In Eving muss ein 79-Jähriger ein Rudel Damwild verkaufen

Wildtiere

Seit über vier Jahrzehnten hält Hans Tokarski Damhirsche in einem Gehege hinter seinem Haus. Jetzt muss er die Tiere abgeben. Dabei hatte er für sie gekämpft.

von Tobias Weskamp

Eving

, 21.08.2018, 14:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Eving muss ein 79-Jähriger ein Rudel Damwild verkaufen

Hans Tokarski möchte seine elf Tiere abgeben, weil er sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr drum kümmern kann. © Oliver Schaper

Seit 42 Jahren hält der Evinger Hans Tokarski hinter seiner Villa Damwild. Momentan sind es elf Tiere. Jetzt will er sie abgeben: „Aus gesundheitlichen Gründen klappt das bei mir nicht mehr“, erklärt der 79-jährige Hans Tokarski.

Pflegeleichte Tiere, 3500 Quadratmeter Gehege

Die Tiere sind relativ pflegeleicht, wie Hans Tokarski erklärt. Im Sommer fressen sie vor allem Gras. Ab und zu füttert Hans Tokarski sie mit Kartoffeln und Wurzeln. „Im Winter dagegen gibt es das volle Programm. Dann bekommen sie Heu, Stroh, Mais und Wurzeln“, schildert der 79-Jährige. „Wichtig ist auch frisches Wasser.“ Kosten sollen die elf Tiere 1200 Euro. Wer nur die sechs erwachsenen Tiere möchte, ist mit 700 Euro dabei. Das Gehege ist 3500 Quadratmeter groß. Ein ähnliches Gelände sollte auch der neue Besitzer zur Verfügung haben.

Teilweise waren die Tiere sogar handzahm und fraßen aus der Hand. „Sie bleiben aber wild“, so Hans Tokarski. „Wenn sie gefüttert werden, kommen sie“, ergänzt seine Frau Janina. Oft kamen Kindergärten zu Besuch, um die Spielmöglichkeiten zu nutzen und vor allem, um die Tiere zu besuchen. Eine Schaukel hat er schon weggegeben. „Wenn ein Kindergarten Interesse hat, würde ich die Rutsche auch verschenken“, sagt er.

Bis vor das Verwaltungsgericht

Auf die Idee, selber Damhirsche zu halten, kam Hans Tokarski, als er im benachbarten Wald das Damwildgehege sah. „Dann musste ich fünf Jahre lang darum kämpfen, Damwild halten zu dürfen“, erläutert er. Befürchtet worden sei unter anderem, dass ein Ast der umliegenden Bäume herunterfallen und die Tiere verletzen könnte. „Ich bin dann bis vors Verwaltungsgericht gezogen.“

In Eving muss ein 79-Jähriger ein Rudel Damwild verkaufen

Hans Tokarski hat ein 3500 Quadrameter großes Damwild-Gehege hinter seinem Haus. © Oliver Schaper

Ein paar der Tiere wurden schon einmal von einem Jäger geschossen, der dafür kam. „Ich selbst könnte das nicht“, erklärt Hans Tokarski. Dazu hängt er zu sehr an ihnen. Aus gesundheitlichen Gründen wird er sich auch aus seinem Engagement in der Lokalpolitik zurückziehen. „Ich hätte gerne weitergemacht“, sagt er. Bei kleineren Sachen will er sich aber weiter engagieren.

Tausende Arbeitsstunden

Als Hans Tokarski das Grundstück vor mehreren Jahrzehnten erwarb, übernahm er eine halbwilde Müllkippe, wie er sagt. „Die Villa war halb verkommen. Da lagen Berge von Schutt“, erinnert er sich. „Ich habe erst mal alles entsorgt. Hier stecken tausende von Arbeitsstunden drin.“ Er sei oft an dem großen Haus vorbeigefahren und habe gedacht: „Was für ein schönes Haus! Es erinnerte mich an die Südstaaten.“ Hans Tokarski ist stolz auf das, was er über die Jahrzehnte auf dem Grundstück erreicht hat: „Ich habe hier ein Paradies draus gemacht.“

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