Straßenbahn erinnert an Nazi-Horror 1973 Namen stehen für 1973 Opfer aus Dortmund

An der neuen #WeRemember-Bahn von DSW21 stehen 1.973 Namen der Holocaust-Opfer aus Dortmund. Aus der Familie von Barbara Samuel sind ebenfalls Namen auf die Stadtbahn gedruckt.
An der neuen #WeRemember-Bahn von DSW21 stehen 1.973 Namen der Holocaust-Opfer aus Dortmund. Aus der Familie von Barbara Samuel sind ebenfalls Namen auf die Stadtbahn gedruckt. © DSW21/ Jörg Schimmel
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Die DSW21 hat eine neugestaltete Stadtbahn der Linie U43 vorgestellt. In wenigen Tagen wird die „#WeRemember-Bahn“ ihre Strecken durch Dortmund fahren. Anlass für diese Bahn ist der 80. Jahrestag der Deportation von Menschen Dortmund nach Auschwitz.

Aus diesem Grund finden sich jetzt die Namen aller 1.973 Dortmunder Holocaust-Opfer auf der sogenannten „Erinnerungsbahn“ wieder. Die Bahn wird ein paar Tage nach der Einweihung ganz normal im Linienverkehr eingesetzt. Und das auf unbegrenzte Zeit.

Der Hintergrund

Der 2. März 1943 ist ein besonderes Datum für die Stadt Dortmund. An diesem Tag wurden von einem Sammellager aus etwa 300 Jüdinnen und Juden mit einer Straßenbahn zum Südbahnhof gebracht. Von dort aus ging es dann in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die Dortmunder wussten zu dieser Zeit nicht, wohin die Bahnen sie bringen.

Es waren Straßenbahnen eines Vorgängers von DSW21, die damals die Juden zum Südbahnhof gebracht haben. Die Fahrt ging von dem Sammellager in der Gaststätte „Deutsches Haus“ in Brackel dann zum Südbahnhof. Die Dortmunder Stadtwerke seien ein Rädchen im Getriebe gewesen, wie der Arbeitsdirektor Harald Kraus schildert. Auch deswegen habe man sich für diese besondere Bahn entschieden.

Die neue
Die neue „Erinnerungsbahn“ soll an die NS-Zeit und den Holocaust erinnern. Insbesondere in der Verbindung mit Dortmund. © DSW21

QR-Codes für Informationen

Neben den Namen der Verstorbenen sind auch QR-Codes an den Fensterscheiben angebracht. Die führen die Fahrgäste auf die Internetseite www.deportationen-dortmund.de. Auf der Seite sind weitere Informationen zu der Geschichte der NS-Zeit zu finden.

Der QR-Code soll dazu beitragen, dass sich die Menschen näher mit dem Thema beschäftigen. Denn der Holocaust und die gesamte NS-Zeit rückt bei der Bevölkerung immer weiter in den Hintergrund. Die Bahn soll dazu beitragen, dass sich das wieder ändert.

Überlebende erzählen

Zwei Überlebende aus Auschwitz, die 1943 von Dortmund aus transportiert wurden, beschreiben auf der #WeRemember-Bahn ihre Erinnerungen. In prägnanten Zitaten wird deutlich, wie der 2. März für die Juden abgelaufen ist.

Ernst Lion wurde gemeinsam mit seiner Frau nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Nur er überlebte. Er berichtete: „Am nächsten Morgen wurden wir in Straßenbahnwaggons zum Südbahnhof transportiert, da der Hauptbahnhof außer Betrieb war. Dort wartete bereits ein Zug auf uns.“

Auch Hans Frankenthal überlebte die Deportation. Sein Zitat findet sich ebenfalls auf den Fensterscheiben der Straßenbahn wieder.

Hans Frankenthal ist einer von zwei Überlebenden, die auf der #WeRemember-Bahn ihre Erinnerungen schildern.
Hans Frankenthal ist einer von zwei Überlebenden, die auf der #WeRemember-Bahn ihre Erinnerungen schildern. © Jule Hoffmann

Weitere Aufarbeitung

Neben der neuen „Erinnerungsbahn“ wird DSW21 einen Historiker beauftragen. Dieser soll dann die NS-Zeit in Dortmund aufarbeiten und dabei besonders die Rolle der Stadtwerke aufzeigen.