Insider-Wissen und Rote M&M’s: Wie der Juicy-Beats-Booker Bands nach Dortmund holt

rnInterview

Bald startet das Juicy Beats Festival im Westfalenpark – unter anderem mit Annenmaykantereit. Im Interview verrät Booker Carsten Helmich auch, wer in diesem Jahr die Geheimtipps sind.

Dortmund

, 20.06.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 26. und 27. Juli werden wieder zehntausende Besucher des Juicy Beats Festivals im Westfalenpark feiern. Mit dabei sind Annenmaykantereit, SDP, Dendemann, Leoniden und Trettmann – zusammen mit vielen kleineren Künstlern.

Das Juicy Beats fällt mitten in die Festival-Saison. Praktisch im Wochentakt spielen Bands dann auf den großen Open-Air-Bühnen in ganz Deutschland. Aber wie holt man eigentlich die Stars nach Dortmund? Carsten Helmich ist Veranstalter des Juicy Beats und als einer von zwei Bookern des Festivals genau dafür verantwortlich.

Herr Helmich, wie läuft die Planung für das Juicy Beats so ab?

Helmich: Sie fängt jedenfalls früh an. Wir haben uns jetzt schon wieder Gedanken gemacht, was wir im nächsten Jahr zu unserem 25sten machen wollen. Dann gehen wir frühzeitig zu Agenturen und sprechen mit denen über unsere Ideen und darüber, was die für uns interessanten Bands im nächsten Jahr so machen.

Wie finden Sie denn die Bands, die für das Juicy Beats interessant sind?

Da spielen die Showcase-Festivals eine große Rolle. Das wichtigste in Deutschland ist das Reeperbahn Festival. Da kommen Booker von verschiedenen Festivals zusammen und gucken sich Bands an – nicht die bekannten, sondern Newcomer. Und im Laufe eines Festivals kristallisieren sich dann immer Bands heraus. 2015 hatten zum Beispiel Annenmaykantereit einen hammer Auftritt im Übel und Gefährlich, und da war ganz klar, dass die abgehen werden. Das Juicy Beats ist ein Festival, bei dem die vielen kleinen Acts wichtig sind. Deshalb sind Showcase-Festivals so wichtig für uns.

Insider-Wissen und Rote M&M’s: Wie der Juicy-Beats-Booker Bands nach Dortmund holt

So sieht es wenige Wochen vor dem Festival im Büro von Carsten Helmich und seinen Kollegen aus: nach Arbeit. © Bastian Pietsch

Und wenn Sie sie dann mal gefunden haben: Wie überzeugt man Annenmaykantereit davon nach Dortmund zu kommen?

Da geht es in erster Linie ganz einfach um Geld. Wir verhandeln natürlich mit den Agenturen, und dann gibt es bestimmte Gagen, die wir zahlen können, und Gagen, die für uns außer Reichweite sind. Das hängt einfach mit unseren Ticketpreisen zusammen, die können wir nicht von einem Jahr aufs andere um 50 Prozent erhöhen. Bei Annenmaykantereit kommt hinzu, dass die das Juicy Beats schon 2016 super fanden – und wir die. Das ist einer der weichen Faktoren.

Welche gibt’s denn noch?

Catering ist total wichtig. Es muss immer ein gutes Catering geben. Da wünschen sich die Künstler auch immer was. Cro wollte zum Beispiel mal ein Bild mit einem Panda oder einem Faultier haben, genau weiß ich das nicht mehr. Eine Band, die aber nie bei uns war, wollte immer eine Schale voll M&M’s – aber nur rote! Ein bisschen hat das auch damit zu tun, dass Tour Manager anhand des Caterings prüfen können, wie genau wir die Anweisungen der Bands umsetzen. Und wenn‘s im Catering gut läuft, funktionieren wahrscheinlich auch die Abläufe auf der Bühne.

Juicy Beats 2019

Das Juicy Beats Festival findet am 26. und 27. Juli im Westfalenpark statt. Freitag öffnet das Festival von 14 bis 1 Uhr und am Samstag von 12 Uhr bis 4 Uhr. Rund 100 DJs und 50 Liveacts spielen auf vielen Bühnen vor bis zu 32.000 erwarteten Besuchern. Karten gibt es ab 82,40 Euro (beide Tage) oder 47,40 Euro (ein Tag) auf shop.juicybeats.net.

Wir erfüllen aber nicht jeden Wunsch. Es gab mal eine Band – ich verrate jetzt nicht, welche – die wollte nur Bio-Produkte haben. Und zwar alles: Bio-Fisch, Bio-Steak, Bio-Schweinemedaillons. Da wären wir auf Catering-Kosten von zweieinhalbtausend Euro gekommen. Für eine Band. Und davon kann die Band ja ohnehin nur ein Essen essen, der Rest wäre weggeschmisen worden. Das ist ja völlig bescheuert. Die Band ist dann aber zurückgerudert. Die haben dann ein Essen bekommen, das natürlich gern in Bio-Qualität.

Bekommen Sie denn alle Ihre Wünsche fürs Juicy Beats?

Nein, auch nicht immer. Wenn ein Künstler so viel auf die Bühne stellen will, dass klar ist, dass es für die Bands davor und danach eng wird, kann ein Booking schon mal daran scheitern. Die Künstler bringen ja inzwischen alle super viel Zeug mit. Die Bands, die in diesem Jahr auf der Hauptbühne spielen, kommen meistens mit einem 40-Tonner. Bestimmte Bands wollen wir auch gar nicht. So jemanden wie Clueso zum Beispiel. Das ist zu brav. Juicy Beats ist nicht Pop.

Juicy Beats ist nicht Pop. Aber ausschließlich Elektro ja auch nicht mehr. Was für ein Festival ist das Juicy Beats denn?

Unser Publikum, dass ist die ursprüngliche Elektronik-Fraktion, die Hip-Hop-Fraktion und die Alternativ-Fraktion. Am liebsten ist uns, wenn verschiedene Musikrichtungen zusammenkommen und dabei irgendetwas Neues entsteht. Außerdem hat das Juicy Beats immer auch eine politische Dimension. Und Juicy Beats ist ein Festival, bei dem die vielen kleinen Acts wichtig sind. Wir wollen immer wieder zeigen, dass wir wissen, wo der heiße Scheiß ist.

Insider-Wissen und Rote M&M’s: Wie der Juicy-Beats-Booker Bands nach Dortmund holt

In den Bühnen-Ridern halten die Bands ihre Anforderungen an Technik und Bühnenbild fest. Was Matze damit zu tun hat, ist unklar. © Bastian Pietsch

Wer ist denn in diesem Jahr der heiße Scheiß?

Dieses Jahr sicher Finch Asozial, der schießt komplett durch die Decke. Und Kelvyn Colt ganz sicher auch, das ist jemand, der Hip-Hop gerade in eine andere Richtung treibt. Und von den kleinen Akts Erotic Toy Records. Da sind wir hundertprozentig sicher, dass die noch groß werden. Die spielen dieses Jahr da, wo Trettmann vor drei Jahren noch gespielt hat.

Das Juicy-Beats-Festival gibt‘s jetzt zum 24sten Mal. Was ist in diesem Jahr noch besonders?

Die Dekoration wird in diesem Jahr noch mal eine größere Rolle spielen. Wir hatten ja im vergangenen Jahr schon Tabula Rasa da. Die kommen aus Dortmund und hatten sicher die schönste Bühne. Die werden sich in diesem Jahr noch mal steigern. Aber das ist nur ein Beispiel. Insgesamt wird im ganzen Westfalenpark viel zu sehen und zu hören sein.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt