In einigen Gewässern der Stadt lebt fast nur noch der Katzenwels

Illegal eingesetzte Fische

Eigentlich lebt er in Nordamerika. Weil Privatleute den Katzenwels aber in Dortmunder Gewässern einsetzten, fühlt er sich mittlerweile auch hier heimisch und verdrängt die ursprünglich beheimateten Fische. Mit fatalen Folgen.

DORTMUND

von Von Tobias Großekemper

, 13.09.2012, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Katzenwels, hier ein Jungfisch, war ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Heute lebt er auch in Eving.

Der Katzenwels, hier ein Jungfisch, war ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Heute lebt er auch in Eving.

Laut Paragraph 18 der Landesfischereiverordnung dürfen unter anderem nichteinheimische Fische nicht ausgesetzt werden. Neben den Gefahren für ein Gewässer können durch unsachgemäßen Fischbesatz auch Krankheiten oder Parasiten in ein Gewässer eingeschleppt werden. Generell gibt es für den Fischbesatz Leitlinien beim Umweltministerium

„Ameiurus nebulosus“, so sein lateinischer Name, kam durch Aquariumsbesitzer in die Stadt. Er ist recht anspruchslos, was Wasserqualität und Umgebung angeht und daher gerade für Anfänger gut geeignet, er ist zäh. Problematisch ist nur: Der Fisch wird schnell zu groß für so ein Aquarium, dann muss er weg.So dürfte er auch in zwei Teiche in Eving und in die Gräfte des Rodenbergparks gekommen sein. Mölls hat auf seinem Rechner im Büro einen Film, den er an der Gräfte aufgenommen hat: Hunderte kleine Welse wuseln, schönen Gruß an die Broschüre des Ministeriums, durch einen Flachwasserbereich der Gräfte.

Jungfische, dort geboren und noch lange nicht ausgewachsen. Wie groß sie werden können, ist nicht ganz klar, 30, vielleicht auch 35 Zentimeter. Sicher aber ist: Bis sie ausgewachsen sind – und auch dann natürlich noch – fressen sie so ziemlich alles, was in ihren Rachen passt. Und der ist groß. Mölls, hauptberuflich bei der Emschergenossenschaft tätig, schätzt, dass in der Gräfte im Rodenbergpark in ein bis zwei Jahren kein anderer Fisch mehr wohnen wird als der Katzenwels. In den Evinger Teichen ist das ähnlich. Der Fisch hat hier keine natürlichen Fressfeinde, ihn frisst keiner, er frisst dafür alles und am Ende frisst er sich selber.

Mölls sagt, dass, wenn man eine ökologische Variante ändert, sich das ganze System verändert. Ob durch den Katzenwels, die Goldfische im Phoenixsee, das Ausbringen von nordamerikanischen Krebsen, die wiederum die europäischen Krebse verdrängen, als Fischberater der Stadt kennt er viele Beispiele. Es seien, sagt er dann, sogar schon Piranhas im Dortmunder Hafen gefangen worden. Man könnte jetzt sagen, dass es doch egal ist, was für ein Fisch in so einem städtischen Teich herumschwimmt, Fisch ist Fisch. In dem Fall aber blendet man aus, dass die Arten, die sich hier über Jahrhunderte etabliert haben, ihre jeweils ganz eigene Rolle haben und in einer Wechselwirkung zueinander stehen.

Mölls kann das gut erklären, er hat dazu eine Geschichte aus dem Yellowstone-National-Park auf Lager: Als man den zu einem Nationalpark machte, gab es schnell Probleme mit Wölfen. Die Wölfe wurden schnell abgeschossen, woraufhin sich die Weißwedelhirsche ungehindert vermehrt haben. Die knabberten alles weg, was da war und entzogen so auch dem Biber seine Nahrung. Der Biber schwamm weg, seine Staudämme verschwanden irgendwann und dadurch sank der Grundwasserspiegel um sieben Meter. Der Nationalpark drohte, zu verdörren. Jetzt gibt es dort wieder Biber. Und Wölfe. Und alles funktioniert, weil alles da ist. In den Evinger Teichen ist das anders.

Laut Paragraph 18 der Landesfischereiverordnung dürfen unter anderem nichteinheimische Fische nicht ausgesetzt werden. Neben den Gefahren für ein Gewässer können durch unsachgemäßen Fischbesatz auch Krankheiten oder Parasiten in ein Gewässer eingeschleppt werden. Generell gibt es für den Fischbesatz Leitlinien beim Umweltministerium

Lesen Sie jetzt