Innenstadt Ost: Verkehrskollaps droht – Verwaltung muss jetzt Lösungen anbieten

rnZukunftscheck 2020

Immer mehr Menschen ziehen in den flächenmäßig kleinsten Stadtbezirk. Die Probleme in allen Bereichen des Verkehrs wachsen. Lösungen sind gefragt. Die Verwaltung muss liefern.

Mitte, Körne

, 25.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeden Tag stauen sich die Autos vor dem Ostentor, teilweise bis zur Klönnestraße. Nicht anders auf dem Westfalendamm, Semerteich- und Märkische Straße, im Kronprinzen- und Kaiserstraßenviertel: Für Udo Dammer (SPD) sind die Blechlawinen ein Sinnbild für ein nicht mehr zeitgemäßes Verkehrsverhalten – oder auch für ein fehlendes Verkehrskonzept.

Darin sieht der Bezirksbürgermeister für die Innenstadt Ost und Körne ‚die’ Zukunftsaufgabe. Er unterscheidet zwar zwischen mittel- und langfristigen Konzepten. Lösungen müssen jedoch schon 2020 her.

Stadtbezirk hat große Bevökerungsdichte

Dass die Herausforderungen an den Verkehr noch zunehmen werden, zeigt sich an den Wohngebieten, die aktuell und in den kommenden Jahren entstehen. Rund 1700 Wohneinheiten wachsen in Neubaugebieten aus dem Boden: etwa auf dem Gelände des ehemaligen Geländes des Südbahnhofs, im Kaiserquartier, auf dem Gelände der Stadtwerke oder an der Sckellstraße.

Im Stadtbezirk Innenstadt Ost entstehen gleich eine Reihe neuer Wohnquartiere. Ein großes Baugebiet ist das Gelände des ehemaligen Südbahnhofs.

Im Stadtbezirk Innenstadt Ost entstehen gleich eine Reihe neuer Wohnquartiere. Ein großes Baugebiet ist das Gelände des ehemaligen Südbahnhofs. © Oliver Schaper

„Wir sind von der Einwohnerzahl mittlerweile der zweitgrößte Stadtbezirk“, sagt er, „und von der Fläche der kleinste.“ Der Parkdruck sei in allen Quartieren schon jetzt hoch. Nahezu überall im Stadtbezirk fehlt es an Parkplätzen. Und der Parksuchverkehr verursacht zusätzliche Staus.

Jetzt lesen

Udo Dammer fordert ein Gesamtverkehrskonzept und umgehend einzelne Maßnahmen. „Wenn wir gar nichts machen, säuft uns der Verkehr ab“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. „Aber immer auf Gesamtlösungen zu warten, ist nur theoretisch prima.“

Forderungen sind zum Teil unpopulär

Wenn Dammer Ziele nennt, schließen sie konkrete Forderungen ein: mehr und bessere Radwege, die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, Anwohnerparkkonzepte, höhere Parkgebühren, eine konsequente Verkehrsüberwachung. Das ist zum Teil nicht populär. Aber: Es drohe eben der Verkehrskollaps.

Bezirksbürgermeister Udo Dammer fordert umfassende Lösungen für den Verkehr.

Bezirksbürgermeister Udo Dammer fordert umfassende Lösungen für den Verkehr. © Uwe von Schirp

Bei den Radwegen im Stadtbezirk hat er den Radweg auf der Bahntrasse durch die Gartenstadt im Blick, den „Hoesch-Hafenbahn-Radweg“ zwischen dem Phoenix-See und der Paderborner Straße. „Das muss langsam mal was werden“ fordert er mit Blick auf das kommende Jahr.

Jetzt lesen

In Ost-West-Richtung müsse die Straße Lange Reihe zur Fahrradstraße werden. Sie verbindet die nördliche Gartenstadt und Körne mit der City. Rad- und Autofahrer sollen hier künftig gleichberechtigt den Straßenraum nutzen. „Nur so bekommen wir die Leute auf‘s Fahrrad“, sagt Udo Dammer – den genannten Stau vor dem Ostentor vor Augen. „Autofahrer müssen sich gedanklich hintenan stellen.“

Konzept für den Hellweg

Der Hellweg ist die pulsierende Hauptverkehrsader seines Stadtbezirks. Ja, es brauche ein Verkehrskonzept, um die Leute auch vom Auto auf der vielbefahrenen Straße auf andere Verkehrsmittel umzulenken. Aber nicht in großen Dimensionen zwischen Ostentor und Wickede.

Die Stadtbahnlinie U43 verbindet die City mit Körne und den östlichen Stadtteilen. Herausforderungen gibt es an einer ganzen Reihe von Haltestellen.

Die Stadtbahnlinie U43 verbindet die City mit Körne und den östlichen Stadtteilen. Herausforderungen gibt es an einer ganzen Reihe von Haltestellen. © (A) Dieter Menne

„Seit drei Jahren warten wir auf eine Vorlage für den Bereich Körner Hellweg/Kaiserstraße.“ Das ist „nur“ ein Abschnitt. Das Problem: Die Haltestellen Von-der-Tann-Straße, Berliner Straße und Juchostraße liegen mitten im Straßenraum. „Das Konzept wird immer wieder geschoben, wird aber so langsam drängend.“

Mehr Überwachung des ruhenden Verkehrs nötig

Die hohe Bevölkerungsdichte mit ihrem Parkplatzbedarf geht einher mit der Innenstadtnähe. Wenn die Anwohner zur Arbeit fahren, kommen die Pendler und nutzen den kostenfreien Parkraum: die City in fußläufiger Nähe. Gerade im Viertel rund um die Hainallee bedürfe es eines Anwohnerparkkonzeptes. Der letzte Stand sei vom Herbst, erklärt Dammer, der Spielball liege bei der Verwaltung.

Parkdruck entsteht zusätzlich bei Spielen des BVB. Aber nicht nur an den Spieltagen, sonder quasi jeden Tag müsse eine stärkere Überwachung des ruhenden Verkehrs her, fordert der Politiker. Generell müsse das Pendeln mit dem Auto unattraktiver werden – auch durch deutlich höhere Parkgebühren.

Lesen Sie jetzt