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Hitler-Double bei Nazi-Demo in Hörde – Rentnerin: „Darüber muss ich drei Nächte schlafen“

rnDemonstrationen in Hörde

Neonazis wollten mit 400 Sympathisanten durch Hörde marschieren. Es kamen nur 184. 1350 Gegendemonstranten protestierten von allen Seiten. Zwei Berufsgruppen waren besonders stark vertreten.

Dortmund

, 26.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Über Monate warben Neonazis für einen Aufmarsch gegen Europa durch Hörde. Bis zu 400 Kameraden sollten kommen. Es waren nur 184. Zwei Gerichtsbeschlüsse gegen antisemitische Wahlplakate, scharfe Auflagen der Polizei und von der Stadt Dortmund aufgebauter Druck schreckten Neonazis offenbar davor ab, nach Dortmund zu reisen. Auf deutlich größeres Interesse stieß der Aufmarsch naturgemäß bei zwei Berufsgruppen: Polizisten – und Journalisten. Rechtsextremisten waren bei auswärtigen Medien gefragte Interviewpartner. Für die führenden Köpfe der Nazi-Szene ein Genuss.

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Nazis in Zelten nach Waffen durchsucht

Eingedampft auf laut Polizei nur 184 Teilnehmer startete der Aufmarsch deutlich später als geplant. Rechtsextremisten wurden in Zelte geführt und nach Waffen und verbotenen Symbolen durchsucht.

Zum Nachlesen: Unser Liveticker mit vielen Fotos und Videos zeigt die Eindrücke vom Demo-Samstag in Hörde im Minutentakt:

Die Polizei wollte mit allen Mitteln verhindern, dass der Aufmarsch eine bedrohlich wirkende aggressiv-kämpferische Inszenierung wird. Die Beschlüsse des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen und des Oberverwaltungsgerichts Münster sorgten dabei für viel Auftrieb. Sie hatten auf Judenhass setzende Plakate der Partei „Die Rechte“ verboten.

Zu Beginn rollten Rechtsextremisten eine große Europafahne auf dem Boden aus. 184 Neonazis liefen darüber hinweg. Europa mit Füßen treten, die auf Frieden und Freiheit aufgebaute Staatengemeinschaft demütigen – das war die Botschaft. Fotos und Videos machten Sekunden später im Internet die Runde.

Lautstarker Gegenprotest

Abseits von Auflagen und Verboten kam der Protest auf der Aufmarschroute aus allen Himmelsrichtungen. Anwohner hingen Plakate in die Fenster oder stellten sich demonstrativ an den Straßenrand. An der Ecke Reiner-Daelen-Straße / Wellinghofer Straße sorgten laut Polizei 700 Demonstranten des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus für ohrenbetäubenden Lärm, als die Nazis die Kreuzung passierten.

650 junge Demonstranten waren dem „Blockado“-Aufruf gefolgt. Deren Ziel: Die Route der Nazis in Hörde zu blockieren. 20 von ihnen setzten sich gegen 15 Uhr auf die Reiner-Daelen-Straße. Die Polizei löst die Blockade auf. Mehrfach versuchten die Blockado-Demonstranten, „Sperrstellen zu testen“, wie es Polizeisprecher Oliver Peiler formulierte. Einmal setzte die Polizei Pfefferspray ein. Ein Demonstrant wurde verletzt. Die Polizei sprach am Samstagabend von einem „überwiegend friedlichen“ Demo-Geschehen.

„Extremismus bei uns nicht erwünscht“

Der Leitende Polizeidirektor Udo Tönjann: „Zudem haben wir einen starken bürgerlichen Gegenprotest erlebt. Diese Menschen haben gezeigt, dass rechtsextremistisches Gedankengut bei uns nicht erwünscht ist.“

Irritiert bliebt Frau Dorsch aus der Wellinghofer Straße zurück. Aus zwei Gründen. Erstens: Der ganze Aufwand rund um den Nazi-Aufmarsch ist ihr zu groß. Die vielen Gegendemonstranten, Polizisten und Journalisten, das müsse nicht sein. Man sollte die Nazis besser ignorieren. Ohne diese Aufmerksamkeit würden sie schnell die Lust an ihren Aktionen verlieren.

Zweitens: Unter den Nazis war erneut ein Niederländer, der mit Adolf-Hitler-Frisur, schmal gehaltenem Oberlippenbart und langem schwarzem Ledermantel über die Straße marschierte. Er mimte den Führer. Die Rentnerin: „Ich bin fassungslos, dass der hier so rumlaufen darf. Ich war immer der Meinung, dass nationalsozialistische Zeichen und Äußerungen offiziell nicht gestattet sind. So eine Demonstration habe ich noch nicht gesehen. Da muss ich erst mal drei Nächte drüber schlafen.“

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