Schlaflager eines Wohnungslosen vor einem Geschäft in der Dortmunder Innenstadt Anfang 2021. © Stephan Schütze (Archivbild)
Innenstadt

In Dortmund gibt es jetzt einen „Weckdienst“ für Wohnungslose

Es ist eine neue, ungewöhnliche Aufgabe: In der Dortmunder Innenstadt gibt es seit Kurzem einen „Weckdienst“ für wohnungslose Menschen. Es ist eine Reaktion auf eine aktuelle Entwicklung.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamts haben seit einigen Wochen eine neue, ungewöhnliche Aufgabe. Sie starten ihren Dienst einige Stunden vor ihren Kollegen und begeben sich in den frühen Morgenstunden auf eine Tour durch die Dortmunder Fußgängerzone.

Der Zweck der Frühschicht: Wohnungslose Menschen sollen freundlich gebeten werden, Eingänge von Geschäften oder Wohnhäusern zu verlassen, damit dort der Betrieb starten kann. Es geht darum das „Lagern und Campieren“ auf öffentlichen Flächen zu unterbinden, das in Dortmund verboten ist.

Beschwerden über verdreckte Eingänge zu Geschäften

Dies zu kontrollieren gehört schon seit Jahren zu den Aufgaben des Kommunalen Ordnungsdienst (KOD). Doch seit einigen Wochen gibt zusätzlich spezielle Frühdienste an einzelnen Tagen, die um 6 Uhr beginnen.

Hintergrund sind laut Jürgen Walther, Leiter der Abteilung Allgemeine Sicherheit und Ordnung beim Ordnungsamt, verstärkte Beschwerden von Geschäftsinhabern und Anwohnern über die Situation am Morgen.

Ein häufig gemeldetes Problem sei die Verschmutzung der Eingangsbereiche am Morgen, häufig auch mit Notdurft-Hinterlassenschaften. Dem soll der „Weckdienst“ entgegenwirken, der bisher von Freiwilligen aus dem Team der Kommunalen Ordnungspartner aus Polizei und Ordnungsamt „mit großem Engagement“ übernommen werde.

Stadt-Mitarbeiter sollen „mit der gebotenen Sensibilität“ vorgehen

Stadtsprecher Christian Schön skizziert den Ablauf der Kontrollen: „Werden nächtigende Menschen auf öffentlichen Flächen angetroffen, werden diese auf die bestehenden Regelungen hingewiesen und mit der gebotenen Sensibilität aufgefordert, die Örtlichkeit zu verlassen. Gleichzeitig werden sie auch über die sozialen Anlaufstellen und Hilfsangebote der Stadt und der freien Träger informiert.“

Bisher seien die Betroffenen „nahezu ausnahmslos“ der Aufforderung der Ordnungskräfte nachgekommen und hätten die Örtlichkeit verlassen. „Sie werden aber oftmals in den nächsten Tagen erneut angetroffen“, sagt Christian Schön.

In Hamburg und Berlin gibt es bereit seit 2017 solche „Weckdienste“. Ordnungsrechtlich werden sie als Erfolg bewertet. Es gibt aber auch eine kritische Begleitung der Einsätze durch Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, die darauf hinweisen, dass Vertreibung keine Probleme löse.

„Friedliche Raumnahme“ während der Lockdown-Phase

Während der Lockdown-Phasen war in Dortmund zu beobachten, dass die Zahl der Schlaflager auf dem Westen- und Ostenhellweg zugenommen hat. Weil keine Passanten unterwegs waren, wurden die sonst belebten Bereiche plötzlich zu geschützten Zonen für Menschen ohne festen Wohnsitz.

Als „friedliche Raumnahme“ bezeichnet das Bastian Pütter von der Wohnungslosen-Initiative Bodo. Dem Gedanken folgend: Hier störe ich nicht, hier bleibe ich.

Seit einigen Wochen bemerkt Pütter eine Verschiebung, viele Schlafplätze verschwinden, die Zahl der „Ansprachen“ steige.

„Anpassung daran, dass es wieder voller wird“

„Es ist aber immer etwas diffus und schwierig zu beurteilen, wo so eine Dynamik herkommt. Ich glaube, es ist eher eine Anpassung daran, dass es wieder voller wird“, sagt Bastian Pütter.

„Man muss die Leute nicht wecken. Sie wachen früh auf, die meisten sind weg, wenn die Kunden kommen“, sagt er.

Ohnehin empfehlen Bodo und andere Wohnungslosenhilfen in Dortmund Wohnungslosen, keine Schlafplätze in den jetzt wieder belebten Einkaufszonen aufzusuchen, da dort das Risiko bestehe, Opfer von Gewalt zu werden.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth