Interview: "Wir sind froh, dass jetzt alles vorbei ist"

Angehöriger des getöteten Steven

Mit dem Verlust eines Kindes empfinden Eltern unbeschreibliche Schmerzen. Ende Juli 2016 starb der damals 28-jährige Steven an den Folgen brutaler Gewalt, für die ein 42-Jähriger zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Doch wie haben die Angehörigen den Gerichtsprozess am Montag erlebt? Ein Gespräch mit dem Lebensgefährten von Stevens Mutter.

DORTMUND

, 28.03.2017, 09:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Interview: "Wir sind froh, dass jetzt alles vorbei ist"

Steven (28) im Garten seiner Mutter.

Steffi Gerlach (51) ist die Mutter des in seiner Wohnung getöteten Steven. Mit ihrem Lebensgefährten Heiko Kempner sprachen wir am Tag der Urteilsverkündung (28.3.2017) über den Prozess und das Urteil.

Herr Kempner, wie intensiv haben Sie den Prozess am Dortmunder Landgericht verfolgt?

Wir waren an allen sechs Prozesstagen dabei. Als das Urteil gesprochen wurde, waren auch viele Freunde und Bekannte da.

Acht Jahre Haft für den Täter. Entspricht das ihren Erwartungen?

Mit acht Jahren Haft lag der Richter sechs Monate über dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Wir sind mit diesem Urteil sehr zufrieden. 

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Wie haben Sie die sechs Prozesstage erlebt?

Wir sind vor allem beeindruckt von dem Richter, der ja bald in den Ruhestand gehen soll. Er ist ein sehr akribisch arbeitender Mann, der ein sehr faires Verfahren geführt hat. Auch menschlich fühlen wir uns sehr gut behandelt. Nach dem Urteil hat er meine Lebensgefährtin zu sich gerufen und mit ihr noch ein persönliches Gespräch geführt.

Ein Gerichtsverfahren kann für Angehörige eines Verstorbenen sehr belastend sein. Wie sind Sie damit umgegangen?

Vor dem ersten Prozesstag war da eine sehr große Anspannung, weil wir den Täter nur von Fotos aus der Kriminalakte kannten. Im Gerichtssaal haben wir ihn dann zum ersten Mal gesehen. Das war ein besonderer Moment. An den folgenden Prozesstagen wirkte er irgendwie lustlos. Auch der Tag vor der Urteilsverkündung war noch einmal besonders. Wir sind froh, dass jetzt alles vorbei ist. Denn das alles war sehr kräftezehrend.

Hat der Angeklagte entschuldigende Worte gefunden?

Nein, zu uns hat er nichts Entschuldigendes gesagt. Aber alles, was er gesagt hat, ist ihm mit dem Urteil um die Ohren geflogen.

Sie haben das Gerichtsgebäude verlassen. Wo fahren Sie nun hin?

Wir sind auf dem Weg zu Stevens Grab.

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