Zwei Schülerinnen der Klasse 5c an der Gesamtschule in Münster, malen mit ihrer Schutzmaske ein Schwein, Kleeblatt, Hufeisen und einen Luftballon an die Tafel. © picture alliance/dpa
Meinung

Inzidenz auf Rekordhöhe: Schützt die Kinder vor der Durchseuchung!

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Corona-Infektionen steigt und steigt. Besonders betroffen sind Kinder zwischen 5 und 14 Jahren. Das kann man nicht tatenlos hinnehmen, findet unser Autor.

Die Zahl schreckt auf: Die Sieben-Tage-Inzidenz bei 5- bis 14-Jährigen – also im klassischen Schulkind-Alter – lag in dieser Woche in Dortmund erstmals über 500. Und damit weit über dem in unserer Stadt ohnehin hohen Inzidenz-Durchschnitt.

Zur Erinnerung: Im Frühjahr gab es bei einer Inzidenz über 100 Wechselunterricht, ab 165 sogar nur Distanzunterricht. Jetzt sind die Klassen voll – bei höheren Zahlen.

Kinder sind einer Ansteckung mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert

Was sich seitdem geändert hat? Deutlich mehr Menschen sind geimpft. Deshalb gilt jetzt die 3-G-Regel. „Genesen – Getestet – Geimpft“ ist das Maß aller Dinge. Getestet wird in den Schulen.

Doch das schützt nicht gegen eine Ansteckung. Der entscheidende Faktor – das Impfen – ist für Kinder unter 12 Jahren aber noch nicht möglich. Sie sind dem Virus also, wenn man von Abstandsregeln und Maske absieht, mehr oder minder schutzlos ausgeliefert.

Die Folgen sind jetzt ablesbar – mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 500. Ehrlich gesagt: Dass schwere Krankheitsausbrüche in dieser Altersgruppe selten sind, ist für mich als Vater von zwei Schulkindern nur ein schwacher Trost.

Bis zu 180.000 Kinder wegen Corona im Krankenhaus behandelt

Denn sie sind auch nicht ausgeschlossen. Und niemand kann sicher sagen, ob es Langzeitfolgen einer auch milden Covid-Erkrankung gibt.

Nach aktuellen Studien müssen zwischen 0,3 bis 1,7 Prozent der mit Corona infizierten Kinder im Krankenhaus behandelt werden. „Bezogen auf Deutschland bei knapp elf Millionen Schülern hieße das, dass zwischen 30.000 und 180.000 in Krankenhäusern behandelt werden müssten, von eventuellen Long-Covid-Folgen mal völlig abgesehen“, stellt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, fest.

„Auch wenn Kinder seltener schwer erkranken, dürfen wir eine Durchseuchung der Schulen nicht zulassen“, sagte er in einem Zeitungsinterview.

Er hat recht. Mich wundert und ärgert die Gelassenheit und der Gleichmut, mit dem von den Verantwortlichen in Bund, Land und Stadt die dramatische Entwicklung der Corona-Infektionen bei Kindern hingenommen wird.

Wo bleiben die kreativen Ideen?

Klar: Schulschließungen sollten kein Thema mehr sein. Luftfilter sind kein Allheilmittel – aber vielleicht doch eine gute Ergänzung zum Stoßlüften zumal bei sinkenden Temperaturen? Wo bleiben die kreativen Ideen, die auf die sich zuspitzende Lage eine Antwort bieten?

Als Eltern schwankt man angesichts des offiziellen Nichtstuns zwischen Sorgen, Wut und Ohnmacht – und der Hoffnung, dass es mein Kind schon nicht erwischen wird.

Also, liebe Verantwortlichen in Stadt, Land und Bund: Macht Euch Gedanken, wie man die Kinder, die noch nicht geimpft werden können, besser schützen kann. Sie dürfen keine Versuchskaninchen für eine Durchseuchungsstrategie werden. Darauf läuft das aktuelle Nichtstun aber hinaus.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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