Einkaufen ohne PIN oder Unterschrift: Das ist kontaktloses Bezahlen. Bislang bieten das in Dortmund vor allem große Händler an – doch immer mehr kleine Läden ziehen nach.

Dortmund

, 03.08.2018, 18:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Angenommen, Sie stehen beim Bäcker und kaufen Brötchen fürs Frühstück, und vielleicht noch Baguettes für die Grillparty am Abend. Der Einkauf kostet etwa fünf Euro. Sie wollen Ihr Kleingeld loswerden und kramen im Portemonnaie nach Münzen – Sekunden, die sich für andere Kunden in die Länge ziehen wie Kaugummi. Damit es schneller geht, zücken Sie schließlich doch den 20-Euro-Schein und meckern im Stillen: „Hätte ich doch mit Karte gezahlt!“

Mit Karte beim Bäcker zahlen? Das geht inzwischen auch in Dortmund in einigen Geschäften. Zumindest bei den großen Bäckereien Grobe und Citybäcker können Kunden ihre Einkäufe mit Bankkarte bezahlen, früher EC- heute Girocard genannt. Malzers Backstube testet das Verfahren aktuell in fünf Filialen. Ob der Probelauf erfolgreich war und sämtliche Geschäfte mit einem entsprechenden Terminal ausgestattet werden, steht noch nicht fest.

Höchstbetrag für kontaktloses Bezahlen beträgt 25 Euro

Wessen Girocard über die so genannte Near Field Communication verfügt, kurz NFC, muss an der Kasse nicht einmal mehr unterschreiben oder die Geheimzahl (PIN) eingeben, sondern die Karte einfach auf das Terminal auflegen. Zack – bezahlt. Der Betrag, der nicht höher sein darf als 25 Euro, wird direkt vom Girokonto abgebucht. Eine Mindestsumme verlangen die Bäckereien nicht, damit ihre Kunden per Girocard bezahlen können. Auch neuere Kreditkarten etwa von Visa und Mastercard erlauben das kontaktlose Bezahlen per NFC.

Mit Beginn des Jahres 2018 hat die Bäckerei Grobe das Verfahren in jeder ihrer 38 Filialen in Dortmund eingeführt. Die Kunden nehmen das Angebot offenbar an. Durchschnittlich 3,5 Prozent der Einkäufe werden bei Grobe mit Karte bezahlt, Ende Januar war es noch ein Prozent. „Unser Ziel sind die fünf Prozent zum Ende des Jahres“, sagt Geschäftsführer Jürgen Hinkelmann.

Immer mehr kleinere Händler bieten Bezahlen per NFC an

Nicht nur Bäckereien, auch andere Geschäfte, in denen Verbraucher eher geringe Beträge begleichen müssen und deshalb bar bezahlen, setzen vermehrt auf NFC. Darunter fallen die Eisdielen der Kuhbar in Berghofen und am Phoenix-See mit einem Mindestbetrag von 5 Euro, auch in zwei Geschäften von Blumen Risse soll das Bezahlen per NFC getestet werden.

Kartenzahlung ist hier bereits ab dem ersten Cent möglich, ebenso wie in den Filialen der Postbank. Bis Ende des Jahres würden dort sämtliche Terminals ausgetauscht, sagt Postbank-Sprecher Ralf Palm. Die neuen Geräte sollen dann einen kontaktlosen Bezahlvorgang mit Girocard ermöglichen.

Bislang konnten Verbraucher vorwiegend bei großen Händlern wie Aldi, Lidl, dm, Rossmann und Rewe kontaktlos bezahlen. Auch bei den Filialen von Galeria Kaufhof und Nordsee am Westenhellweg ist das Bezahlen per NFC möglich.

Bedingungen für kontaktloses Bezahlen haben sich verbessert

Woher der Sinneswandel bei den kleinen Händlern? Die Kosten sind gesunken – sowohl für die Kartenzahlung im Allgemeinen als auch für die Terminals im Besonderen. Die Geräte müssen die Händler bei den Kreditinstituten mieten. Darüber hinaus steigen „die Kosten für das Bargeld-Handling immer mehr, sodass wir als Händler auch ein eigenes Interesse an elektronischen Zahlungsweisen haben", sagt André Dahlhaus, zuständig für elektronische Zahlungsvorgänge bei Blumen Risse.

Die Entscheidung, ob sie bar, mit Karte oder kontaktlos zahlen wollen, liegt letztlich jedoch immer noch bei den Kunden. Darin sind sich die Händler einig. Gleichzeitig ist sich Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland, sicher: „Je mehr Kunden kontaktlos bezahlen wollen, desto mehr Händler werden es möglich machen.“

Kontaktloses Bezahlen auch per Smartphone möglich

Der Anteil der kontaktlosen Zahlungsvorgänge mit der Girocard betrug bei der Sparkasse Dortmund im Juni 2018 fast zwölf Prozent. 200.000 Kunden des Kreditinstituts verfügen bereits über eine Girocard mit NFC-Funktion, zu erkennen an dem Wellen-Symbol. Tendenz steigend. 80.000 sind es bei der Dortmunder Volksbank. Seit Februar 2018 stattet die Commerzbank die Girocard mit NFC-Technik aus.

Kunden der Sparkasse Dortmund, die in Besitz eines Android-Smartphones sind, können seit Dienstag (31. Juli) auch über die App „Mobiles Bezahlen“ ihre Rechnungen im Geschäft begleichen. Die Dortmunder Volksbank möchte diese Funktion ab 2019 einführen.

Polizei Dortmund sind keine Betrugsfälle bekannt

Bis die Girocard, die Kreditkarte oder sogar das Smartphone das Bargeld als Zahlungsmittel abgelöst haben, werde es wohl noch ein wenig dauern, ist sich Ralf Hoof sicher, bei der Dortmunder Volksbank zuständig für den Bereich E-Business. „Die Deutschen sind sicherheitsbewusst. Bargeld und Plastik werden uns als Zahlungsmittel deshalb vermutlich lange erhalten bleiben."

Unsicher sei das Bezahlen per NFC dennoch nicht, betont Markus Pinnau, Sprecher der Sparkasse Dortmund. Erstens gebe es speziell beschichtete Schutzhüllen für (aktivierte) Karten, die Funkwellen blockieren. Zudem erschwere allein der Abstand von wenigen Zentimetern zwischen Karte und Terminal unbemerktes Bezahlen deutlich. „Aus Versehen lässt sich an einem kontaktlosen Lesegerät kein Geld von der Karte abbuchen“, sagt er. Auch der Polizei Dortmund sind bislang keinerlei Betrugsfälle dieser Art bekannt.

Kunden, die einen Betrag kontaktlos begleichen, hinterlassen persönliche Daten beim Händler. Diejenigen, die die Funktion nicht nutzen wollen, können diese am Geldautomaten deaktivieren. Unendlich viele Einkäufe können Verbraucher per NFC nicht machen. Das System erkennt laut der Sparkasse Dortmund ein auffälliges Zahlungsverhalten und verlangt dann auch bei Beträgen unter 25 Euro eine PIN, um sicherzustellen, dass immer noch der richtige Kunde im Besitz der Karte ist.
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