Ist die Gichtgasleitung in Hörde Denkmal oder Schrott? Ein Mann kämpft für den Abbau

rnGichtgasleitung Hörde

Eine mögliche Demontage der Gichtgasleitung in Hörde wird nicht einfach, weil Thyssen Krupp eine klare Vorstellung hat. In der Lokalpolitik sorgte das Thema für eine ungewöhnliche Aktion.

Hörde

, 09.04.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Richard Kelber hat sich sattgesehen an dem grünen Rohr. „Die ganze Gegend wird verschandelt“, sagt er, wenn er über die ehemalige Gichtgasleitung spricht. Daher, und weil er die Konstruktion für ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr hält, setzt er sich für den Abbau dieses industriellen Reliktes ein. Das wird aber nicht so einfach.

Die Bezirksvertretung hat eine erste Entscheidung gefällt

Die Gichtgasleitung verlief einst oberirdisch vom Phoenix-West-Gelände bis zur Westfalenhütte. Mit dem Bau des Phoenix-Sees ist ein Teil davon demontiert worden, die Strecke wird aber auch heute genutzt. Denn Thyssen Krupp transportiert Stickstoff von Hörde in die Nordstadt, das Gichtgasrohr dient dabei als Trägerleitung. Der Stickstoff fließt durch eine deutlich schmalere Leitung. Das Gichtgasrohr mit einem Durchmesser von mehr als zwei Metern ist ungenutzt.

Die Gichtgasleitung verläuft wie ein Bogen über die Straße an der Ecke Steinkühlerweg/Bunzlaustraße in Hörde.

Die Gichtgasleitung verläuft wie ein Bogen über die Straße an der Ecke Steinkühlerweg/Bunzlaustraße in Hörde. © Michael Nickel

Richard Kelber geht es insbesondere um die Demontage und die Verlegung der Stickstoffleitung unter die Erde auf dem Teilstück zwischen Winzerweg und Steinkühlerweg. Seit März 2017 wendet sich der Hörder regelmäßig an die Bezirksvertretung (BV). Deren Mitglieder haben im Februar mit den Stimmen von SPD und Linke beschlossen, dass die Verwaltung der Stadt mit Thyssen Krupp darüber verhandeln soll, die Leitungen in dem Bereich abzubauen.

Die Stadt verzichtete darauf, einen Berichterstatter zu entsenden

Die Februar-Sitzung war außerdem Anlass für eine ungewöhnliche Aktion in der Kommunalpolitik. Denn im Februar sollte eigentlich ein Vertreter der Stadtverwaltung als Berichterstatter in die BV kommen und den Mitgliedern Fragen beantworten. Das hatte die BV so im November 2018 beschlossen. Die Stadt ist dazu verpflichtet, dem nachzukommen. Das ist aber bislang nicht passiert.

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Die ehemalige Gichtgasleitung verläuft oberirdisch zu einem Teil durch Hörde. Ein Anwohner setzt sich für die Demontage ein.
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Stattdessen lag in der Februarsitzung eine Stellungnahme des Baudezernenten Ludger Wilde vom Juni 2018 auf den Tischen der Bezirksvertreter. Damals schrieb Wilde, dass 2010 ein Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Thyssen Krupp geschlossen wurde, der frühestens 2040 gekündigt werden könne. Zudem sei die Leitung zwar kein Denkmal, sie „vermittelt dennoch ganz ‚alltäglich‘ die industrielle Geschichte der Stadt“. An der Situation werde sich wohl nichts ändern.

Weil es keinen neuen Sachstand gebe, verwies die Verwaltung auf dieses Schreiben und verzichtete auf die Entsendung eines Berichterstatters. Auch im März kam niemand. Daher bringt die CDU-Fraktion nun für die Sitzung am 9. April (15.30 Uhr) einen ungewöhnlichen Antrag auf die Tagesordnung.

Das Ende der Gichtgasleitung am Winzerweg und die Stickstoffleitung von Thyssen Krupp.

Das Ende der Gichtgasleitung am Winzerweg und die Stickstoffleitung von Thyssen Krupp. © Michael Nickel

Darin fordert die CDU die Verwaltung auf, spätestens zur Sitzung am 14. Mai einen Berichterstatter in die BV zu schicken. Die Würze in diesem Antrag liegt im letzten Satz: „Sollte bis dahin der Beschluss vom 20.11.2018 nicht umgesetzt worden sein, behält sich die Bezirksvertretung rechtliche Schritte vor.“ Einen solchen Antrag habe er noch nie gestellt, sagt der Fraktionsvorsitzende Michael Depenbrock im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir wollen damit die Bezirksvertretung stärken.“

Das Ende der Geschichte ist absehbar

Es ist gut möglich, dass dieser Antrag aber nichtig wird. Christian Schön, Pressesprecher der Stadt Dortmund, schreibt auf Anfrage: „Der Antrag wird von der Verwaltung zur Kenntnis genommen. Es gibt tatsächlich keinen neuen Sachstand. Gleichwohl wird die Stadt Dortmund der Einladung zur Berichterstattung folgen, und die Zusammenhänge auch mündlich erläutern.“ Das soll im Mai geschehen.

Das Ende der Geschichte ist absehbar. Denn am Ist-Zustand wird sich angesichts eines gültigen Vertrages aller Voraussicht nach nichts ändern. Warum sollte Thyssen Krupp viel Geld für die Demontage des alten Rohres und die unterirdische Verlegung der Stickstoffleitung in die Hand nehmen, wenn es dafür keinen zwingenden Grund gibt? Auf Anfrage zur Zukunft der Gichtgasleitung teilte Thyssen Krupp mit, dass keine Veränderung geplant sei.

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