Jagen ist Tierschutz – Hört auf, gegen die „Jagd & Hund“ zu schießen

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Die Messe Jagd & Hund in den Westfalenhallen ist jedes Jahr Zielscheibe von Angriffen der Tierschützer, besonders wegen Jagdreisen. Dabei sind Jäger – auch in Afrika – Arten- und Naturschützer.

Dortmund

, 02.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn die Messe Jagd & Hund wie aktuell in den Dortmunder Westfalenhallen läuft, haben die Proteste von Jagdgegnern und Tierschützern wie Peta und Co. Hochkonjunktur. Oftmals dominieren dabei Emotionen statt Fakten.

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Die Debatte um die Jagd ist in diesen aufgeregten Zeiten immer weniger von Sachlichkeit geprägt. Jäger werden pauschal als traditionsversessen und blutrünstig diffamiert, als verantwortungslose Trophäensammler.

Sicher: Schwarze Schafe gibt es überall, doch wer alle Jäger über einen Kamm schert, macht es sich zu einfach; denn es gibt durchaus gute Gründe – ökologische, wirtschaftliche und ethische – für die Jagd und das Engagement der Jäger. Jagd ist mehr als der finale Schuss auf das arme Bambi.

Jäger sehen sich in erster Linie als Naturschützer. Sie kümmern sich nicht nur um Wild, sondern auch um bedrohte Arten, die Verbesserung der Lebensräume und den Schutz des Waldes vor zu viel Verbiss; denn zu viele Rehe und Hirsche sind der Tod junger Bäume und hemmen die Waldverjüngung.

Fleischkonsum heißt Tiere töten

Es gibt in Deutschland keine Raubtiere, die einen Einfluss auf die Bestände von Rehen und Hirschen haben. Es gibt auch keine „Wildnis“. Es gibt aber eine Veränderung der Kulturlandschaft mit großflächigem Anbau von nachwachsenden Rohstoffen und energiereicher Nahrung wie Raps und Mais: Das Wild kann sich daran bestens laben.

Auch der Klimawandel kurbelt das Pflanzenwachstum an und sorgt immer wieder für einen gut gedeckten Tisch mit Eichen- und Buchensamen: mehr Nahrung, mehr Wildtiere. Das sind auch ideale Lebensbedingungen für Wildschweine. Ohne Jäger könnten die Kulturfolger ihren Bestand pro Jahr vervierfachen.

Das Reduzieren von Wildbeständen und das Gewinnen von Wildbret setzen voraus, dass Tiere getötet werden. Fleisch zu essen, ist immer damit verbunden, vorher ein Tier zu töten. Wer einfach ein Schnitzel aus der Kühltruhe im Supermarkt nimmt, blendet das aus. Kein Gedanke an das Töten im Schlachthaus. Der Jäger dagegen erlebt diesen Zusammenhang hautnah.

Grünes Abitur

Worin liegt wohl mehr Grausamkeit? In der mechanisierten und industriellen Masthaltung, die nach Gefangenschaft mit dem Tod endet, oder in einem Schuss, der das Tier unvorbereitet trifft? Was ist ethischer? Wer Fleisch isst, kann nicht konsequent und generell gegen die Jagd sein.

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Bevor Jäger die Flinte anlegen und abdrücken dürfen, müssen sie ein sogenanntes grünes Abitur machen, eine staatliche Prüfung ablegen. Das heißt mindestens 120 Stunden Theorie und bis zu 80 Stunden Praxis in Biologie von Tieren und Pflanzen, Fleischhygiene, Waffenrecht und -handhabung, Naturschutz, Artenschutz, Biotopgestaltung, Jagdbetrieb, Hundewesen und Lebensmittelrecht.

Jäger engagieren sich ehrenamtlich für den Natur- und Artenschutz; denn das Jagdrecht ist auch ein Schutzrecht. Aufgrund der gesetzlichen Hegepflicht müssen Jäger Schonzeiten für bestimmte Tierarten einhalten, durch praktische Naturschutzarbeit für den Erhalt ihres natürlichen Lebensraums sorgen und diese Maßnahmen zum großen Teil selbst finanzieren.

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Manche Tiere wie Luchs, Wildkatze und Fischotter dürfen gar nicht geschossen werden. In deren Schutz und Erforschung fließt Geld aus der Jagdabgabe, die Jäger zahlen müssen.

Hasenzählungen

In Dortmund handelt es sich bei den Jagdausübungsberechtigten fast ausschließlich um ortsansässige Jäger, insbesondere Landwirte, die ihre eigenen landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Jagd einbringen.

Um gefährdete Arten wie Feldhasen zu schützen, legen sie Blühstreifen an, sogenannte Hasenapotheken, und zählen im Spätwinter und Herbst nachts den örtlich unterschiedlichen Hasenbestand mit wissenschaftlichen Methoden. Nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit sollen nur so viele Tiere entnommen werden, wie langfristig nachkommen - oder gegebenenfalls auch keine, damit sich Bestände erholen können.

Die Kreisjägerschaft in Dortmund sieht ihre Aufgabe auch darin, ehrenamtlich grundlegende Kenntnisse über den Wald und die heimische Tierwelt zu vermitteln. Seit 2002 betreibt sie eine Rollende Waldschule, die jährlich an rund 45 Tagen eingesetzt wird. Dieses Angebot wird von 4000 bis 5000 Schülern im Jahr genutzt.

Außerdem betreibt die Kreisjägerschaft gemeinsam mit Wald und Holz NRW sowie dem städtischen Kita-Träger Fabido und dem Imkerverein Derne das Forsthaus Rahm als außerordentlichen Lernort.

Naturverträgliche Jagd

Das alles klingt so gar nicht nach blutrünstigen Trophäensammlern. Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bekennt sich ausdrücklich zu einer naturverträglichen Jagd als einer Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit und ethischen Normen nicht widerspricht.

Selbst unter den besonders heftig kritisierten Anbietern von Großwildjagden zum Beispiel in Afrika, gibt es solche, die überzeugend darlegen können, dass sie den Tier- und Naturschutz sowie das Prinzip der Nachhaltigkeit ernstnehmen. Man muss das nicht gutheißen. Doch Kritiker sollten differenzieren, statt zu pauschalisieren. Also: Hört auf, gegen die „Jagd & Hund“ zu schießen.

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