Innenstadt-Ost: Ein Bezirk zum Wohlfühlen

Interview mit Udo Dammer

Jahreswechsel ist Anlass Bilanz zu ziehen – auch in der örtlichen Politik. Oliver Volmerich hat dazu mit den Bezirksbürgermeistern der drei Innenstadt-Bezirke gesprochen. Heute: Der SPD-Politiker Udo Dammer, Bezirksbürgermeister in der Innenstadt-Ost.

INNENSTADT-OST

, 29.12.2016 / Lesedauer: 5 min
Innenstadt-Ost: Ein Bezirk zum Wohlfühlen

Von der Klönnestraße (unten Mitte) bis zum Westfalenpark (oben links) reicht der Stadtbezirk Innenstadt-Ost. Rechts im Bild gut zu erkennen ist das Neubaugebiet am alten Güterbahnhof-Ost, darüber Gerichts- und Kaiserstraßen-Viertel und die Brachfläche des alten Südbahnhofs.

Eigentlich können Sie hochzufrieden sein: Der Stadtbezirk Innenstadt-Ost wächst, das Kaiserstraßen-Viertel gilt als neues „In“-Quartier und es gibt noch jede Menge Bauprojekte. Wo sehen Sie denn die Probleme im Stadtbezirk?

Am ehesten im Verkehrsbereich. Wir haben nach wie vor große Probleme mit dem Verkehr auf der B 1 und auf den Schleichwegen im Umfeld, die sich anscheinend in den letzten Wochen noch potenziert haben. Und diese Probleme führen auch dazu, dass wir in diesem Bereich hohe Schadstoffbelastungen haben, Stickstoffdioxid ist da das Stichwort. Die höchsten Werte werden da auf der Ruhrallee, also auch in unserem Stadtbezirk, gemessen. Da gibt es Spitzenwerte von 63 Nanogramm bei einem EU-Grenzwert von 40. Es gibt mittlerweile drei Klagen aus NRW, in denen es darum geht, ob eine Kommune unter Umständen die Möglichkeit und das Recht hat, Straßen für bestimmte Fahrzeuge zu sperren. Ein weiteres Problem ist die fehlende Barrierefreiheit unserer U-Bahn-Linien U43 und U47.

Das leidige Parkplatz-Dilemma sorgt für Probleme, besonders im Kaiserstraßen-Viertel. Im Gerichtsviertel gilt nun wie im Bereich Saarlandstraße/Chemnitzer Straße die Parklizenzierung. Wann und wie geht es weiter?

Wir hatten das Konzept für die Parklizenzierung schon relativ weit voran gebracht für den Bereich Hainallee und das Viertel Markgrafenstraße. Beides ist von der Verwaltung erst einmal nicht weiter bearbeitet worden. Aber die Lage hat sich im Grunde nicht verändert. Wie Sie berichtet haben, will ja bald auch die Continentale ihren Hauptsitz an der Ruhrallee vergrößern und dort mehr Personal konzentrieren. Auch in diesem Zusammenhang muss man sich dann Gedanken machen. Für mich bleibt eigentlich nur die einzige Wahl, dass wir mit der Parklizenzierung fortfahren. Es müsste das schon vorhandene Verkehrsgutachten aktualisiert werden und das Verfahren fortgesetzt werden. Dortmund tut sich erstaunlich schwer mit der Parklizenzierung. Wenn ich selbst in kleinere Städte schaue, da gibt es im Umfeld des Stadtzentrums überall Anwohner-Parkzonen. Ich habe in letzter Zeit auch vermehrt Anrufe aus dem Kaiserstraßen-Viertel bekommen. Da merkt man jetzt auch, dass die früher als Parkplatz genutzte Fläche am alten Güterbahnhof-Ost bebaut ist. Auch da müssen wir uns Gedanken machen.

Ein wichtiges Verkehrsprojekt ist der Gartenstadt-Radweg. Bei Bürgerveranstaltungen hat man viele Ideen dafür gesammelt. Haben Sie den Eindruck, dass das Projekt bei den Leuten ankommt?

Die Nachfrage ist groß. Immer wieder fragen Leute, wann geht es endlich los. Mein letzter Sachstand ist, dass bis Jahresende der Kaufvertrag für den Kauf des Areals geschlossen werden soll. Was ja bislang fehlt für den Radverkehr, ist eine leistungsfähige Nord-Süd-Achse. Das wäre gerade dieser Gartenstadt-Radweg.

Wie sehen Sie die Chance auf die Verwirklichung des Radschnellwegs Ruhr, der ebenfalls quer durch den Stadtbezirk führt?

Der RS1 führt ungefähr parallel zur S-Bahn-Linie 4. Auch das würde dazu beitragen, möglichst viele Leute aufs Fahrrad zu kriegen und die Straßen vom Autoverkehr zu entlasten.

Blicken wir mal auf die Baugebiete, von denen es für ein Innenstadt-Viertel sehr viele gibt. Die Entwicklung des Güterbahnhofs Ost ist weitgehend abgeschlossen. Zu Ihrer Zufriedenheit?

Da war es bemerkenswert, wie schnell die Grundstücke verkauft wurden. Da hat sich jetzt ein bunter Mix angesiedelt. An der Bremer Straße entstehen ja jetzt noch 170 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Wenn ich mir überlege, wie es da früher aussah, mit einer halb verfallenen Diskothek, ist das jetzt ein ganz anderer Anblick. Ich bin deshalb sehr zufrieden, wie es da gelaufen ist.

Zu tun gibt es noch am Rande entlang der Hamburger Straße. Wie geht es da weiter?

Das stimmt. Das betrifft besonders das Eckgrundstück Hamburger Straße/Klönne Straße und weiter rüber die Flächen in Richtung Lippestraße. Da gibt es verschiedene Eigentümer und zum Teil auch laufende Geschäfte. Das wird sich sicherlich noch etwas hinziehen. Aber man hat ja schon an der Bremer Straße gesehen: Ein neues Baugebiet färbt ab, weil dann die Anrainer animiert werden, ihre Immobilien auf Zack zu bringen.

Was erwarten Sie von der Entwicklung des Güterbahnhofs Süd?

Da läuft das Bebauungsplan-Verfahren. Es stehen noch verschiedene Gutachten aus. Es sollen ja so 300 bis 350 Wohneinheiten entstehen, Eigenheime, Reihenhäuser aber auch Geschosswohnungen mit Mietwohnungen. Die Lage ist ähnlich nah zur City wie der Ostbahnhof. Es müssen nur noch ein paar Probleme gelöst werden wie etwa der Lärmschutz zur S4 und zum Großmarkt. Da gibt es aber Ideen vom Investor, wie man das machen kann. Gedanken machen muss man sich auch über die Zu-und Abfahrten. Bislang ist nur eine Zufahrt vom Heiligen Weg gesichert. Das ist für mich ein bisschen wenig. Ich hoffe, dass wir insgesamt im nächsten Jahr in dem Verfahren deutliche Schritte nach vorn kommen. Auch in dem Bereich gibt es große Nachfrage. Ich werde immer wieder angesprochen, wann es denn da los geht.

Und was ist mit dem Areal der Stadtwerke an der Deggingstraße, das zum Wohngebiet werden soll?

Hier wird es wohl etwas eher mit den Bauarbeiten losgehen. Auch da sollen so etwa 250 Wohneinheiten entstehen. Bei einer ersten Bürgeranhörung in diesem Jahr hat man gemerkt, dass auch da das Interesse und die Nachfrage groß ist. Es gibt viele Menschen, die in unseren Stadtbezirk ziehen wollen. Und die, die da sind, die ziehen eigentlich selten weg.

Auf dem Kronen-Areal ist auch ein neues Wohngebiet entstanden, das so langsam vollläuft. Der Kronenturm selbst ist noch wenig ansehnlich. Haben Sie die Hoffnung, dass sich das bald ändert?

Das ist eine Frage des Eigentümers. Es gab ja schon alle möglichen Ideen, zuletzt etwa mit Loftwohnungen in dem Turm. Ich hoffe, dass da in absehbarer Zeit etwas passiert.

Wie sieht es mit der Familientauglichkeit des Stadtbezirks aus?

Ich glaube, auch Familien fühlen sich wohl bei uns. Mit dem Baugebiet am alten Ostbahnhof ist dort auch ein neuer Spielplatz entstanden. Das ist auch für den Güterbahnhof Süd vorgesehen. Bei der Kita-Versorgung erreichen wir die Quote von 35 Prozent im U3-Bereich - aber sicherlich nur durch die Einbeziehung von Tagesmüttern. Da sind als weitere Kita-Bauten nötig.

Und wie fällt Ihre Jahresbilanz für 2016 aus?

Es war durchaus ein bewegtes Jahr. Wir hatten viele Bürgerinformationen etwa zu den Baugebieten oder zum RS1. Es war alles andere als langweilig. Aber ich glaube, es war für die Innenstadt-Ost insgesamt ein gutes Jahr.

Udo Dammer ist seit 2004 Bezirksbürgermeister in der Innenstadt-Ost, getragen von einer rot-grünen Mehrheit in der Bezirksvertretung. Der SPD-Politiker arbeitet beim Finanzamt Dortmund/Unna.

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