich die Künstler-Wohnung als das Komfortabelste an, was ich jemals gesehen hatte.“

Solche Wohnungen seien ziemlich ungewöhnlich, meint Beadle, der schon mehrere Europa-Touren hinter sich hat. An der Subrosa-Wohnung liebt er besonders die Hunderten Band-Sticker. „Ich kann mir die endlos anschauen. Es ist ein großartiger Ort, aus dem die Musik nur so trieft.“

Einmal flog ein Ghettoblaster aus dem Fenster

Zwei bis drei Mal die Woche wird Alex heutzutage zum Herbergsvater. „Die lieben Bands spülen das Geschirr und falten die Handtücher, bevor sie gehen“, erzählt er. Andere entsprechen aber dann doch eher dem Rock-‚n‘-Roll-Klischee und hinterlassen die Wohnung in einem nicht so guten Zustand. „Letztens hatte ich eine kaputte Tür und eine defekte Klospühlung“, sagt Alex. Einmal sei sogar ein Ghettoblaster aus dem Fenster geflogen. „Den Musiker habe ich nicht wieder gebucht.“

Wie sich seine prominentesten Übernachtungsgäste benommen haben – Milky Chance, Gunter Gabriel und Monchi, der Sänger der Punk-Band Feine Sahne Fischfilet – daran kann sich Cornel Alex nicht mehr erinnern. Was irgendwie auch gut zum Namen seiner Kneipe passt: Der heißt nämlich aus dem Lateinischen übersetzt „Unter dem Mantel der Verschwiegenheit“.

Auch andere Veranstalter in Dortmund nutzen die Wohnung manchmal, um ihre Künstler unterzubringen, etwa das FZW. Ihnen berechnet Alex dann 25 Euro pro Person und Nacht, 30 Euro mit Frühstück.
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