Jaguar beim Zahnarzt, Affen-Babys als Frühchen behandelt - Klinikum Dortmund hilft Zoo

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Zahnfüllung beim Jaguar, ein Kamel beim Augenarzt: Der Zoo Dortmund arbeitet auch mit Ärzten zusammen, die eigentlich Menschen behandeln. Selbst die Zoo-Tierärztin war in einem Fall gerührt.

von Maya Moritz

Dortmund

, 20.08.2019, 12:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zootiermedizin trifft Humanmedizin: Am Montag (19.8.) stellten der Zoo Dortmund und das Klinikum Dortmund erstmals ihre erfolgreiche Kooperation auf medizinischem Gebiet vor. Die Zootierärztin Dr. Christina Osmann kontaktiert vor allem dann gerne einen Kollegen der Humanmedizin, wenn die nächsten Verwandten des Menschen, die Menschenaffen, erkranken.

Im April 2017 musste bei dem Orang-Utan-Weibchen Suma ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, weil es zum Geburtsstillstand gekommen war. Hier ging die Arbeit von Dr. Osmann mit der des gynäkologischen Humanmediziners Dr. Bernd Hanswille Hand in Hand. In der Folge intensivierte sich die Zusammenarbeit von Humanmedizin und Tiermedizin in Dortmund.

Als er Suma das erste Mal begegnete, so Dr. Hanswille, war vor allem eine Frage wichtig: „Wie baue ich Kontakt auf?“ Er habe Respekt gehabt, sich vorsichtig herangetastet und ihr bei seinen Visiten Obst und andere Leckereien mitgebracht. „Wenn man den Patienten ein paar Mal gesehen hat, entwickelt man ein Gefühl dafür zu deuten, wie es ihm geht. Und dann wird alles andere auch einfacher. Da sind Mensch und Tier gar nicht so verschieden.“

Orang-Utan-Babys behandelt

Schon in den 90er Jahren entstand eine Zusammenarbeit mit dem Perinatalzentrum des Klinikums bei der Behandlung von zwei erkrankten Orang-Utan-Babys. „Es war damals schon sehr beeindruckend für mich, dass uns ohne zu zögern diese Hilfestellung gewährt wurde“, teilt Dr. Osmann mit. „Die Orang-Utan-Babys wurden wie Frühchen behandelt. Das ging so weit, dass uns Equipment einer Intensivstation ähnlich in den Zoo gebracht wurde. Das war sehr rührend.“ Bei diesen Behandlungen, die erste bereits 1994, sei auch der Grundstein gelegt worden.

Weitere Beispiele für gelungene Kooperationen in den vergangenen Jahren in Dortmund sind die Zusammenarbeit mit Zahnärzten, Augenärzten, Kinderärzten, Orthopäden und Internisten.

Jaguar beim Zahnarzt, Affen-Babys als Frühchen behandelt - Klinikum Dortmund hilft Zoo

Dr. Osmann beim Ultraschalltest des Ameisenbären (28.12.2001) © Reminghorst

Nicht nur Menschenaffen werden zu Patienten des Klinikums

Den abgebrochenen Eckzahn eines Jaguars versah ein Zahnarzt mit einer Füllung. Eine Komplikation nach dem Kaiserschnitt bei einem Großen Ameisenbären wurde gemeinsam mit einem Gynäkologen behoben. Ein Neuweltkamel mit Hornhautverletzung wurde einem Augenarzt vorgestellt. Und Lungenfachärzte des Klinikums führten bei einem Tapir eine Spiegelung der Bronchien durch.

„Ich habe weder das Equipment, noch das Know-how mit diesen Gerätschaften“, sagt Dr. Osmann. Und von der Unterstützung profitieren nicht nur die Tiere. „Das ist natürlich eine unglaublich bereichernde Erfahrung für beide Seiten. Und meistens kommen die Kollegen auch ganz gerne, weil es einfach mal etwas anderes ist.“

Zootierärzte profitieren vom Austausch

Zootierärzte kennen sich als Fachärzte mit einer Vielzahl exotischer Spezies aus. In der internationalen Zusammenarbeit untereinander gibt es sogenannte „Veterinary Advisors“, spezialisierte Ansprechpartner für bestimmte Tierarten. Spezialwissen gewinnen Zootierärzte zudem aus der Kooperation mit tiermedizinischen Fachkollegen aus Groß- und Kleintierkliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ebenso werden Human- und auch Zahnmediziner mit ihrer Expertise und dem profunden Detailwissen als Kooperationspartner geschätzt.

Dem Beispiel dieser positiven Erfahrungen folgend, soll in Zukunft noch mehr intensiver Austausch und Zusammenarbeit stattfinden. Das Klinikum Dortmund plant dazu einen Live-Chat bei Facebook und Instagram. Das genaue Datum wird noch bekannt gegeben.

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