In Dortmund fehlen 800 Kita-Plätze

Kinderbetreuung

Dortmund wächst - und die Kindergartenplätze sind auch in diesem Jahr wieder knapp. Für 400 Kinder unter drei Jahren und für 400 Kinder über drei Jahren suchen die Mitarbeiter im Jugendamt derzeit nach Betreuungsmöglichkeiten und Kita-Plätzen. Kein leichtes Unterfangen.

DORTMUND

, 08.06.2017, 03:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kita-Plätze sind in Dortmund Mangelware.

Kita-Plätze sind in Dortmund Mangelware.

„Wir versuchen, alle Kinder unterzubringen – mit maximalem Einsatz der Kolleginnen und Kollegen“, verspricht Dezernentin Daniela Schneckenburger und ist optimistisch, dass das auch gelingt. Es sollen beispielsweise Überbelegungsmöglichkeiten mit einzelnen Kindertagesstätten verhandelt oder Lösungen mit Tagesmüttern gefunden werden.

„Es ist ein kompliziertes Geschäft, in dem es viel Bewegung gibt. Viele Eltern haben ihre Kinder in mehreren Einrichtungen angemeldet oder ziehen kurzfristig noch um“, sagt Daniela Schneckenburger. Am Ende, da ist sie sicher, werde das Puzzle wieder aufgehen. „Bisher“, stellt sie fest, „hat es in Dortmund keine Klagen gegeben, mit denen Eltern ihren Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hätten erstreiten müssen.“

„Keine Untätigkeit“

Dass es Härtefälle gibt, wie jenen von Katharina Feul-Thomas aus Kurl, den wir vor einigen Tagen in unserer Stadtteil-Berichterstattung schilderten, räumt Daniela Schneckenburger ein. „Aber, das ist nicht das Ergebnis von Verwaltungsuntätigkeit. Das Problem ist vielmehr: Wir bauen quasi ständig der Entwicklung hinterher. Die Zunahme an Kindern verläuft schneller, als der Ausbau von Kindertageseinrichtungen möglich ist.“

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Gerade in Husen-Kurl fehlen Kita-Plätze. Eine drei-gruppige Einrichtung ist in Planung und soll 2019 in Betrieb gehen. „Heute haben wir da noch eine Unterversorgung“, so Schneckenburger. Katharina Feul-Thomas, die bis dato zig Absagen erhielt, habe man jetzt für ihre dreijährige Tochter Linda einen Kita-Platz in Lanstrop anbieten können.

Online-Portal

Unzufrieden mit dem relativ verworrenen Anmeldeverfahren der Stadt, bei dem sich Eltern bei mehreren Kitas gleichzeitig bewerben, ist Peter Rennert. Der Vorsitzende des Jugendamts-Elternbeirats vermisst ein Online-Portal, das stadtweit die Platzangebote in allen Kitas sofort anzeigt. „Andere Städte arbeiten damit schon seit Langem. Die Einführung eines solchen Portals wurde in Dortmund etwas verschlafen“, so Rennert.

Mit Hochdruck, so sagt Klaus Burkholz, der Leiter des Jugendamtes, werde an der Einführung eines Online-Portals gearbeitet. „Es ist auch unser Wunsch, Transparenz zu schaffen und steuerungsfähiger zu sein. Dazu muss das System aber mit allen Trägern abgestimmt sein“, so Burkholz. Bis 2019 soll es das Portal geben. „Einzelne Härtefälle“, fügt Daniela Schneckenburger hinzu, „schließen wir aber auch damit nicht aus. Das Online-Portal hilft uns, aber Engpässe wird es immer irgendwo geben, solange es kein Überangebot gibt.“

Und für ein Überangebot, ergänzt Thomas Wawrzynek-Lukaschewitz, Bereichsleiter Förderung von Tagesbetreuung für Kinder, gebe es kein Geld: „Unser Finanzierungssystem ist nur auf 100 Prozent Bedarfsdeckung ausgerichtet. Leere Plätze sind nicht vorgesehen.“

„Trend verschlafen“

Peter Rennert, der Elternvertreter, erkennt das große Engagement an, mit dem die Mitarbeiter des Jugendamtes sich Jahr für Jahr um Betreuungslösungen für alle Eltern bemühen. „Der Wachstumstrend wurde in den vergangenen Jahren verschlafen. Ich erwarte auch für die nächsten Jahre größere Zahlen an Kindern, als die Verwaltung“, sagt Rennert.

Daniela Schneckenburger hält ihm dazu entgegen, dass es nicht abzusehen gewesen sei, „dass wir innerhalb von drei Jahren 1000 Kinder mehr im kindergartenfähigen Alter durch Zuwanderung zu versorgen hatten.“ Und neue Kitas ließen sich nicht mal eben aus dem Boden stampfen. „Von der Bedarfsfeststellung bis zur Eröffnung einer Einrichtung vergehen mindestens drei bis vier Jahre“, so Schneckenburger. Acht neue Kitas sollen in diesem Jahr und zehn weitere im ersten Halbjahr 2018 ihren Betrieb aufnehmen.

Zum Jahresende 2016 waren in Dortmund 17.288 Kinder unter drei Jahren und 16.004 Kinder zwischen drei und sechs Jahren gemeldet. Bis 2020 werden laut Planung 1803 weitere U3-Plätze und 2744 Ü3-Plätze geschaffen. Zurzeit wird der angenommene Bedarf an U3-Plätzen nicht ganz gedeckt (Versorgungsquote von gut 30 Prozent statt mindestens 35 Prozent), der Bedarf an Ü3-Plätzen wird durchschnittlich zu fast 98 Prozent gedeckt. Die Bedarfsdeckung ist aber stadtweit unterschiedlich.

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