Mit der DASA ist es in etwa wie mit dem Weltall und der Tiefsee: Sie ist größer, als man denkt. Viel größer. Aber macht die Ausstellung von Arbeitswelten auch Spaß mit der ganzen Familie?

Dortmund

, 29.06.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 10 min

DASA Arbeitswelt Ausstellung – das klingt erst mal ziemlich trocken. Wir waren mit drei Kindern (4, 6 und 11 Jahre alt) und drei Erwachsenen dort und haben das Museum aus beiden Sichten getestet. Unser Test fand an einem Samstag von 11.15 bis 16.15 Uhr statt. Abzüglich von etwa 45 Minuten Mittagspause haben wir mehr als vier Stunden in der Ausstellung verbracht.

Aber das hat gerade mal gereicht, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie viel hier insgesamt angeboten wird – für Kinder und Erwachsene.

Ist die DASA Arbeitswelt Ausstellung auch etwas für Kinder?

So sind wir durch die Dasa gelaufen: Rechts unten ist der Eingang. Diesen Lageplan erhält man übrigens an der Kasse. © Tilman Abegg

Achtung, Spoiler – und hier das Wichtigste zuerst – die fünf beliebtesten Dinge unserer Kinder waren, in aufsteigender Reihenfolge:

5. Der virtuelle Drohnenflug

4. Die Schreikabine

3. Das „Stimmenwunder“

2. Die Entspannungsliege

1. Der Spielplatz, oder besser: die Spielbaustelle.

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Der Multimediaguide bietet in jedem Raum weitere Infos. © Tilman Abegg

An der Kasse lassen wir uns einen Lageplan geben und leihen uns einen „Multimedia-Guide“ aus. Das ist ein Tablet mit einem Programm, das einen programmierte Routen entlangführen kann.
Oder es dient als Ausstellungsdatenbank: Ähnlich wie bei der Streetview-Funktion von Google erkennt es, wo man sich befindet und stellt die entsprechende Umgebung in 3D dar.
Mit Wischbewegungen kann man sich, parallel zum tatsächlichen Rumlaufen, auch virtuell durch die Räume bewegen und sich zusätzliche Infos vorlesen lassen.

Station 1: Abteilung „Am Bildschirm“

In der Dasa gibt es Dinge, die man immer wieder gern sieht. Zum Beispiel die dunkelgraue Wand, die von fließendem Wasser bedeckt ist. Und der große, weiße Block mit der Aussparung eines am Schreibtisch sitzenden Menschen, in die man sich hineinzwängen kann.

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Hier kann man probeweise eine Schreibtischarbeitshaltung einnehmen - und keine andere. © Stephan Schütze

Neu ist für mich die große, weiße Entspannungsliege: eine ovale Kapsel mit Aussparungen an den Seiten und einer schwarzen Liegefläche in der Mitte. Legt man sich hinein, schaltet sich ein angenehmes, orangefarbenes Licht an und eine beruhigende Stimme raunt, man solle in aller Ruhe auf seinen Atem achten – hach. Gähn. Schnarch.

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Kindergartenkinder finden die Entspannungsliege lustig, alle Älteren hätten das Teil am liebsten zuhause. © Tilman Abegg

Da liegen wir alle Probe: wir Erwachsenen seufzend, die beiden Kleinen kichernd und der Elfjährige macht, entrückt lächelnd, direkt die Augen zu und steht so schnell nicht wieder auf.

Daneben steht ein großer Schreibtisch mit drei Bildschirmen. Die zeigen etwas, das wie eine Explosionszeichnung von Getriebeteilen aussieht. Mit der Maus kann man einzelne Teile hinzufügen und entfernen und die 3D-Darstellung virtuell rotieren lassen.
Probieren wir kurz aus, ist uns aber nach der Entspannungsliege jetzt zu wenig sinnlich. Wir verstehen auch nicht, was das soll, und haben keine Lust auf Textlesen.

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Schick, aber langweilig: der Arbeitsplatz mit den technischen Explosionsdarstellungen. © Tilman Abegg

Hinterm Schreibtisch hängt ein weiterer Bildschirm mit einer Xbox-Kinect-Steuerung an der Wand: Piktogramme fordern uns auf, mit Gesten Bauteile zu drehen und auseinanderzuziehen und wieder zusammenzusetzen. Das funktioniert aber nur hakelig und bei den Kindern gar nicht. Vielleicht sind sie nicht groß genug, um vom Kinect-System erkannt zu werden.

Der Elfjährige ist schon vorgelaufen, jetzt kommt er zurück und verkündet begeistert: „Dahinten ist was Krasses – geht da bloß nicht hin. Mir ist dabei total schlecht geworden.“ Das wollen wir sehen.

Das „Krasse“ wartet eine Ecke weiter: eine Kabine mit Bildschirmwänden, in der Mitte des Raumes liegt ein Gamepad auf einem Sockel. Die Bildschirme zeigen eine grafische, detaillierte Ansicht einer fiktiven Großstadt, wie von einer Drohne aus gesehen (es gibt noch zwei andere Programme: ein Waldgebiet, in dem man forstwirtschaftliche Maschinen steuern kann, und ein Flug durchs Weltall).

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Wilde Perspektivwechsel erlaubt die Kabine mit der steuerbaren Panoramarundumsicht. © Tilman Abegg

Die Vier- und die Sechsjährige laufen zum Gamepad, drücken an den Knöpfen und Hebeln herum und beobachten mit Interesse, wie die Perspektive wild zu schwanken beginnt und nicht sehr magenfreundlich hin- und herspringt. So muss die Welt für einen Hund aussehen, der seinem eigenen Schwanz nachjagt.
Als die Kinder vom Gamepad ablassen, probiere ich es auch mal, und mit der ruhigen Hand des fortgeschrittenen Alters gelingt mir ein kurzer Flug von passabler Sanftheit.

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Ein Aquarium! Die Dasa steckt voller kleiner Überraschungen. © Tilman Abegg

Zwischenstation: Der „Wirbelgang“

Der Durchgang zur Stahlhalle heißt „Wirbelgang“. Große bandscheibenähnliche Raumteiler bilden mehrere Zwischenräume. Dort sind an Stangen Griffe angebracht, verschieden hoch, die rückenschonendes Heben veranschaulichen sollen: von Kisten, von Kindern, von Patienten, Berufsalltag eben.

Hier greift ein evolutionäres Prinzip: Kinder sind Menschen, die gern Dinge anfassen. Griffe und Haltestangen sind zum Anfassen gemacht. Erstaunlich, welche Energie entsteht, wenn beide aufeinandertreffen. Juchzend hampeln sich die Kinder Griff um Griff durch den „Wirbelgang“ und machen an jeder Station die Körperhaltungen nach, die auf die Bandscheibenwände skizziert sind.

Es greift auch ein soziales Prinzip: Erwachsene sind Menschen, die gern erst mal einen Text lesen, bevor sie etwas anfassen. Ich versuche also, mich bei dem Gejuchze und Gehampel auf den Text zu den ersten Griffen zu konzentrieren.

Schließlich greift das universelle Prinzip des Ausflugs mit Kindern: Ich habe den Text zu den ersten Griffen noch nicht zu Ende gelesen, da sind die Kinder schon durch und stürmen weiter in die große Halle am anderen Ende des „Wirbelgangs“. Also rufe ich „wartet auf mich!“, und noch bevor ich sie einhole, habe ich vergessen, was ich da gerade gelesen habe.

Station 2: Abteilung „Schuften in Schichten“

Mit Schichtarbeit ist zunächst mal die Dortmund-Folklore Stahlarbeit gemeint: Hitze, Lärm, Staub, Schweiß, Gesundheits- und manchmal sogar Lebensgefahr.

Als sich beim Eintreten die weite Halle über uns öffnet, fällt als erstes der „Lärmtunnel“ ins Auge. Der orange ausgekleidete, wie ein Gehörgang geformte Tunnel ist bei näherer Betrachtung allerdings schon etwas in die Jahre gekommen.

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Der orangefarbene Lärmtunnel. © Tilman Abegg

An die Innenwand werden kleinformatige Filme von Maschinen, die Lärm machen, projiziert. Doch die sind schwer zu erkennen, entweder weil die Technik schwächelt, oder weil wir heutzutage schärfere, größere Bilder gewöhnt sind. Zu jedem Film sind höhere Dezibel-Angaben zu sehen, dennoch hören sich alle Filme gleich laut an.

Die Kinder laufen trotzdem gern durch. Ist schließlich ein orangener Tunnel, der auch noch ein bisschen Lärm macht – jippie!

Dem Tunnel gegenüber, an der Stirnwand der Halle, sitzt, nein, thront, nein, ragt der alte Lichtbogenofen empor, den selbst diese Riesenhalle kaum zu umfassen scheint: ein monumentales Ungetüm aus Stahl und noch mehr Stahl, berggewordene Verkörperung der Alchimie des Industriezeitalters.

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“Gigant“ nennt die Dasa ihren Lichtbogenofen von der Westfalenhütte. © Tilman Abegg


Bis 1985 verwandelte „unser Gigant“ (Dasa) auf der Westfalenhütte Scheiße in Gold, beziehungsweise Schrott in Stahl, schluckte bis zu 70 Tonnen Altmetall auf einmal, schmolz es und spuckte bis zu 15.000 Tonnen Stahl im Monat aus. Wenn er loslegte, schreibt die Dasa, sei er so laut gewesen wie ein startender Düsenjet.

Jetzt ruht das Ding in der Dasa wie ein rätselhaftes Monument der Vergangenheit. Ein Dortmunder Machu Picchu.

Das Dasa-Drom

Schräg gegenüber, an der Fensterwand der Halle, stehen zwei freundliche Dasa-Mitarbeiterinnen vor dem Eingang zu etwas, das wie eine kleine Mine aussieht. Der Elfjährige nennt es „die Geisterbahn, die gar nicht gruselig ist“. Die Dasa nennt es das „Dasa-Drom“.
Es ist eine kleine Sitzkabinenbahn, die herzhaft rumpelnd durch einen stockdunklen, gewundenen Tunnel schnauft. An jeder Biegung fällt plötzlich helles Licht auf ein überladenes, kippendes Regal (das mitten im Fall innehält, von Seilen gehalten) oder weitere Beispiele unsachgemäßer Lagerung.
Jedes sorgt für einen kurzen Huch-Moment, der auch die Vier- und die Sechsjährige amüsiert.

Die Fahrt dauert (gefühlt) eine knappe Minute. Übrigens: Laut ihren Sicherheitshinweisen gestattet die Dasa die Fahrt Kindern unter acht Jahren nur in Begleitung Erwachsener.

Geräusche und Lärm im Beruf

Wir werfen einen Blick in die Kabinen zwischen Rumpelbahn und Lärmtunnel. Da gibt es mehrere Beispiele für laute Geräusche im Berufsleben. In einer Kabine sind kleine Maschinen zu sehen, offenbar zum Ausprobieren, in einer anderen kann man sein Gehör testen (und laut Dasa-Homepage das Ergebnis direkt auf sein Handy laden, um es seinem Ohrenarzt zu zeigen).

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Schöner schlafen in der Dasa auf der Entspannungsliege. © Tilman Abegg


Dazu kommen wir nicht, die Kinder wollen weiter. Wo ist eigentlich der Elfjährige? Zuletzt gesehen habe ich ihn kurz vor der Drohnenflugkabine …
Ich entdecke ihn in der „Am Bildschirm“-Abteilung auf der Entspannungsliege: „Och Papa, jetzt wär‘ ich gerade fast eingeschlafen.“

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Drinnen kann er schreien, so laut er will - draußen hört man kaum etwas davon. © Tilman Abegg

Die anderen finden wir in der Stahlhalle im alten Straßenbahnwaggon, der wie so vieles in der Dasa begehbar ist. Der Elfjährige will uns unbedingt die Schreikabine zeigen, die er mit seiner Schulklasse vor Kurzem besucht hat („Wir haben so laut geschrien, wie wir konnten, aber wir haben nur 50 Dezibel geschafft. Voll krass!“). Wir brüllen eine Runde, irgendwas zwischen 25 und 35 Dezibel.

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Das ist keine Astronautenkleidung, sondern es sind Feuerwehranzüge. © Tilman Abegg

Die Feuerwehr-Einsatzzentrale

Dann sichten wir die „original“ (Dasa) nachgebaute Feuerwehr-Einsatzleitzentrale direkt neben der großen Stahlhalle. Die Mädchen setzen sich ans große Leitpult mit Bildschirmen, Tastaturen und Telefonen und nehmen imaginäre Anrufe entgegen ( „Hallo Klara! Nein, ich kann jetzt leider nicht mit dir sprechen, ich arbeite, weißt du?“).

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In der Feuerwehrzentrale: „Hallo Klara! Nein, ich kann jetzt leider nicht mit dir sprechen, ich arbeite, weißt du?“ © Tilman Abegg

Die Viertelstunde, die wir dort verbringen, reicht gerade mal, um sich das Leitpult, die Einsatzkleidungen und einige der Vitrinen anzugucken.

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Anschaulicher Großeinsatz der Playmobilfeuerwehr. © Tilman Abegg


Auch das kleine Computerspiel zum Wohnungsbrand probieren wir aus, tippen uns am Touchscreen in den richtigen Raum und wählen je nach Art des Brandes das richtige Löschmittel. Beim brennenden Fett in der Pfanne zum Beispiel muss man einfach nur den Deckel drauflegen.
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Die Hörmuscheln in der Feuerwehrzentrale funtionieren bei unserem Besuch nicht. So bleibt das Video ein Stummfilm. © Tilman Abegg

Station 3: Der Gastronomiebereich

Dann meldet sich der Hunger. Im ersten Stock des Eingangsbereichs liegt das Bistro: kleines Salatbüffet, drei täglich wechselnde, einfache Gerichte, Limonaden, Kaffee, Wasser, Schokoriegel, Eistruhe.

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Im Bistro. © Tilman Abegg

Wir bestellen dreimal Pommes mit Ketchup, einmal Maccharoni mit Fleischsauce, einmal Salatplatte mit Spiegeleiern und Röstkartoffeln und einmal die Chicken Nuggets mit Pommes. Kostet zusammen 23,60 Euro. Dazu drei Apfelschorlen und eine Cola für … Euro. Das Essen ist ok, etwa so wie in der Kantine eines größeren Schwimmbads.

Station 4: Der Spielplatz, genauer: Die Spielbaustelle

Achtung: Wenn Ihre Kinder die Spielbaustelle entdecken, sollten Sie sich für die nächste Stunde nichts weiter vornehmen. Kein Wunder: Ich kenne in Dortmund und auch darüber hinaus nichts Vergleichbares.

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Die iínderbaustelle: herrlich. © Nils Heimann


Was im flüchtigen Vorbeigehen wie ein Klettergerüst aussieht, ist, inmitten eines Sandkastens, der Rohbau eines kleinen Häuschens. Das können die Kinder fertigbauen, wieder auseinandernehmen und von Neuem beginnen.

Mit den herumliegenden Ziegelsteinen, leichter und weicher als echte, ziehen sie die Wände hoch. Für das Giebeldach liegen Dachziegel bereit, die sie leicht anbringen können. In einer kleinen Bauarbeiterbude aus Holz liegen Helme und Handschuhe in Kindergrößen bereit.

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Stein auf Stein: Auf der Spielbaustelle ziehen die Kinder selbst die Mauern hoch. © Tilman Abegg

Es gibt Schaufeln, einen Lkw mit Pylonen und Sicherheitsbarrieren zum Abladen und Aufstellen und einen kleinen hölzernen Presslufthammer. Und weil offenbar für alle genug Platz und Gerät da ist, gibt es während unserer Stunde auf dem Spielplatz nicht einen einzigen Streit.

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Kinderleicht ist das Dachdecken auf der Spielbaustelle. © Tilman Abegg


Wir Erwachsenen und die anderen Eltern sitzen derweil an den Tischen vor der Baustelle. Entspannt und mit gutem Blick auf das Geschehen.

Als ich für ein Foto in den Dachstuhl klettere, kommt ein Dasa-Mitarbeiter und komplimentiert mich freundlich da runter.
Ich hatte das Schild nicht gesehen: Gedacht ist die Spielbaustelle nur für Kinder von vier bis zwölf Jahre. Leuchtet ein.

Station 4: Die Geräuschecke

Die „Geräuschecke“ habe ich jetzt mal so genannt. Sie liegt in einem größeren Zwischenbereich neben der Druckerei. Spätestens hier muss ich sagen: Die Dasa und Kinder, das funktioniert einfach gut zusammen.

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Das „Stimmwunder“. © Tilman Abegg


Das „Stimmenwunder“ und das „Loop-Samplophon“ sind zwei weitere Beispiele für die vielen Ausstellungsstücke mit den gleichen Qualitäten: Sie sind so konstruiert, dass jeder direkt versteht, wie man sie bedient.
Sie sind robust genug für Kinder und machen ihnen Spaß. Und sie sind raffiniert genug, dass auch Erwachsene sie gern ausprobieren.

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Egal, wie lustig man ins Mikro quiekt, über die Kopfhörer klingt es noch lustiger. © Tilman Abegg


Die Mädchen setzen sich am „Stimmenwunder“ die Kopfhörer auf, sprechen in die Mikrofone und kringeln sich, weil ihre Stimmen nach Roboter oder Alien klingen.

Beim „Loop-Samplophon“ schlagen sie mit den Klöppeln auf die xylophonähnlichen Klangstäbe und finden die Geräusche witzig.
Wir Erwachsenen erkennen die Geräusche als typische Hiphopsamples, mit denen man allein oder zu zweit ganz coole Beats produzieren kann.

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Das „Loop-Samplophon“ funktioniert, wie vieles in der Dasa, ganz einfach: Kopfhörer auf und losklöppeln. © Tilman Abegg


Und daneben steht, ganz unscheinbar, ein kleiner Tisch mit einem Stapel Papier und einer Anleitung zum Papierfliegerfalten. Nach Stahlkochmonster, Feuerwehr-Hightech und ausgefuchsten Soundinstallationen knicken wir ein Blatt zu einem Papierflugzeug und lassen es durch die weiten Gänge fliegen. Mein ganz persönlicher Dasa-Moment.

Der freundliche Dasa-Mitarbeiter, der mich vom Spielbaugerüst geholt hat, und der uns während unseres Besuchs immer mal wieder begegnet ist und Hinweise und Tipps gegeben hat, macht uns darauf aufmerksam, dass wir von hier übers Treppenhaus direkt in den neuen Bereich der Dauerausstellung in der ersten Etage gehen können. Machen wir.

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Schick, aber wenig zum Ausprobieren: Die „Neuen Arbeitswelten“. © Tilman Abegg

Station 5: „Neue Arbeitswelten“

Neu sehen sie auch aus, die Räume, mit großen Vitrinen und Schaukästen. Darin sind Werkzeuge und Instrumente der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeitswelt ausgestellt: 3D-Drucker und-Scanner, Lastendrohnen und selbstfahrende Transportwagen und ein „Exo-Jacket“, mit dem Lagerarbeiter schwere Kisten einfach heben und tragen können.
Stichworte: Industrie 4.0, Logistik, Dienstleistungen, Wissensarbeit.

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Mit diesem „Exo-Jacket“ lassen sich lästige Lasten leichter liften. © Tilman Abegg


Auf schmalen Zwischenwänden erzählen übergroß projizierte Menschen von ihren Jobs in naher Zukunft, von ihrem Arbeitsalltag und davon, was ihnen wichtig ist. Interessant. Und sieht gut aus.

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Überlebensgroß erzählen diese Menschen in den „Neuen Arbeitswelten“ vom Arbeitsleben der Zukunft. © Tilman Abegg

Trotzdem wirkt der neue Ausstellungsbereich etwas leer und unfertig. Es gibt viel zum Zu- und Anschauen, aber wenig zum Ausprobieren.

Auf der Internetseite schreibt die Dasa, man könne an Themeninseln an einer „Zukunftsbörse“ teilnehmen, indem man seine Vorstellungen mitteilt und mit denen der anderen Besucher abgleicht. Das ist uns nicht aufgefallen. Aber wir haben auch nicht danach gefragt, weil wir schon erschöpft waren.

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In dieser Sitzröhre sollen Videos zu sehen sein. Bei unserem Besuch waren sie gerade nicht in Betrieb. © Tilman Abegg


Zwei futuristisch geformte Sitzschalen mit einem kleinen Bedienfeld auf der Sitzbank sollten eigentlich Filme projizieren, aber die seien leider am Vormittag ausgefallen, teilt uns eine Mitarbeiterin mit.
Ein eindrucksvoller Doppeltouchscreen soll die zukunftsweisende Bearbeitung von Dateien, Grafiken und Dokumenten veranschaulichen. Die Touchscreens funktionieren auch, doch man kann darauf mit dem Finger nur den Mauszeiger bewegen, aber nicht die abgebildeten Dokumente bearbeiten, obwohl es ja genau darum geht.

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Dieser Arbeitstisch der Zukunft kann komplett über Touchscreens bedient werden – behauptet zumindest die Beschreibung. © Tilman Abegg

An den Fenstern liegen Tablets, die Infofilme über Gegenwart und Zukunft der Arbeit abspielen können, allerdings ruckeln die Filme und stocken immer wieder.

Insgesamt gesehen, sind die „neuen Arbeitswelten“ schick, brauchen aber noch etwas Feinschliff und mehr Interaktion, um das Niveau und den Unterhaltungswert der übrigen Dasa-Abteilungen zu erreichen.

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Etwas kahl wirken die Gänge der „Neuen Arbeitswelten“. Und die Tablets vor den Fenstern funktionieren auch nicht richtig. © Tilman Abegg


Fürs nächste Mal

Einige Dinge, die wir nicht mehr geschafft haben, aber bei unseren nächsten Besuchen nachholen wollen:

- den Lkw-Simulator mit echtem Fahrersitz, Steuerkonsole und Lenkrad, bei dem man mehrere Lkw-Modelle und sogar Gewicht und Schwerpunkt der Ladung einstellen kann.

- den „Space Curler“, in dem man sich durch Gewichtsverlagerung um alle Achsen drehen kann.

- die vielen anderen Bereiche der Dauerausstellung.

- die Sonderausstellungen.

- den Buchbinder-Workshop, Tagesangebot bei unserem Besuch, wollten wir eigentlich mitmachen, aber plötzlich war die Zeit rum.

Unser Fazit

Die meisten Ausstellungsstücke wollen etwas über Arbeit erklären und richten sich inhaltlich eher an Erwachsene und Jugendliche, die sich schon ernsthaft mit der Frage beschäftigen, was sie beruflich machen wollen.

Wobei die Stärke der Ausstellungen nicht so sehr darin liegt, einzelne Berufe zu erklären, sondern vielmehr Umstände und Faktoren des Berufslebens erfahrbar zu machen: Stress und Entspannung, bequeme und unbequeme Arbeitsplätze, Lärm und Lärmschutz und so weiter.

Viele Exponate sind so spielerisch entworfen, dass es auch den kleineren Kindern einfach Spaß, macht sie auszuprobieren. Die Vierjährige muss nicht wissen, wie ein Stimmenmodulator funktioniert oder in welchen Berufen er eingesetzt wird, um damit nach Herzenslust rumzualbern.

Hatte ich erwähnt, dass es hier viel zu sehen und zu tun gibt? Egal, noch einmal: Es ist viel, viel und noch mal viel mit Sahne obendrauf. Um alles am Stück zu erleben, nimmt man sich am besten eine Woche Urlaub.

Der riesige Umfang ist auch eine Herausforderung: Wer einfach nur so hin- und durchgeht, muss Glück haben, um die Dinge zu sehen, die ihn am meisten interessieren. Wer nichts für ihn Interessantes verpassen will, sollte vor dem Besuch eine Viertel- oder halbe Stunde auf der Internetseite verbringen.

Dieses Mal hat es uns Spaß gemacht, uns ohne festen Plan durch die Ausstellung treiben zu lassen. Beim nächsten Mal werde ich aber vorher nachschauen, was ich wo finde.

Das sagt der Experte zur Dasa

Professor Norbert Zmyj, Entwicklungspsychologe an der TU Dortmund, sagt zu unserem Dasa-Besuch:

„Ein Großteil der Wachzeit verbringen die meisten Erwachsenen mit Arbeit – sei es Erwerbs- oder Familienarbeit. Idealerweise bringen sie dabei ihre Interessen und Fähigkeiten in ihre Arbeit ein.
Darum ist es gut, wenn Kinder und Jugendliche bereits früh mit den Herausforderungen verschiedener Berufe konfrontiert werden. Die Erwachsenen, die sich bereits in Kindheit und Jugend aus Interesse mit Themen ihres späteren Arbeitsgebiets befasst haben, sind erfolgreicher und zufriedener bei ihrer Tätigkeit als jene, die aus anderen Beweggründen einen Beruf ergreifen.

Eltern können ihre Kinder dabei auf drei Arten unterstützen.

  • Erstens können sie ihnen Anregungen zur geistigen und körperlichen Betätigung liefern. Das kann ein kindgerechter Werkzeugkoffer oder Chemiekasten sein, ein Sachbuch für Kinder – oder eben ein Besuch bei der DASA.
  • Zweitens können sie Leistungen ihrer Kinder in Schule und Freizeit wertschätzen, damit die Kinder einen Maßstab für das eigene Schaffen entwickeln.
  • Und drittens können Eltern ihren Kindern den Freiraum lassen, der auch mal mit Langeweile seitens der Kinder einhergehen kann, in dem sie ihre Neigungen und Interessen eigenständig entdecken können.

Zusammen kann daraus die Leistungsbereitschaft entstehen, die notwendig ist, um seine Fähigkeiten in einer Berufsausbildung oder im Studium zu veredeln und Freude im späteren Beruf zu erleben.“

In Kürze

Was gibt es für Kinder?

Ein großes Gebäude zum Erkunden, sehr viele Dinge zum Ausprobieren und Spaßhaben, und die tolle Spielbaustelle.

Was gibt es für Erwachsene?

Ebenfalls viele Dinge zum Ausprobieren und Spaßhaben – auch auf Erwachsenen-Niveau. Dazu jede Menge Informationen, die zum großen Teil auch für den eigenen Berufsalltag relevant sind. Zum Beispiel die Angebote zum rückenschonenden Sitzen im Büro.

Was muss man wissen?

Je mehr Zeit man sich für den Besuch nehmen kann, desto weniger muss man bedauern, etwas verpasst zu haben.

Man kann sich selbst Essen und Getränke mitnehmen und zum Beispiel an den Tischen neben der Spielbaustelle picknicken.

An der Kasse kann man mit Karte zahlen, im Bistro nicht. Einen EC-Automaten gibt es nicht.

Die Dasa ist barrierefrei.

Hilft die Internetseite?

Die ist ausgesprochen umfangreich und übersichtlich gegliedert. Hier kann man seinen Besuch gut vorab planen.

Es gibt auch eine FAQ-Liste.

Anfahrt, Preise und Öffnungszeiten

Erwachsene zahlen 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder unter 6 Jahren sind frei. Zwei Erwachsene und drei Kinder (6 Jahre oder älter) zahlen zusammen 16 Euro. Weitere Preise gibt es hier.

Geöffnet: Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Alle Infos zur Anfahrt gibt es hier.

So funktioniert der Museums-Check
  • Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders. Wir glauben, dass es nicht das beste Museum gibt, das für alle Familien am schönsten ist.
  • Daher besuchen wir die großen und kleinen Dortmunder Museen und zeigen, was sie jeweils bieten, was sie ausmacht.
  • So können Sie beurteilen, ob das Angebot auch etwas für Sie und Ihre Familie ist – denn was Ihnen Spaß macht, wissen Sie selbst am besten.
  • Die bisherigen Folgen der Serie „Im Museum mit der Familie“ lesen Sie hier:
  • der Familiensonntag im U
  • das Mondo Mio
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