Jäger wollen wilde Katzen ins Tierheim bringen

Streit mit Tierschützern

An der K-Frage scheiden sich die Geister zwischen Jägern und Tierschützern. Es geht um verwilderte Katzen, die Jäger nach dem neuen Jagdgesetz nicht mehr schießen dürfen. Jetzt drohen sie, wilde Katzen einzufangen und ins Tierheim zu bringen. Tierschützer sind entrüstet. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

DORTMUND

, 05.08.2015 / Lesedauer: 3 min
Jäger wollen wilde Katzen ins Tierheim bringen

Das neue Jagdgesetz verbietet es, wildernde Katzen zu töten - ein Streitpunkt zwischen Jägern und dem Umweltminister.

Worum geht's bei dem Streit genau?

Das im Mai in Kraft getretene, umstrittene neue Jagdgesetz in NRW verbietet es Jägern, auf verwilderte Katzen zu schießen. Die Jäger meinen, dass sich nun die wild lebenden Katzen unkontrolliert und explosionsartig vermehren und die Artenvielfalt im Revier, vor allem bei den Bodenbrütern, gefährden. Ludger Baumeister vom Landesjagdverband in NRW hat angekündigt, dass die Jäger zum letzten Mittel greifen und Lebendfallen aufstellen könnten, um die eingefangenen Katzen anschließend im Tierheim abzugeben.

Das allerdings ruft die Tierschützer auf den Plan. Sie meinen, dass solche wild lebenden und nicht an Menschen gewöhnte Katzen nicht in ein Tierheim gehören und nicht zu vermitteln sind.

Wie viele Katzen zuletzt geschossen worden?

In ganz Nordrhein-Westfalen wurden im abgelaufenen Jagdjahr nach Angaben des Umweltministeriums 7595 wildernde Katzen geschossen. In Dortmund allerdings waren es nur drei, im Jahr 2013 ist keine einzige Katze erlegt worden. Und in diesem Jahr bislang ebenfalls keine. Das sind jedenfalls die Zahlen der bei der Stadt angesiedelten Unteren Jagdbehörde.

Wie finden die Dortmunder Tierschützer diesen Vorschlag?

Erika Scheffer, Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, reagiert wütend auf den Vorschlag von Ludger Baumeister. Verwilderte Katzen müsse man erst tagelang anlocken, bevor man sie einfangen könne, sagt sie, ganz abgesehen davon, dass man diese freilebenden Tiere nicht in einem Tierheim einsperren könne.

Nach ihrer Ansicht sind Bodenbrüter aufgrund ihrer Populationsdichte auch nicht im Bestand gefährdet. Dennoch kann die engagierte Tierschützerin der Ankündigung des Landesjagdverbandes etwas Positives abgewinnen: „Sollen die Jäger doch die Katzen mit Lebendfallen einfangen. Wenn sie stundenlang hinter den Katzen herlaufen müssen, kommen sie nicht zum Abknallen. Dann ist das Wild auch geschützt.“

Was sagen die Jäger in Dortmund?

Jörg Tigges, seit Anfang Mai neuer Vorsitzender der Kreisjägerschaft Dortmund, hält dagegen. Dass die wilde Katzenpopulation geregelt werden müsse, sei unstrittig: „Kein Jäger schießt gern Katzen. Bislang war das eine unangenehme Verpflichtung zum Schutz der Artenvielfalt.“ Alle Jäger seien „zufrieden, dass wir es nicht mehr müssen, doch gleichzeitig unzufrieden, dass Umweltminister Johannes Remmel die Alternative schuldig geblieben ist.“

Remmel, so Tigges, habe das Thema ausschließlich für populistische Zwecke genutzt. Alle wollten schließlich den Wald gemeinsam nutzen. Tigges, der selbst vier Katzen hatte und Samtpfoten liebt, sagt: „Das ist eine Aufgabe, die das Ministerium lösen muss.“

Müsste das Tierheim in Dortmund denn überhaupt von Jägern eingefangene Katzen annehmen?

Ja, sagt der Leiter Dirk Rojahn. Doch er hält die Drohung für einen „Witz.“ Jäger machten die Probleme größer als sie seien. „Die drohen jetzt damit, das tun die sowieso nicht.“ Das Problem Vogel fressender Katzen habe es schon immer gegeben, weiß der Tierheimleiter, „das haben wir nicht nur im Wald.“ Hunde, die im Wald das Wild jagten, verursachten größere Schäden. „Die scheuchen die Rehe auf, und die laufen vors Auto.“ Aber, meint Rojahn zum Schluss, Simbabwe, wo Löwe Cecil von einem Großwildjäger gegen Geld im Nationalpark erlegt wurde' id='2776003' tag='' type='Artikel, das sei „viel schlimmer“.   

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